Die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute

Die Gemeinschaftsdiagnose ist ein Instrument zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Lage und Entwicklung in Deutschland, der Euroregion und der übrigen Welt. Zu diesem Zweck werden für die Weltwirtschaft und ihre Hauptregionen Konjunkturprognosen generiert. Für den Euroraum und die deutsche Wirtschaft werden daraus wirtschaftspolitische Empfehlungen abgeleitet. Das Anliegen der Gemeinschaftsdiagnose, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie durchgeführt wird, ist die Abgabe einheitlicher Einschätzungen durch die teilnehmenden Institute. Die Ergebnisse werden halbjährlich als Frühjahrs- und Herbstgutachten publiziert. Das IWH beteiligt sich seit 1993 an diesem Projekt, das erstmals im Jahr 1950 vergeben wurde.

Die Konjunkturprognosen leiten, gestützt auf Annahmen über das weltwirtschaftliche und monetäre Umfeld, die Lohnabschlüsse der Tarifparteien und die Finanzpolitik des Staates, die wirtschaftliche Entwicklung über die einzelnen Nachfrage- und Entstehungskomponenten des Bruttoinlandsprodukts ab. Dabei kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Sie reichen von Expertenurteilen über die indikatorgestützte Fortschreibung der Komponenten bis zu ökonometrisch geschätzten Ein- und Mehrgleichungsmodellen. Die Teilprognosen werden in einem iterativen Prozess untereinander abgestimmt und zu einer Gesamtprognose des Bruttoinlandsprodukts verdichtet. Auswirkungen von Änderungen im weltwirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Umfeld auf die Konjunktur werden mit makroökonometrischen Modellen für die deutsche Wirtschaft abgeschätzt.

Die Beratung der Akteure in Politik und Wirtschaft erschöpft sich nicht in der Abgabe von Konjunkturprognosen. Sie schließt wirtschaftspolitische Empfehlungen ein, die vor allem auf die Stärkung der Wachstumskräfte in mittlerer Frist ausgerichtet sind. Dies betrifft die Geldpolitik der EZB, das Verhalten der Tarifparteien in den anstehenden Lohnrunden und die Finanzpolitik. Das Augenmerk gilt der Findung eines Policy-Mix, der in der jeweiligen Lage den größten Erfolg im Hinblick auf Preisniveaustabilität, Wachstum und Beschäftigung verspricht. Die Empfehlungen stützen sich auf empirisch fundierte Analysen im monetären Bereich, auf dem Gebiet der Lohn-, Preis- und Produktivitätsentwicklung sowie hinsichtlich der allokativen, distributiven und stabilitätspolitischen Wirkungen der Finanzpolitik.

Federführung am IWH: Prof. Dr. Oliver Holtemöller

Für die Periode Herbst 2010 bis Frühjahr 2013 sind folgende Institute und Arbeitsgemeinschaften an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligt: