Auch der Osten ist im moderaten Aufschwung – Implikationen der Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2017 für Ostdeutschland

Für das Jahr 2017 prognostiziert das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) einen Anstieg des ostdeutschen Bruttoinlandsprodukts mit Berlin um 1,7% (Gemeinschaftsdiagnose für Deutschland insgesamt: 1,5%). Maßgeblicher Treiber ist wie in Deutschland insgesamt die Binnennachfrage. Insbesondere profitiert die Wirtschaft von der hohen Dynamik in Berlin und Sachsen. Die Produktion pro Einwohner dürfte in diesem Jahr im Osten wohl erneut etwas schneller als im Westen steigen; somit setzt sich die Tendenz kleiner Fortschritte bei der ökonomischen Konvergenz fort.

Autoren Oliver Holtemöller

Die ostdeutsche Wirtschaft (einschließlich Berlin) expandierte im Jahr 2016 um 2,1%, und damit um zwei Zehntel kräftiger als der Westteil der Republik. Insbesondere Berlin profitierte bereits seit mehreren Jahren von höheren Nachfrageimpulsen der privaten und öffentlichen Haushalte nach konsumtiven und unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie nach Wohnimmobilien und Infrastrukturbauten.

„Im Jahr 2017 dürfte die ostdeutsche Wirtschaft ihren moderaten Anstieg fortsetzen. Zu Jahresbeginn haben die Umsätze des Verarbeitenden Gewerbes wie auch in Deutschland insgesamt zugenommen, und die Auftragseingänge sind auf breiter Basis aufwärtsgerichtet“, so Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und stellvertretender Präsident des IWH. Zuversichtlich schätzten auch die regelmäßig vom IWH befragten Industriebetriebe ihre Geschäftsaussichten ein. Laut Konjunkturberichten der Fachverbände gehen sowohl die für die ostdeutsche Wirtschaft wichtigen Chemiebetriebe als auch die Maschinen- und Anlagenbauer von einem Aufwärtstrend aus. Im Baugewerbe ist der Optimismus laut IWH-Konjunkturumfrage ungebrochen.* Auch im späteren Verlauf des Jahres 2017 bleiben die konsumnahen Branchen des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungsbereichs die entscheidenden Impulsgeber. Zugleich erholt sich die Weltkonjunktur, sodass die Exporte, aber auch die Vorleistungslieferungen der ostdeutschen Unternehmen an westdeutsche Endproduzenten von Exportgütern dann wieder etwas an Fahrt gewinnen. Das Baugewerbe profitiert ähnlich wie in Deutschland von den insgesamt guten Rahmenbedingungen und der steigenden Nachfrage in Ballungszentren wie Berlin, Leipzig, Dresden und anderen Universitätsstädten. Zudem gehen Impulse von öffentlichen Infrastrukturinvestitionen aus. Zwar werden Nachfrage und Produktion in den ostdeutschen Flächenländern nach wie vor durch eine schwächere demographische Entwicklung als in Deutschland gedämpft, der Bevölkerungszuwachs in Berlin und die sich dort fortsetzende gute Konjunktur im Dienstleistungsbereich werden sie aber wohl weitgehend ausgleichen. Während die ostdeutschen Flächenländer im Jahr 2017 mit 1,5% wohl in etwa so stark expandieren wie die westdeutschen, dürfte die ostdeutsche Wirtschaft (einschließlich Berlin) erneut um zwei Zehntel stärker zulegen als Deutschland insgesamt. Der schwächere Zuwachs der Produktion gegenüber dem Jahr 2016 resultiert – wie in Deutschland – vor allem aus der geringeren Anzahl von Arbeitstagen. „Der Aufholprozess Ostdeutschlands beim Bruttoinlandsprodukt je Einwohner setzt sich bei etwas geringerer Bevölkerungsentwicklung als in Westdeutschland in kleinen Schritten fort“, resümiert Holtemöller.

Im Verlauf des Jahres 2017 wird die Beschäftigung weiter zunehmen. Getragen wird der Beschäftigungsaufbau weiterhin von der SV-pflichtigen Beschäftigung. Dabei dürfte in Ostdeutschland die gleiche Zuwachsrate wie in Westdeutschland erreicht werden. Die registrierte Arbeitslosigkeit nimmt weiter ab; sie dürfte im Jahresdurchschnitt 650 000 betragen. Die – auf die Erwerbspersonen bezogene – Arbeitslosenquote dürfte im Jahr 2017 7,6% betragen (2016: 8,4%).

Hintergrund: Das IWH hat im Frühjahr 2017 seine Konjunkturprognose für Ostdeutschland vorgelegt,** aufgrund der aktuell recht günstigen Konjunkturindikatoren wird die Prognose für Ostdeutschland mit Berlin um vier Zehntel angehoben. Am 12.04.2017 stellen die Wirtschaftsforschungsinstitute unter Beteiligung des IWH ihre aktualisierte Konjunkturprognose für Deutschland insgesamt vor, vgl. Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose: Aufschwung festigt sich trotz weltwirtschaftlicher Risiken. Frühjahr 2017. Halle (Saale) 2017. In dieser Pressemitteilung wird beschrieben, welche Implikationen sich aus der aktuellen Prognose für Deutschland insgesamt für Ostdeutschland ergeben.

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Stefanie Müller
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Verknüpfte Publikationen

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Konjunktur aktuell: Beschäftigungsboom in Deutschland – aber gesamtwirtschaftlich keine Überhitzung

Oliver Holtemöller Hans-Ulrich Brautzsch Andrej Drygalla Katja Heinisch Martina Kämpfe Konstantin Kiesel Axel Lindner Brigitte Loose Jan-Christopher Scherer Birgit Schultz Matthias Wieschemeyer Götz Zeddies

in: Konjunktur aktuell , 1, 2017

Abstract

Die deutsche Wirtschaft ist in recht guter Verfassung. So hält der Beschäftigungsaufbau an, und der private Konsum legt aufgrund steigender Realeinkommen robust zu. Die Ausrüstungsinvestitionen werden allerdings weiterhin nur verhalten ausgeweitet. Insgesamt expandiert die Nachfrage in etwa so schnell wie das Produktionspotenzial, und die Auslastung ist normal. Im Jahr 2017 dürfte die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts mit 1,3% nicht aufgrund einer schwächeren Konjunktur, sondern vor allem wegen einer geringeren Anzahl an Arbeitstagen niedriger als im Vorjahr ausfallen.


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IWH-Konjunkturbarometer Ostdeutschland: Moderater Anstieg der Produktion im Winterhalbjahr 2016/2017

Udo Ludwig Franziska Exß

in: Konjunktur aktuell , 1, 2017

Abstract

Auf die Stagnation im dritten Quartal des vergangenen Jahres folgte in den Monaten Oktober bis Dezember ein moderater Zuwachs der Produktion. Das Bruttoinlandsprodukt ist in den Neuen Bundesländern – saisonbereinigt nach dem Berliner Verfahren – um 0,3% gestiegen (Alte Bundesländer: 0,4%). Die Steigerung beruht auf einem Wechsel der Auftriebskräfte: Das Produzierende Gewerbe legte nach dem Minus an Wertschöpfung im Sommer wieder zu, und das Plus der Dienstleister hat sich erhöht.

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