25 Jahre IWH

IWH-Konjunkturbarometer Ostdeutschland: Inlandsnachfrage schiebt ostdeutsche Produktion an

Im vierten Quartal 2015 hat das Bruttoinlandsprodukt in den ostdeutschen Flächenländern – saisonbereinigt nach dem Berliner Verfahren – um 0,4% gegenüber dem schwachen dritten Vierteljahr zugenommen. Getrieben wurde die Aufwärtsbewegung vom Produzierenden Gewerbe. Der Dienstleistungssektor stagnierte. Obwohl sich der Produktionsanstieg beschleunigte und die Entwicklung in den Alten Bundesländern übertraf (0,2%), stieg das Bruttoinlandsprodukt im Durchschnitt des Jahres 2015 – wie bereits im vergangenen Dezember vom IWH geschätzt – nur um 1,3%. Damit expandierte die Produktion in den Neuen Bundesländern erneut langsamer als in den Alten (1,7%).

Autoren Udo Ludwig

Im Sog der deutschlandweit anziehenden Nachfrage der Investoren und Konsumenten hat das ostdeutsche Produzierende Gewerbe im vierten Quartal 2015 einen regelrechten Endspurt hingelegt. Im Verarbeitenden Gewerbe ist die Wertschöpfung kräftig und im Baugewerbe deutlich gestiegen. Die Schwäche vom Sommer wurde mehr als ausgeglichen.

Maßgeblich für den Auftrieb im Verarbeitenden Gewerbe war die gestiegene Nachfrage der Unternehmen und des Staates nach Maschinen, Geräten und Fahrzeugen. Hinzu kam der Produktionsschub bei Vorleistungsgütern aus jenen Industriezweigen, die im Verbund mit den stark expandierenden Bauinvestitionen stehen. Auch die konsumnahen Produzenten von Vorleistungsgütern legten kräftig zu, sofern sie in die Bereitstellung von Leistungen für die Flüchtlinge durch die staatlichen Stellen einbezogen waren. Im Unterschied dazu sind die Nachfrageimpulse der privaten Haushalte – strukturell bedingt – an den ostdeutschen Herstellern von industriellen Konsumgütern vorbeigegangen. Die Auslandsumsätze der ostdeutschen Industrie haben zuletzt zugenommen, die Flaute im Sommerhalbjahr konnten sie allerdings nicht wettmachen. In den Alten Bundesländern ist die industrielle Wertschöpfung im vierten Quartal 2015 gesunken.

Im Dienstleistungssektor zeichnete sich im vierten Quartal eine gespaltene Entwicklung ab. Während der Handel und das Gastgewerbe trotz steigender Konsumausgaben der privaten Haushalte nicht an die Aufwärtsbewegung im dritten Quartal anknüpfen konnten, setzte sich die positive Tendenz im Bereich Verkehr, Information und Kommunikation sowie Unternehmensdienstleistungen fort. Die Finanzdienstleister verloren angesichts der niedrigen Zinsen, der Margenverengung infolge der hohen Refinanzierungskosten sowie der nur leicht zunehmenden Kreditvergabe weiter an Boden. Die Mehrausgaben aus den öffentlichen Haushalten für die Unterbringung der Flüchtlinge, ihre Versorgung mit Gütern des Grundbedarfs und die medizinische Betreuung stützten die Produktion im Verlauf des vierten Quartals. Die Leistungserbringung durch die öffentlichen Verwaltungen stagnierte.

Im ersten Quartal 2016 dürfte die wirtschaftliche Dynamik etwas nachlassen. Dafür sprechen im Verarbeitenden Gewerbe die Umsatzentwicklung zu Beginn des Quartals und die Auftragseingänge aus dem Ausland. Die Erwartungen der vom IWH befragten Industriebetriebe sind dagegen hoch. Insbesondere die Stimmung unter den Produzenten von Vorleistungsgütern und von Investitionsgütern ist gut, darunter– laut Konjunkturumfrage des Fachverbands – auch unter den Maschinenbauern. Die Geschäftsaussichten der vom IWH befragten Bauunternehmen haben sich weiter aufgehellt. Die Ausgaben für die Asylsuchenden dürften angesichts des schwächer werdenden Zustroms die Konjunktur nur noch wenig stützen. Alles in allem wird ein Produktionszuwachs von 0,3% erwartet.

Zur Berechnung des IWH-Konjunkturbarometers für Ostdeutschland siehe IWH, Wirtschaft im Wandel, Jg. 9 (16) 2003, 471 f.

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