25 Jahre IWH

Inhalt
Seite 1
Einleitung
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Die Bedeutung von Finanzmarktwissen
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Soziodemographische Merkmale und finanzielle Allgemeinbildung Auf einer Seite lesen

Die Bedeutung von Finanzmarktwissen

Die Analyse verknüpft die bisherige Forschung zu den Effekten von Finanzmarktbildung (financial literacy) auf Haushaltsentscheidungen mit Untersuchungen zu Gründereigenschaften.

Eine Standardannahme ökonomischer Modelle unterstellt, dass Haushalte Risiken und Chancen genau kennen und ihren Konsum und ihr Sparverhalten in Hinsicht auf ihre gesamte Lebenszeit optimieren. Tatsächlich fehlt bei vielen Akteuren jedoch ein grundlegendes Verständnis für einfache Zusammenhänge des Finanzmarktes; ein großer Teil der Bevölkerung ist nicht in der Lage, grundlegende Fragen zu Zinskalkulation, realer Verzinsung (Inflation) oder Risikodiversifizierung zu beantworten. Die Konsequenzen dieses „finanziellen Analphabetismus“ können für die Haushalte weitreichend sein, denn das finanzielle Bildungsniveau wirkt sich auf wichtige Finanzentscheidungen und den Vermögensaufbau aus. Eine starke Finanzbildung kann höhere Renditen und Kapitalerträge bzw. günstigere Kreditkonditionen bewirken. Außerdem sind Personen mit besserem Finanzmarktwissen häufiger am Aktienmarkt aktiv und erzielen eine bessere Risikodiversifikation. In vielen Ländern hat das finanzielle Bildungsniveau einen starken Einfluss auf die private Altersvorsorgeplanung. Zusammenfassend wirkt sich finanzielle Allgemeinbildung über verschiedene Kanäle positiv auf den Vermögensaufbau in privaten Haushalten aus.

Das zweite Forschungsfeld, auf das sich dieser Beitrag bezieht, untersucht die besonderen Gründereigenschaften: Was unterscheidet den Entrepreneur vom Nichtunternehmer, welche Faktoren prägen ihn, was macht einen Entrepreneur zum Entrepreneur? Bisher konnte gezeigt werden, dass Selbstständige deutlich risikofreudiger sind. Sie unterscheiden sich merklich von Angestellten in den so genannten Big-Five-Persönlichkeitsmerkmalen (Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus, Offenheit für Erfahrungen und Verträglichkeit), aber auch bezüglich ihrer Kontrollüberzeugung, ihres Autonomiebedürfnisses und Selbstvertrauens. Auch der Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Selbstständigkeit wurde in der Literatur bereits erörtert. Allerdings gibt es bisher noch keine Erkenntnisse darüber, ob Finanzmarktwissen einen Einfluss auf Selbstständigkeit hat, obwohl gerade Selbstständige mit zahlreichen finanziellen Entscheidungen – und das meist schon bei der Gründung – konfrontiert sind. Ein besseres Finanzmarktwissen hilft potenziellen Gründern bei der Informations-, Beratungs- und Kapitalbeschaffung. Sie verstehen Finanzierungsbedingungen besser und können unternehmerische Risiken und Profitabilität besser einschätzen.

Finanzielle Allgemeinbildung messen

Unter finanzieller Allgemeinbildung versteht man die Fähigkeit, Informationen bezüglich finanzieller Fragestellungen zu erfassen und so zu nutzen, dass fundierte Entscheidungen bezüglich eigener finanzieller Angelegenheiten getroffen werden können. In der empirischen Forschung haben sich vor allem drei Basisfragen zur Messung von Finanzmarktwissen etabliert (vgl. Kasten, Fragen 1 bis 3), deren Vorteil darin liegt, dass sie relativ einfach erhoben werden können und zudem einen Ländervergleich ermöglichen.

Allerdings kann das Ausmaß an Finanzmarktwissen mit drei Fragen nur näherungsweise geschätzt werden. Für ein umfassenderes Bild zum Finanzmarktwissen greift die Untersuchung auch auf erweiterte Fragen zurück (für Beispiele vgl. Kasten, Fragen 4 bis 7). Die zur Verfügung stehenden Daten (SAVE – Sparen und AltersVorsorgE in Deutschland) wurden vom Munich Center for the Economics of Aging erhoben. In 11 Wellen (2001 bis 2013) wurden Privatpersonen zu den Themen Sparen und Zukunftsvorsorge befragt. Dieser Beitrag nutzt hauptsächlich Daten aus dem Jahr 2009, in welchem 2 222 Personen einmalig alle Finanzmarktfragen gestellt wurden.

