25 Jahre IWH

IWH-Präsident: Warum der Finanzplatz London erhalten bleibt. Drei Argumente.

„Der Finanzplatz London wird trotz Brexit seine dominante Position in Europa behalten. Das hat zum einen die Einführung des Euro gelehrt, liegt aber auch an den maßgeblichen Standortfaktoren Londons: der Größe der Stadt, der regulatorischen Umgebung und dem Humankapital“, so Professor Reint E. Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

20. Juli 2016

Autoren Reint E. Gropp

Über die Zukunft des Finanzzentrums London wird derzeit energisch debattiert. Von Verlagerungen nach Frankfurt, Paris, Dublin oder Luxemburg ist die Rede, gar von einem Zusammenbruch des finanziellen Machtzentrums Großbritanniens. Ähnliche Sorgen bereitete der Insel bereits 1999 die Einführung des Euro, doch am Status Londons als einer der führenden Finanzplätze der Welt hat sich seitdem nichts geändert. „Ebenso wird es mit dem Brexit verlaufen,“ sagt Gropp, „weil weder die gemeinsame Währung noch die Mitgliedschaft in einem großen Wirtschaftsverbund die entscheidenden Faktoren für einen Finanzplatz sind.“

Regulatorischer Rahmen

Die wichtigsten Finanzplätze der Welt befinden sich in New York, London, Hongkong und Singapur – und damit nicht an Orten, hinter denen zwangsläufig eine enorme Wirtschaft steht. Es ist vielmehr die regulatorische Umgebung, die London zu einem der attraktivsten Finanzstandorte macht. Im Gegensatz zu Frankreich und Deutschland, die nach dem Brexit als potenzielle Kandidaten gehandelt werden, herrscht in Großbritannien deutlich mehr Vertrauen in die Selbstregulierung der Märkte. „London bietet die bessere Umgebung für Finanztransaktionen“, so Gropp. „Mit einem Brexit wird sich das nicht ändern. Ganz im Gegenteil könnte eine Trennung von der EU zu mehr Deregulierung von Finanztransaktionen in Großbritannien führen und damit die Attraktivität des Standortes sogar noch erhöhen“.

Größe

Auch die Größe der Stadt sei ein wichtiger Punkt. „Allein die Anzahl der Arbeiter in der Finanzbranche beträgt in der City of London mehrere Hunderttausend. Frankfurt hat eine Gesamtbevölkerung von 730 000 Menschen. Ein Umzug des Londoner Finanzzentrums nach Frankfurt wäre daher schon aus räumlichen Gründen unmöglich. Hinzu kommen die Cluster und Netzwerke zwischen den Menschen, die im Investment Banking eine entscheidende Rolle spielen. Diese Netzwerke lassen sich nicht ohne Weiteres von einer in eine andere Stadt transferieren“

Humankapital

Die Finanzbranche ist drittens enorm auf ihr spezifisches Humankapital angewiesen, das heißt vor allem auf Hochschulabsolventen im Bereich Finance. In Deutschlands Hochschulen aber wurden diese Studienfächer in der Vergangenheit kaum etabliert, es existiert noch nicht einmal eine sinnvolle deutsche Bezeichnung für das Fach. Eine fehlende Quelle für Nachwuchs wirkt sich damit ebenfalls negativ auf die Erfolgschancen Frankfurts aus. „Abgesehen davon spielen auch sprachliche Aspekte eine Rolle. Englisch beherrscht jeder Hochschulabsolvent, Deutsch hingegen nicht. Damit ist Großbritannien in sprachlicher Hinsicht weitaus attraktiver als Frankreich oder Deutschland – und auch in diesem Punkt wird sich durch den Brexit nichts ändern.“

Professor Reint E. Gropp, Ph.D.

Über den Autor

Professor Reint E. Gropp, Ph.D.

Seit November 2014 hat Reint E. Gropp das Amt des Präsidenten des IWH inne und ist Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Er ist Fellow des Center for Financial Studies, Frankfurt, und Mit-Herausgeber des Review of Finance. Als Berater ist er unter anderem für die Bank of Canada und die Federal Reserve Bank of San Francisco tätig.

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