25 Jahre IWH

Kranke Banken treiben Schulden von Zombie-Firmen nach oben

Angeschlagene Eurostaaten wie Griechenland und Spanien haben aktuell nicht nur mit ihren Banken zu kämpfen, sondern auch mit hochverschuldeten Firmen im eigenen Land. Eine Gruppe von Forschern unter der Beteiligung von Michael Koetter vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) fand nun heraus: Scheitern die Banken daran, ihre finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen, behindert das auch den Schuldenabbau von Unternehmen, die ohnehin ums Überleben kämpfen – und steigert mitunter sogar deren Schulden.

Autoren Michael Koetter

Seit der Finanz- und Schuldenkrise ringen europäische Banken damit, ihre faulen Kredite loszuwerden. Besonders ausgeprägt ist das Bankenleiden in den Randgebieten der Eurozone, zum Beispiel in Griechenland, Portugal oder Spanien. Gleichzeitig steigerte sich der Anteil an hochverschuldeten so genannten „Zombie-Firmen“ in eben diesen Euro-Peripheriestaaten. Zombie-Firmen schreiben jahrelang Verluste und gelten vor allem aufgrund ihrer hohen Schulden als kaum überlebensfähig. Wenn nun die Probleme der Banken nicht schnell und nachdrücklich angegangen werden, hält das auch den Schuldenabbau im Unternehmenssektor auf, fanden die Ökonomen heraus. Das bedeutet vor allem auch, dass gerade hochverschuldete Unternehmen daran scheitern, ihre Schulden zu reduzieren.

Untersucht wurden über 400 000 kleine und mittelständische Unternehmen in Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Slowenien (Randstaaten der Eurozone) sowie Deutschland und Frankreich (Kernländer) zwischen 2010 und 2014. Es zeigte sich, dass die Schulden gesunder Firmen durch den Stress der Banken weitgehend unberührt blieben. Im Durchschnitt konnten diese Firmen ihre Schulden sogar abbauen. Zombie-Firmen hingegen hielten der Notlage der Banken nicht stand. „Diese Firmen haben ohnehin schon hohe Schulden. Die Schieflage der Banken hat nun dazu geführt, dass ihre Schulden sogar noch weiter stiegen. Und zwar um einen Prozentpunkt jährlich“, so Koetter.

Die Ergebnisse waren jedoch nur in den Randgebieten der Eurozone signifikant, in den Kernländern Deutschland und Frankreich hatten die gestressten Banken keinen Einfluss auf die Schulden, weder auf die der kleinen und mittelständischen Unternehmen noch auf die der Zombie-Firmen. Damit spiegeln die Ergebnisse auch die geographische Verteilung von angeschlagenen Banken und Zombie-Firmen wider, von denen zwar nicht alle, aber doch die meisten in den Randgebieten der Eurozone liegen.

„Ob und wie schnell Schulden in Unternehmen abgebaut werden, hängt also grundsätzlich auch davon ab, wie Unternehmens- und Finanzsektor miteinander interagieren“, erklärt Koetter. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Wechselbeziehung zwischen geschwächten Banken und ebenfalls geschwächten Unternehmen eine mögliche Ursache für den Verzug des Schuldenabbaus in den Randgebieten der Eurozone ist. Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung braucht daher beides, den Schuldenabbau von Banken und den von Unternehmen.“

Die Ergebnisse der Studie bekräftigen damit die Anstrengung der Politik, Anreize für Banken zu schaffen, ihre faulen Kredite zügiger abzubauen. Denn das begünstigt wiederum auch den Schuldenabbau im Unternehmenssektor.

Der Datensatz der Studie ist repräsentativ sowohl in Bezug auf den Unternehmenssektor als auch die Firmengröße und erfasst zwischen 25% und 65% der Beschäftigten in den fünf Euro-Peripheriestaaten.


Veröffentlichung:
Storz, M.; Koetter, Michael; Setzer, R.; Westphal, A.: Do We Want These Two to Tango? On Zombie Firms and Stressed Banks in Europe, in: IWH Discussion Papers 13/2017. Halle (Saale) 2017.

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