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Soziodemographische Merkmale und finanzielle Allgemeinbildung

Außerdem in diesem Heft

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Kommentar: Großbritanniens Nein zur EU wird für beide Seiten teuer

Reint E. Gropp

in: Wirtschaft im Wandel , Nr. 3, 2016

Abstract

Die Briten haben sich überraschend klar gegen einen Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union entschieden. Das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU hat nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch tiefgreifende Konsequenzen für das Land selbst, aber auch für das übrige Europa. Entscheidend ist jetzt die Reaktion der verbleibenden Länder auf das Votum, insbesondere die Frankreichs und Deutschlands.

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Aktuelle Trends: Turbulenzen an den Finanzmärkten vor und nach dem Brexit-Referendum

Lena Tonzer

in: Wirtschaft im Wandel , Nr. 3, 2016

Abstract

Das Votum der britischen Bevölkerung, den EU-Verbund verlassen zu wollen, hat zu Turbulenzen auf den Finanzmärkten geführt. Bereits vor dem Referendum am 23. Juni 2016 war ein starker Rückgang der Kurse britischer Bankaktien zu beobachten, wenn die Wahrscheinlichkeit eines Brexits in den Umfragen über 50% stieg, verbunden mit einer Abwertung des britischen Pfunds gegenüber den meisten anderen wichtigen Währungen einschließlich des Euro.

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Staatliche Nachfrage als Treiber privater Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten

Viktor Slavtchev S. Wiederhold

in: Wirtschaft im Wandel , Nr. 3, 2016

Abstract

Der Staat fragt Produkte und Dienstleistungen mit ganz unterschiedlichem technologischen Niveau nach – von Büroklammern bis zu Forschungssatelliten. Dieser Beitrag zeigt zunächst in einem theoretischen Modell, dass der Staat durch die technologische Intensität seiner Nachfrage den Markt für technologieintensive Produkte und Dienstleistungen erweitern kann. Denn eine stärkere staatliche Nachfrage nach innovativen Produkten und Dienstleistungen erlaubt es privaten Unternehmen, die überwiegend fixen Kosten für Forschung und Entwicklung auf größere Absatzmengen umzulegen, lässt die privaten Erträge aus Forschung und Entwicklung ansteigen und generiert somit zusätzliche Anreize, in die Entwicklung neuer Technologien zu investieren. Anhand von Daten aus den USA wird auch empirisch belegt, dass eine – budgetneutrale – Erhöhung der technologischen Intensität der staatlichen Nachfrage die privaten FuE-Ausgaben erhöht. Damit rückt die staatliche Nachfrage erneut in die Diskussion über mögliche Instrumente einer effektiven Wirtschafts- und Innovationspolitik.

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Im Fokus: Industrielle Kerne in Ostdeutschland und wie es dort heute aussieht – Das Beispiel des Metallurgiestandorts Eisenhüttenstadt

Gerhard Heimpold

in: Wirtschaft im Wandel , Nr. 3, 2016

Abstract

Der Metallurgiestandort Eisenhüttenstadt gehörte zu den industriellen Kernen, um deren Erhalt nach Herstellung der Einheit Deutschlands gerungen wurde. Der Beitrag untersucht, wie der Kern nach mehr als 25 Jahren Deutscher Einheit dasteht und welche Entwicklung sich vollzogen hat. Das Eisenhüttenstädter Unternehmen bildet weiterhin den prägenden industriellen Kern für die Region, bei starkem Beschäftigungsrückgang. Nach der Übernahme durch den privaten Investor Ende 1994 wurde die bis dahin existierende produktivitätsmindernde Lücke in der Wertschöpfungskette durch Errichtung eines Warmwalzwerks geschlossen. Auch ein neuer Hochofen wurde errichtet. Das Eisenhüttenstädter Werk gehört heute zu ArcelorMittal, dem weltweit größten Stahlkonzern, und ist einer von vier Stahlproduktionsstandorten des Konzerns in Deutschland. Geforscht wird an anderen Standorten außerhalb Deutschlands. Hergestellt werden qualitativ hochwertige Flachstähle für die zentral- und osteuropäischen Märkte. Die Produktion ist hochmodern und wettbewerbsfähig, sieht sich aber insbesondere durch Importwettbewerb und Pläne der EU-Kommission für den Emissionsrechtehandel herausgefordert. Weiterer Strukturwandel und wirtschaftliche Diversifizierung sind in Eisenhüttenstadt vonnöten.

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6th Halle Forum on Urban Economic Growth: "What are the Factors of Success for Cities in the Process of European Integration?"

Martin T. W. Rosenfeld Martin Gerischer

in: Wirtschaft im Wandel , Nr. 3, 2016

Abstract

Am 7. und 8. April 2016 fand am IWH zum sechsten Mal das „Halle Forum on Urban Economic Growth“ statt, das seit 2006 im Abstand von jeweils zwei Jahren veranstaltet wird. Der Fokus der diesjährigen Tagung lag auf den Herausforderungen, die sich aus der zunehmenden europäischen Integration für die Entwicklung der Städte bzw. bestimmter Kategorien von Städten ableiten lassen.

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Für Wissenschaftler/innen

Stefanie Müller
Stefanie Müller
Pressereferentin

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

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