25 Jahre IWH

Ostdeutsche Flächenländer können mit westdeutschem Wirtschaftswachstum nicht mithalten

Deutschlands Wirtschaft ist im Jahr 2017 um stolze 2,2% gewachsen. Bei näherem Hinsehen offenbart sich aber schnell: Die Wachstumszahlen von Bundesländern wie Bayern (+2,8%), Bremen (+3,3%) und Niedersachsen (+2,5%) verheißen deutlich mehr als die der ostdeutschen Flächenländer, beispielsweise die Sachsens (+1,4%) und vor allem Sachsen-Anhalts (0,8%), wie die heute vorgelegten BIP-Wachstumszahlen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (VGRdL) für 2017 zeigen. Damit geht die Schere zwischen Ost- und Westdeutschland nicht weiter zu. „Der Aufholprozess stagniert; die ostdeutschen Länder sollten ihre Wirtschaftspolitik mehr auf die bessere Qualifizierung der Erwerbstätigen und Innovationen ausrichten“, so Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und Leiter der Abteilung Makroökonomik.

Autoren Oliver Holtemöller

Sicher, auch einige westdeutsche Bundesländer wachsen unterdurchschnittlich, so beispielsweise Nordrhein-Westfalen mit einem Plus von nur 1,7%. Insgesamt bleibt das Wachstum in den ostdeutschen Flächenländern aber hinter Westdeutschland zurück. Das Bruttoinlandsprodukt in den ostdeutschen Bundesländern ohne Berlin ist 2017 nur um 1,4% gestiegen, in Westdeutschland dagegen um 2,3%.

Ein wichtiger Erklärungsfaktor ist die unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung: Im Jahr 2017 nahmen in Westdeutschland 1,5% mehr Menschen eine Arbeit auf, in den ostdeutschen Flächenländern waren es nur 0,8%. Das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen, ein Maß für die Arbeitsproduktivität, hat in Ost- und Westdeutschland in etwa gleich stark zugelegt (West: +0,7%, Ost inkl. Berlin: +0,5%, Ost ohne Berlin: +0,7%). „Das bedeutet, dass der Aufholprozess bei der Produktivität und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit stagniert“, so Holtemöller.

Die ostdeutschen Länder sollten daher ihre Wirtschaftspolitik umstellen, um weiter aufholen zu können. Während in der Vergangenheit Investitionen in das Sachkapital im Vordergrund standen, sind jetzt qualifizierte Erwerbstätige der Engpass. Die Schulabbrecherquote ist doppelt so hoch wie in Westdeutschland, die Universitäten in den ostdeutschen Flächenländern können bei der Spitzenforschung (gemessen beispielsweise an DFG-Exzellenzclustern) insgesamt nicht mit Westdeutschland mithalten, und die ostdeutschen Flächenländer sind weniger attraktiv für qualifizierte Zuwanderer.

Die erste Phase des Aufholprozesses in Ostdeutschland war getrieben von Investitionen. „Jetzt braucht es innovationsgetriebenes Wachstum. Die Treiber von Wirtschaftswachstum, Forschung und Innovation sind eher in urbanen Regionen angesiedelt. Sowohl Wirtschaft als auch Wissenschaft müssen vor allem in den größeren Städten gebündelt gefördert werden, wenn der ostdeutsche Aufholprozess weitergehen soll. Das zeigt auch die dynamische Entwicklung in Berlin. Für Landespolitiker, die selbstverständlich immer auch die ländlichen Regionen mit im Blick haben müssen, ist das eine unbequeme Erkenntnis“, erläutert Holtemöller.

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