Sachsen-Anhalts Mittelstand vorsichtig optimistisch

Der Nahost-Krieg bremst die wirtschaftliche Erholung in Sachsen-Anhalt. Dennoch ist die Stimmungslage der mittelständischen Unternehmen besser als vor einem Jahr. Das zeigt eine gemeinsame Umfrage von Creditreform und dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), an der rund 400 Unternehmen aus Sachsen-Anhalt teilgenommen haben.

Authors Axel Lindner

Demnach bewerteten 57,1% der befragten Unternehmen – und damit mehr als jedes zweite – ihre Geschäftslage als „sehr gut“ oder „gut“. Im Vorjahr hatte der Anteil der positiven Meldungen noch bei 49,5% gelegen. Nur noch knapp fünf Prozent der Befragten bezeichneten die Geschäftslage als mangelhaft oder ungenügend (Vorjahr: 9,4%).

„Nach drei Rezessionsjahren hellt sich die Geschäftslage im Mittelstand auf. Konjunkturmotor ist vor allem der Dienstleistungssektor. Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich die Krise jedoch verschärft“, sagt Martin Plath, Geschäftsführer von Creditreform in Halle (Saale).

In den vergangenen zwölf Monaten verlief die Umsatzentwicklung im Mittelstand noch verhalten. Zwar verzeichneten 24,7% der Befragten ein Umsatzplus, allerdings meldeten auch 26,3% Rückgänge. Damit überwiegen erneut die Umsatzeinbußen. Besonders betroffen war das Baugewerbe, während die Umsätze im Dienstleistungssektor häufig stiegen.

„Zwar hat der Konflikt im Nahen Osten spürbar negative Auswirkungen. Dennoch weisen Geschäftslage und Umsatzentwicklung im Mittelstand auf eine vorsichtige Aufwärtsbewegung hin“, ergänzt Axel Lindner, stellvertretender Leiter der Abteilung Makroökonomik am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Lindner weiter: „Sofern sich die Straße von Hormus im Laufe des Sommers schrittweise wieder für Tanker öffnet, dürfte sich die im vergangenen Winterhalbjahr begonnene Erholung der deutschen Wirtschaft im Jahr 2026 fortsetzen. Nicht zuletzt setzen die staatlichen Investitions- und Ausgabenprogramme Impulse. Diese Impulse werden auch im kommenden Jahr die deutsche Konjunktur stützen.“

Konjunkturerholung setzt sich fort, wenn Blockade am Golf endet

Die Geschäftsaussichten und Investitionsplanungen der mittelständischen Unternehmen zeigen aber eine hohe Unsicherheit. Zwar erwarten 23,0% der Befragten steigende Umsätze. Das ist ein höherer Anteil als in der Vorjahresumfrage (20,9%). Gleichzeitig rechnen 23,1% mit einem Umsatzrückgang. Verbesserte Geschäftsaussichten meldet vor allem der Dienstleistungssektor, während in den übrigen Wirtschaftsbereichen der Anteil der Pessimisten überwiegt.

Creditreform-Geschäftsführer Plath: „Die Unternehmen haben den Fuß noch nicht auf dem Gas. Alles verläuft weiterhin sehr verhalten. In erster Linie geht es derzeit um die Sicherung der Liquidität.“ Problematisch sei, dass ein wachsender Teil der kreditnachfragenden Unternehmen Darlehen benötigt, um kurzfristige Finanzierungsengpässe zu überbrücken. Dies sei ein Hinweis auf die finanzielle Anspannung vieler Betriebe.

Investitionen auf Zehn-Jahres-Tief

Insgesamt ist die Nachfrage nach Bankkrediten im Mittelstand rückläufig. Nur 19,6% der befragten Unternehmen stellten in den vergangenen sechs Monaten einen Kreditantrag, nach 21,6% im Vorjahr und 24,6% im Jahr 2024. Diese Entwicklung dürfte vor allem auf die geringe Investitionsneigung zurückzuführen sein, die angesichts der schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen gering ausfällt.

Lediglich 46,0% der befragten Unternehmen planen Investitionen. Das ist der niedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre. Deutlich nachgelassen hat die Investitionsbereitschaft insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe. Unternehmen, die investieren wollen, planen häufiger als im Vorjahr Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz.

Plath weiter: „Der Mittelstand reagiert auf die verschlechterten Standortbedingungen meist mit einer Verringerung der Investitionen im Inland. Firmenschließungen und Standortverlagerungen spielen für kleine und mittlere Unternehmen jedoch kaum eine Rolle. Es gelingt ihnen im Allgemeinen bislang noch, Kostensteigerungen an ihre Kunden weiterzugeben.“

Mittelstand kämpft mit Personalrückgang

Der Personalabbau hat sich in den vergangenen Monaten fortgesetzt. 20,8% der Unternehmen meldeten einen Rückgang der Beschäftigtenzahl. Dagegen haben 18,9% ihr Personal aufgestockt. Vermehrt kam es im Verarbeitenden Gewerbe zu Stellenabbau, während im Dienstleistungssektor neue Arbeitsplätze entstanden.

Die Personalplanungen für die kommenden Monate deuten jedoch auf eine Belebung hin. 20,2% der Unternehmen wollen ihre Belegschaft aufstocken (Vorjahr: 16,7%). Knapp jedes zehnte Unternehmen (9,3%) plant dagegen mit einem Personalabbau.

„Die Bereitschaft der Unternehmen, zusätzliches Personal einzustellen, hat gegenüber den vergangenen Jahren etwas zugenommen“, bewertet IWH-Konjunkturforscher Lindner die aktuellen Personalplanungen im Mittelstand. Ob die geplanten Einstellungen tatsächlich realisiert werden können, bleibe jedoch angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels offen.

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