25 Jahre IWH

Konjunktur aktuell: Deutsche Binnenkonjunktur weiter im Aufwind

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einem moderaten Aufschwung. Der anhaltende Beschäftigungsaufbau führt zu spürbaren Einkommenssteigerungen, und der Fall der Energiepreise hat die Kaufkraft der privaten Haushalte deutlich erhöht. Beides treibt den privaten Konsum, aber auch die Wohnungsbauinvestitionen, welche überdies von den sehr niedrigen Zinsen beflügelt werden. Allerdings bleiben die Exporte angesichts der schwachen internationalen Dynamik in diesem und im nächsten Jahr eher verhalten. Alles in allem dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt laut Einschätzung des IWH in diesem Jahr um 1,8% und im Jahr 2017 um 1,6% zunehmen.

Autoren Oliver Holtemöller

Im Frühsommer 2016 ist die internationale Konjunktur weiter recht schwach. Zu Beginn des Jahres legte das Bruttoinlandsprodukt in den USA nur noch wenig zu, und in China verlangsamte sich die Dynamik überraschend deutlich. In beiden Ländern dürfte aber die Binnenkonjunktur weiterhin aufwärts gerichtet sein. Auch deshalb dürften die Verluste auf den Weltaktienmärkten vom Winter mittlerweile zu einem Gutteil wieder wettgemacht worden sein. Die Ölpreise sind sogar wieder recht kräftig gestiegen, von 30 US-Dollar pro Barrel (Brent) im Januar auf etwa 50 US-Dollar Anfang Juni. Eine grundlegende Trendwende in der internationalen Konjunktur zeichnet sich aber nicht ab. So dürften die außerordentlich niedrigen Renditen für zehnjährige Staatstitel nicht nur der Geldpolitik, sondern auch einem anhaltenden Wachstumspessimismus der Investoren geschuldet sein.

Stimmen die Briten am 23. Juni 2016 für einen Austritt aus der Union, wäre das der Beginn einer längeren Phase erheblicher Unsicherheit über die politischen Rahmenbedingungen für die europäische Wirtschaft.

In der Europäischen Union ist die Konjunktur in der ersten Jahreshälfte alles in allem recht robust gewesen. Im Euroraum hat die Produktion deutlich um 0,6% zugenommen, getrieben von einer seit Sommer 2015 recht kräftigen Expansion der Binnennachfrage. Auch die Konjunktur in Großbritannien hat nur wenig an Schwung verloren, trotz der Verunsicherung wegen des im Juni bevorstehenden Referendums über den Verbleib des Landes in der EU. "Stimmen die Briten am 23. Juni 2016 für einen Austritt aus der Union, wäre das der Beginn einer längeren Phase erheblicher Unsicherheit über die politischen Rahmenbedingungen für die europäische Wirtschaft", so Oliver Holtemöller, Vizepräsident des IWH und Leiter der Abteilung Makroökonomik. Zudem gibt aus weltwirtschaftlicher Sicht die anhaltende Schwäche des internationalen Handels Anlass zur Sorge. Die Zunahme der internationalen Arbeitsteilung verlangsamt sich im Trend wohl schon seit Mitte der 2000er Jahre, und mit ihr auch das weltweite Wachstum der Arbeitsproduktivität. Ein weiteres Nachlassen desWelthandels im Jahrverlauf 2016 und im Jahr 2017 würde die exportorientierte deutsche Wirtschaft erheblich beeinträchtigen.

Exporte bleiben verhalten

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einem moderaten Aufschwung, der von der inländischen Nachfrage getragen wird. Der anhaltende Beschäftigungsaufbau führt zu spürbaren Einkommenssteigerungen, und die stark gefallenen Energiepreise haben die Kaufkraft der privaten Haushalte deutlich erhöht. Beides treibt den privaten Konsum, aber auch die Wohnungsbauinvestitionen, welche überdies von den sehr niedrigen Zinsen beflügelt werden. Die Exporte bleiben angesichts der schwachen internationalen Grunddynamik in diesem und im nächsten Jahr eher verhalten. Die Unternehmen dürften auch etwas mehr investieren. Dabei handelt es sich aber wohl vor allem um notwendige Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen, und im längerfristigen Vergleich bleiben die Unternehmensinvestitionen eher schwach. Die insgesamt kräftige Binnennachfrage dürfte die Importe nach Deutschland stimulieren, sodass der Außenbeitrag weiterhin den Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts rechnerisch mindert. 

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