25 Jahre IWH

Cover_IWH-Konjunktur-aktuell_2016-1.jpg

IWH-Industrieumfrage zum Jahresauftakt 2016: Hoffnung auf nachhaltigen Aufschwung

Die rund 300 vom IWH befragten Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes Ostdeutschlands gehen zuversichtlich ins Geschäftsjahr 2016. Die Erwartungen an den Umsatz überflügeln die abgerechneten Werte von 2015. Allerdings konnten im Jahr 2015 die angepeilten Umsatzziele oftmals nicht erreicht werden. Die Industriekonjunktur kam erst ab dem Sommer richtig in Schwung. Im Vorleistungsgütergewerbe, der in Ostdeutschland dominierenden Sparte, verzögerte sich dies bis ins Schlussquartal, und selbst dann wurde das Vorjahresniveau der Geschäftsaktivitäten nicht erreicht. Die Ertragslage im Jahr 2015 glich der des Vorjahres. Reichlich zwei Drittel der Unternehmen erreichten die Gewinnzone, unter den Konsumgüterherstellern sogar 82%. Die Unternehmen dieser Sparte erzielten auch überdurchschnittlich häufig Umsatzzuwächse.

23. März 2016

Autoren Cornelia Lang

Inhalt
Seite 1
Ostdeutsche Industrie kam erst im zweiten Halbjahr 2015 in Schwung
Seite 2
Umsatzentwicklung im Vorleistungsgütergewerbe am schwächsten Auf einer Seite lesen

Ostdeutsche Industrie kam erst im zweiten Halbjahr 2015 in Schwung

Die anziehende Investitionskonjunktur in Deutschland hatte auch im ostdeutschen Verarbeitenden Gewerbe am Jahresende 2014 eine rege Geschäftstätigkeit ausgelöst. Im Jahr 2015 setzte sich diese konjunkturelle Aufwärtsbewegung zunächst nicht weiter fort. Die Stimmung trübte sich ein. Dies mag zunächst eine Normalisierung nach einem wirtschaftlich starken Vorquartal gewesen sein. Aber auch im zweiten Quartal kam die ostdeutsche Wirtschaft nicht in Schwung. Die Unternehmen konnten nicht an die kräftige Exportkonjunktur der gesamtdeutschen Wirtschaft ankoppeln. Erst im Sommer nahm die Geschäftstätigkeit im Osten Fahrt auf. Da dieser Schwung auch am Jahresende 2015 noch zu verzeichnen war, „rettet“ das zweite Halbjahr die Gesamtbilanz eines eher durchschnittlichen Geschäftsjahres der befragten Unternhemen. Im Vorleistungsgütergewerbe war das erste Halbjahr schwierig. Die Unternehmen berichteten von starken Rückgängen bei der Auftragslage und korrigierten sowohl deren Bewertung als auch die Erwartungen an die Produktion nach unten. Die Zufriedenheit mit der aktuellen Geschäftslage verschlechterte sich dreimal in Folge. Das änderte sich im Herbst, und im vierten Quartal hat sich das Geschäftsklima deutlich verbessert, reicht jedoch im Niveau nicht an die positiven Einschätzungen des Vorjahresquartals heran. Diese aufgehellte Stimmung am Jahresende und die gestiegene Zufriedenheit mit den vorlaufenden Indikatoren Auftragslage und Produktionserwartungen zeigen jedoch, dass die Sparte für das Jahr 2016 derzeit optimistisch ist.

Auch bei den Herstellern von Investitionsgütern kam die Konjunktur erst im Sommer in Schwung. Die Sparte hatte auf eine wieder anziehende Investitionstätigkeit gehofft, und ab Jahresmitte erwärmte sich das Geschäftsklima tatsächlich. Vor Beginn des neuen Geschäftsjahres kommen aus den Unternehmen nun sehr positive Signale. Die Auftragsbücher sind gefüllt, die Aussichten für die nächsten Monate sehr optimistisch.

In der Rückschau am Jahresende 2015 kann das Konsumgütergewerbe mit den Geschäften zufrieden sein. Ausgehend von einem ohnehin sehr hohen Niveau der Geschäftsaktivitäten lief der Konjunkturmotor in der zweiten Jahreshälfte insgesamt besser. Die günstigen Rahmenbedingungen für den Konsum – die gestiegene Beschäftigung, niedrige Energiepreise und die positive Reallohnentwicklung – hatten bereits im ersten Halbjahr die Erwartungen steigen lassen. Das spiegelte sich nun auch in der Lageeinschätzung wider. Insgesamt ist die konjunkturelle Stimmung in der ost-deutschen Industrie zum Jahresende 2015 gut. Alle Indikatoren sind aufwärtsgerichtet. Weiterhin günstige Finanzierungsbedingungen, ein niedriger Ölpreis und ein schwacher Euro bilden auch für die ostdeutsche Wirtschaft günstige Rahmenbedingungen für das Jahr 2016.

