25 Jahre IWH

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IWH-Flash-Indikator III. Quartal und IV. Quartal 2017

Die deutsche Wirtschaft konnte ihr hohes Expansionstempo weiter beibehalten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im zweiten Quartal 2017 mit 0,6% nur geringfügig weniger als im Vorquartal. Der IWH-Flash-Indikator deutet darauf hin, dass das Expansionstempo nur geringfügig nachlassen und auch im dritten und vierten Quartal 2017 hoch bleiben wird. Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland dürfte im dritten Quartal 2017 um 0,5% und im Quartal danach um 0,6% steigen.

29. August 2017

Autoren Birgit Schultz

Das Bruttoinlandsprodukt expandierte im zweiten Quartal 2017 mit einer Rate von 0,6% fast genauso schnell wie zu Beginn des Jahres. Die Impulse kamen dabei vor allem aus dem Inland: So stiegen die Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates deutlich an. Auch legten die Investitionen bei Ausrüstungen, Bauten und den sonstigen Anlagen weiter zu. Der Außenhandel bremste hingegen die wirtschaftliche Expansion, da die Importe deutlich stärker zunahmen als die Exporte.

Die in der GfK-Konsumklimaumfrage im Juli 2017 befragten privaten Haushalte zeigten sich weiterhin optimistisch und erwarteten nochmals eine Verbesserung der konjunkturellen Lage. Auch die Einkommenserwartungen stiegen noch einmal an, leicht zurückgegangen ist indessen die Anschaffungsneigung. Für August 2017 prognostiziert die GfK einen weiteren Anstieg des Konsumentenklimas.

Für das Verarbeitende Gewerbe deuten die Indikatoren auf eine weiterhin günstige Geschäftslage im zweiten Halbjahr 2017 hin. So meldeten die Produzenten von Vorleistungs- und Konsumgütern im Juni wieder höhere Auftragseingänge, die Bestellungen von Investitionsgütern gingen freilich leicht zurück. Die Ordertätigkeit nahm insbesondere im Inland kräftig zu, die Auslandsorder verringerten sich. Der Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) lag im Juli 2017 mit 58,1 Punkten nach wie vor weit über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Allerdings ging er im Vergleich zum Vormonat etwas zurück. Dies dürfte vor allem auf die etwas gesunkene Dynamik bei der Produktion und bei den Auftragseingängen zurückzuführen sein. Auch dämpfte wegen anhaltender Lieferengpässe und Verknappung von Vormaterial der weitere Anstieg der Einkaufspreise die gute Laune der Unternehmen. Hingegen legte der ifo Geschäftsklimaindex im Juli 2017 weiter zu und stieg auf den dritten Rekordwert in Folge. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen der Unternehmen waren außerordentlich gut. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe ist die Beurteilung der aktuellen Lage euphorisch. Auch im Baugewerbe ist die Lage noch immer sehr gut, allerdings kam es hier zuletzt bereits zu kleineren Korrekturen. Diese zeigen sich im Ansatz auch im Großhandel. Bereits deutlich sichtbar sind hingegen die Korrekturen im Einzelhandel, hier ist die Geschäftslage zwar noch recht optimistisch, allerdings waren die Einzelhändler zuletzt etwas unsicherer, wie es in der nächsten Zeit weitergehen wird. Die vom ZEW im Juli befragten Finanzexperten aus Banken, Versicherungen und großen Industrieunternehmen nahmen ihre sehr positive Einschätzung hinsichtlich der Konjunkturerwartungen für Deutschland leicht zurück, waren jedoch immer noch mehrheitlich optimistisch. Deutlich pessimistischer präsentierte sich hingegen der Early-Bird-Indikator der Commerzbank. Er gab im Juli weiter nach, da sich zum einen durch die Aufwertung des Euro die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verschlechtert hat und zum anderen einige internationale Stimmungsindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex für die Industrie in den USA gefallen sind. Allerdings dürften diese Risiken erst mit einer gewissen Verzögerung Einfluss auf die konjunkturelle Lage in Deutschland haben.

Laut Bankenumfrage der Bundesbank (Bank Lending Survey) vom Juli 2017 haben sich die Kreditrichtlinien für Unternehmen in den vergangenen drei Monaten gelockert und werden sich auch demnächst nochmals günstiger entwickeln. Dies gilt auch für die Kreditrichtlinien für Wohnungsbaukredite der privaten Haushalte. Die Bedingungen bei den Konsumentenkrediten werden wohl unverändert bleiben.

Die internationale Konjunktur ist derzeit kräftig. Die Produktion ist im zweiten Quartal im Euroraum, in Großbritannien, den USA, China und besonders in Japan schneller gestiegen als zu Jahresbeginn. Bemerkenswert deutlich hat der internationale Handel zugenommen, insbesondere in Asien. Die fast überall guten Stimmungsindikatoren bei den Unternehmen haben sich allerdings im Sommer vielfach nicht mehr weiter verbessert. Insbesondere für China ist mit einem langsameren Expansionstempo im zweiten Halbjahr 2017 zu rechnen. Wenn belastende Faktoren von Seiten der Politik ausbleiben, dürfte die Weltkonjunktur aber weiter deutlich aufwärtsgerichtet bleiben, denn die Finanzierungsbedingungen sind trotz geldpolitischer Straffung in den USA dort und anderswo weiterhin günstig, und das Preisklima ist, sowohl auf den Rohstoffmärkten als auch auf der Verbraucherpreisebene, fast überall nach wie vor ruhig.

Alles in allem signalisiert der IWH-Flash-Indikator für Deutschland einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,5% im dritten Quartal und um 0,6% im vierten Quartal 2017.

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Stefanie Müller
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