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Kommentar: IWH-Präsident Reint E. Gropp: Die EZB widersteht ihren Kritikern und hält am Anleihekaufprogramm fest; behält sich sogar offen, es auszuweiten. Diese Entscheidung ist vollkommen angemessen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer bisherigen Strategie fest. Darunter fällt auch das vielkritisierte Anleihekaufprogramm, das zunächst bis März 2017 laufen soll. Die EZB hielt sich heute offen, das Programm über den März hinaus weiter zu verlängern und widerstand damit der lauten Kritik, die unter anderem aus den europäischen Großbanken zu hören war.

Autoren Reint E. Gropp

Die Möglichkeit einer Verlängerung nicht explizit in Erwägung zu ziehen, wäre auch ein gefährliches Signal an die Finanzmärkte gewesen. Denn ließe sich die EZB diese Möglichkeit nicht offen, könnte das als Signal zum Ausstieg aus der aktuellen Geldpolitik gedeutet werden und würde sich umgehend auf Zinsen und Ver-mögenswerte auswirken. Noch immer liegt die Inflationsrate deutlich unter dem Ziel der EZB von 2%. Ein solches Signal käme damit zum falschen Zeitpunkt und würde die Preisstabilität und Erholung der Wirtschaft im Euroraum gefährden.

“Wenn die Götter dich bestrafen wollen, erhören sie deine Gebete”. Womöglich passt dieses Sprichwort auch zu der aktuellen Kritik der Banken. Denn ein vorzeitiges Ende der Anleihekäufe würde kurzfristig die Probleme der europäischen Banken nicht etwa mildern, sondern vielmehr verschärfen. Es gehört zu einer der Absurditäten der aktuellen Debatte, dass gerade diejenigen Banken, die aktuell unter der Niedrigzinspolitik und dem Kaufprogramm der EZB leiden, eben auch genau diejenigen wären, die am stärksten von kurzfristig höheren Zinssätzen negativ betroffen wären. Kredite, die im Niedrigzinsumfeld ausgegeben wurden, würden in den nächsten Jahren weiterhin eine nur niedrige Rendite für die Banken abwerfen. Gleichzeitig würden bei einer Kehrtwende der EZB in der Geldpolitik Einlagenzinsen wohl steigen. Margen würden also absurderweise kurzfristig noch weiter fallen.

Wenn die Götter dich bestrafen wollen, erhören sie deine Gebete

Falls und sobald die EZB aus dem Anleihekaufprogramm und der Niedrigzinspolitik aussteigt, muss dieser Schritt daher gründlich vorbereitet werden, um finanzielle Instabilität zu vermeiden. Das wurde spätestens Ende letzten Jahres nach einem ähnlichen Schritt der Fed offensichtlich, als diese anfing aus ihrem Kaufprogramm auszusteigen.

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