25 Jahre IWH

Wirtschaftliche Aussichten Ostdeutschlands für 2017

Im Jahr 2017 wird das Bruttoinlandsprodukt in Ost- wie in Westdeutschland mit 1,3% im Gleichschritt expandieren. Der Wachstumsvorsprung der ostdeutschen Wirtschaft (einschließlich Berlin) in den beiden Vorjahren ist bereits im Jahr 2016 geschmolzen, sodass der wirtschaftliche Aufholprozess Ostdeutschlands insgesamt erneut stagniert.

Autoren Udo Ludwig

Die Nachfrageimpulse der privaten und der öffentlichen Haushalte nach Konsumgütern sowie nach Wohnimmobilien und Bauten in die Infrastruktur haben die Produktion im Jahr 2016 in den meisten Wirtschaftsbereichen angeregt, allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Während das Produzierende Gewerbe dank der konjunkturellen Belebung in den ostdeutschen Flächenländern ein deutlich höheres Tempo als im Jahr 2015 anschlug, verlor der Dienstleistungssektor dort insgesamt ein wenig an konjunktureller Dynamik.

Im Jahresverlauf folgte allerdings auf den hohen Produktionsanstieg im ersten Halbjahr in den Monaten Juli bis Oktober vorübergehend die Ernüchterung. Verantwortlich dafür waren vor allem das Produzierende Gewerbe und der Handel, die wohl eine Verschnaufpause nach dem kräftigen Auftrieb davor einlegten. Deren Ausfall an Produktion konnte nicht vollständig durch die Leistungszuwächse der Bereiche Verkehr, Information und Kommunikation sowie der staatlichen Anbieter zur Versorgung und Integration der Asylsuchenden wettgemacht werden. Trotz des leichten konjunkturellen Schwächeanfalls im Jahresverlauf stieg das Bruttoinlandsprodukt in den ostdeutschen Flächenländern in den ersten drei Quartalen gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 1,9 %.

Für die Industrie kamen die konjunkturellen Dämpfer im dritten Quartal 2016 sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Vor allem die Hersteller von Investitionsgütern und von langlebigen Konsumgütern mussten infolge der schwächelnden Nachfrage kräftige Umsatzrückgänge hinnehmen. Allein die Verbrauchsgüterproduzenten konnten ihren Absatz im Ausland steigern. Von der kräftigen Konsumkonjunktur in Deutschland profitierten verstärkt einige Anbieter von konsumnahen Dienstleistungen. Die Bauproduktion gab im dritten Quartal nach, dies ist allerdings auch als Reaktion auf starke Zuwächse in den zwei Quartalen zuvor zu verstehen.

Im Dienstleistungssektor verlief die konjunkturelle Entwicklung im dritten Quartal gespalten. Während Handel und Gastgewerbe etwas von ihrem Anteil an der Konsumfreude der privaten Haushalte verloren, gewannen die konsumnahen Dienstleister im Reiseverkehr, der Kommunikation und Information hinzu. Die Leistung der Unternehmensdienstleister stabilisierte sich. In Berlin dürften der Handel und das Gastgewerbe sowie die unternehmensnahen Dienstleister kräftiger als in den Flächenländern zugelegt haben.

Die staatlichen Verwaltungen, das Gesundheitswesen sowie der Bereich Kultur und Erholung haben vor allem im Zuge der Integration der Asylsuchenden ihre Dienstleistungen verstärkt ausgeweitet. Das Produzierende Gewerbe und der Dienstleistungssektor trugen in Ostdeutschland insgesamt letztlich in etwa gleichem Maße zum Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2016 bei.

Im Jahr 2017 wird die ostdeutsche Wirtschaft weiterhin von der Verlagerung der Antriebskräfte der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur in Deutschland vom Ausland auf das Inland profitieren. Das Bruttoinlandsprodukt wird mit 1,3% im Gleichschritt mit Westdeutschland expandieren. Impulsgeber dürften vor allem die konsumnahen Branchen des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungsbereichs sein. Der schwächere Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Produktion gegenüber dem Jahr 2016 resultiert – wie in Deutschland insgesamt – zu einem Großteil aus der geringeren Anzahl von Arbeitstagen. Zudem erholt sich die Weltkonjunktur nur mäßig, sodass die Exporte, aber auch die Belieferung der westdeutschen Produzenten von Exportgütern mit Vorleistungsgütern aus Ostdeutschland wohl nur leicht an Fahrt gewinnt. Zwar dürften auch nach wie vor demographische Faktoren die Entwicklung von Nachfrage und Angebot in den ostdeutschen Flächenländern belasten, der Bevölkerungszuwachs in Berlin und die dort verstärkte Ausweitung der Kreativwirtschaft werden sie aber wohl weitgehend ausgleichen.

Im Gefolge der robusten Grundtendenz der Entwicklung der Produktion war die Lage am ostdeutschen Arbeitsmarkt im Jahr 2016 recht günstig. Die Zahl der Erwerbstätigen nahm um 81 000 Personen bzw. 1,0% zu. Mehr als die Hälfte des gesamten Beschäftigungsaufbaus in Ostdeutschland entfiel auf Berlin. Der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung lag mit etwa 1,8% erneut deutlich über der Zunahme der Erwerbstätigkeit. Fast der gesamte Aufbau an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen erfolgte in den Dienstleistungsbereichen. Dazu dürfte auch der zusätzliche Arbeitskräftebedarf im Zuge der Bewältigung der Fluchtmigration beigetragen haben.

Die registrierte Arbeitslosigkeit ging um 61 000 Personen zurück. Die – auf die Erwerbspersonen bezogene – Arbeitslosenquote sank auf 8,4% (2015: 9,1%). Die Unterbeschäftigung nahm – anders als in Westdeutschland – weiter leicht ab. Verantwortlich dafür ist aktuell nicht allein der seit längerem anhaltende Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials in Ostdeutschland, sondern auch die Tatsache, dass in Ostdeutschland zunehmend Personen im Zusammenhang mit der Fluchtmigration in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Anderenfalls wäre ein Anstieg der Unterbeschäftigung nicht auszuschließen gewesen.

Im Jahr 2017 wird die Beschäftigung wegen der etwas schwächeren Entwicklung der Produktion nur um 0,4% zunehmen (Westdeutschland: +0,6%). Positiv wirkt sich dabei die weitere Zunahme des – an sich schon hohen – Stellenangebots aus. So nahm die Zahl der offenen Stellen im dritten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahr um 9,6% zu (Westdeutschland: 9,2%). Insgesamt waren 200 000 Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt frei. Im Verlauf des Jahres 2017 wird die Arbeitslosigkeit wohl nicht mehr so stark sinken wie im Vorjahr, da dann die Zahl der arbeitslos registrierten Personen im Kontext von Fluchtmigration zunehmen dürfte. Insgesamt wird im Jahr 2017 die – auf die Erwerbspersonen bezogene – Arbeitslosenquote 7,8% betragen.

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