Umsatzziele für 2015 vielfach zu hoch gesteckt

Die von den befragten Unternehmen vor einem Jahr geäußerten Erwartungen an die Umsätze für das Jahr 2015 orientierten sich an der Umsatzentwicklung des Vorjahres 2014 und waren insofern nicht hochfliegend. Dennoch mussten viele Befragte hinnehmen, dass es schlechter lief als erwartet. Nur reichlich die Hälfte der Unternehmen, die für das Jahr 2015 mit einem Umsatzplus rechneten, konnte das auch realisieren. 28% mussten Einbußen hinnehmen. „Positiv verschätzt“ haben sich 39% der Unternehmen, die von gleichen Umsätzen wie im Vorjahr ausgegangen waren; sie erzielten stattdessen ein Plus. Aber 29% mussten Rückgänge hinnehmen. Immerhin 29% der Unternehmen, die von Umsatzeinbußen ausgegangen waren, können sich hingegen über mehr Umsatz als im Jahr 2014 freuen (vgl. Tabelle 1).

Aus Tabelle 2 wird im Detail ersichtlich, in welchen Größenordnungen sich die Umsätze im Jahr 2015 entwickelten. 45% der Unternehmen haben mehr Umsatz als 2014 erwirtschaftet, darunter befinden sich 19%, die Umsatzsteigerungen von über 10% realisieren konnten. 22% erreichten wieder den Vorjahresumsatz, und jedes dritte Unternehmen blieb unter den Vorjahreswerten. Die Exportunternehmen waren, gemessen an der Umsatzentwicklung, im Jahr 2015 kein Zugpferd der ostdeutschen Industrie. Ihre Umsätze liegen im Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes insgesamt.

Nächste Seite
Umsatzentwicklung im Vorleistungsgütergewerbe am schwächsten

Außerdem in diesem Heft

Cover_IWH-Konjunktur-aktuell_2016-1.jpg

IWH-Bauumfrage zum Jahresauftakt 2016: Wohnungsbau im Jahr 2016 der entscheidende Impulsgeber

Brigitte Loose

in: Konjunktur aktuell , Nr. 1, 2016

Abstract

Das Baugewerbe in Ostdeutschland dürfte das Jahr 2015 nach einem witterungsbedingt guten Start, einer Abschwächung im Sommerhalbjahr und einer zuletzt wieder einsetzenden Kräftigung insgesamt mit einem Minus abgeschlossen haben. Die vor Jahresfrist geäußerten Erwartungen der Unternehmen sind damit zu einem Großteil nicht in Erfüllung gegangen. Die Ertragslage der Bauunternehmen hat sich gegenüber dem Vorjahresstand leicht verschlechtert. Während sie im Hoch- und Ausbaubereich aber immer noch als gut bezeichnet werden kann, stellt sie sich im Tiefbau eher ungünstig dar.

Publikation lesen

Cover_IWH-Konjunktur-aktuell_2016-1.jpg

IWH-Konjunkturbarometer Ostdeutschland: Inlandsnachfrage schiebt ostdeutsche Produktion an

Udo Ludwig Franziska Exß

in: Konjunktur aktuell , Nr. 1, 2016

Abstract

Im vierten Quartal 2015 hat das Bruttoinlandsprodukt in den ostdeutschen Flächenländern – saisonbereinigt nach dem Berliner Verfahren – um 0,4% gegenüber dem schwachen dritten Vierteljahr zugenommen. Getrieben wurde die Aufwärtsbewegung vom Produzierenden Gewerbe. Der Dienstleistungssektor stagnierte. Obwohl sich der Produktionsanstieg beschleunigte und die Entwicklung in den Alten Bundesländern übertraf (0,2%), stieg das Bruttoinlandsprodukt im Jahresdurchschnitt 2015 nur um 1,3%. Damit expandierte die Produktion in den Neuen Bundesländern erneut langsamer als in den Alten (1,7%).

Publikation lesen

Cover_IWH-Konjunktur-aktuell_2016-1.jpg

Konjunktur aktuell: Stabile Konjunktur in Deutschland trotz krisenhaften Umfelds

Arbeitskreis Konjunktur

in: Konjunktur aktuell , Nr. 1, 2016

Abstract

Die deutsche Konjunktur ist trotz internationaler Risiken und politischer Verwerfungen kraftvoll in das Jahr 2016 gestartet. Beschäftigung und Einkommen nehmen zu, und die Binnennachfrage steigt deutlich, auch weil der Staat zusätzliche Ausgaben im Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration tätigt. Allerdings dürfte es im Frühjahr zu einer vorübergehenden Verlangsamung der Dynamik kommen, darauf deuten Stimmungsindikatoren hin. Mit Fortschritten bei der Bewältigung der aktuellen politischen Probleme in Europa dürfte die Zuversicht wieder zunehmen und die deutsche Konjunktur insgesamt stabil bleiben, sodass das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2016 wohl mit einer Rate von 1,5% expandieren wird.

Publikation lesen

Ansprechpartner

Für Wissenschaftler/innen

Für Journalistinnen/en

Stefanie Müller
Stefanie Müller
Pressereferentin

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

+49 345 7753-720 Anfrage per E-Mail
Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft LogoTotal-Equality-LogoWeltoffen Logo