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IWH-Flash-Indikator I. und II. Quartal 2026

Die deutsche Wirtschaft legte im vierten Quartal 2025 um 0,3% zu, nachdem sie in den beiden Quartalen zuvor noch geschrumpft war. Vor allem zum Ende des Jahres 2025 stiegen die privaten und staatlichen Konsumausgaben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat damit im Jahr 2025 insgesamt um 0,2% zugenommen. Dabei dürften vor allem die Konsumausgaben die fehlenden Wachstumsimpulse des Außenhandels kompensiert haben. Die jüngsten Indikatoren deuten auf eine leichte konjunkturelle Belebung hin (vgl. Abbildung 1). Laut IWH-Flash-Indikator dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2026 um 0,3% und im zweiten Quartal 2026 um 0,2% steigen.

10. February 2026

Authors Katja Heinisch Oliver Holtemöller Axel Lindner Birgit Schultz

Die Unternehmen verharren allerdings noch immer im Krisenmodus. Wenngleich im vierten Quartal 2025 ein Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts gemeldet wurde, ist die Schwächephase wohl noch nicht überwunden. Zu Beginn des vierten Quartals war unter den im Rahmen des ifo Geschäftsklimas befragten Unternehmen zwar eine merkliche Aufhellung der Stimmung sowie eine Verbesserung der Erwartungen zu beobachten; im weiteren Quartalsverlauf trübte sich diese aber wieder ein, insbesondere im Dienstleistungsbereich. 

Im Verarbeitenden Gewerbe, dem bisherigen Sorgenkind, waren sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen zuletzt leicht aufwärtsgerichtet. Auch die Januarumfrage des HCOB Einkaufsmanagerindex fällt optimistisch aus. So geben die Unternehmen an, dass die Produktion nach einem kurzen Rückgang im Dezember wieder ausgeweitet worden ist und die Zahl der Neuaufträge minimal zugenommen hat. Der gestiegene Optimismus resultierte vor allem aus der Aussicht auf lukrative Aufträge in den Bereichen Infrastruktur und Verteidigung. Von Großaufträgen mit verteidigungswirtschaftlichem Hintergrund wurde bereits im vierten Quartal 2025 sowohl bei den Auftragseingängen als auch bei der Produktion der Investitionsgüterproduzenten berichtet. Der Early-Bird-Indikator der Commerzbank, der die konjunkturelle Tendenz anhand von Außenwert, Weltwirtschaft und Geldpolitik bewertet, hat seinen Abwärtstrend ebenso vorerst beendet, was vor allem auf eine Verbesserung des weltwirtschaftlichen Umfelds zurückzuführen ist. 

Die Stimmung der privaten Haushalte stabilisierte sich zu Beginn des Jahres 2026. So trugen gesunkene Inflationsängste sowie die Erhöhung des Mindestlohns laut GfK Konsumklimaumfrage zu einer etwas optimistischeren Einschätzung der zu erwartenden Einkommen bei. Auch die Konsumstimmung im HDE-Konsumbarometer verbesserte sich den zweiten Monat in Folge. Laut einer Umfrage unter rund 1 600 privaten Haushalten nahmen sowohl die Einkommens- als auch die Konjunkturerwartungen deutlich zu, während die Inflationserwartung zurückging. Auch der Arbeitsmarkt zeigte sich stabilisiert: So geht die Arbeitskräftenachfrage gemessen am BA-X (Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit – BA) seit nunmehr drei Monaten nicht weiter zurück. Allerdings planen die Kreditinstitute laut Bank Lending Survey derzeit keine Lockerung, sondern eine weitere Verschärfung der Kreditrichtlinien für Konsumenten- und Wohnungsbaukredite in den kommenden drei Monaten. 

Die bekannten strukturellen Probleme – etwa hohe Arbeits- und Energiekosten – belasten die wirtschaftliche Dynamik weiterhin. Mit einem kräftigen Aufschwung ist daher weiterhin nicht zu rechnen, auch wenn die zusätzlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur nach und nach wirksam werden dürften. „Die derzeitige Lage in der deutschen Industrie ist weiterhin fragil. Zwar wird momentan ein Teil der schwachen Exportnachfrage durch die öffentliche Hand ausgeglichen, dies ist jedoch nur ein vorübergehender Impuls. Notwendig sind insgesamt stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Unternehmen planen und sich angesichts der geopolitischen Veränderungen neu ausrichten können“, so Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Mit dem niedrigen Füllstand der Gasspeicher ist im Zusammenspiel mit dem kalten Wetter ein weiteres Risiko hinzugekommen. Unter sehr ungünstigen Bedingungen könnte erneut die Gefahr einer Gasmangellage aufkommen; bislang ist davon jedoch noch nicht auszugehen. 

Derweil scheint die Weltwirtschaft auch im Winter robust zu expandieren. Unternehmen und Haushalte werden weltweit weiterhin von den unberechenbaren Aussagen und Handlungen der US-Regierung in Atem gehalten, und in der Folge sind die Bewertungsschwankungen an den Finanzmärkten erheblich. Zuletzt betraf dies besonders die Edelmetallbörsen, aber auch die Devisenmärkte. Die Realwirtschaft ist davon jedoch weiterhin wenig beeindruckt. So expandiert der Welthandel trotz stark gestiegener US-Zölle kräftig, und die Produktion legte im vierten Quartal sowohl in China (mit 1,2%) als auch im Euroraum (0,3%) etwas stärker zu, als vielfach erwartet worden war. Auch für die USA ist für das Jahresschlussquartal eine recht deutliche Expansion anzunehmen. Anfang des Jahres sind Umfragen zum Unternehmensvertrauen weiter recht positiv ausgefallen. Wichtige Gründe für die robuste Weltkonjunktur sind positive Effekte des KI-Booms auf Unternehmensbewertungen und Investitionen, aber auch die Aussicht auf expansiv ausgerichtete Finanzpolitiken in den USA, Japan und Deutschland.

Der IWH-Flash-Indikator basiert auf einer Vielzahl von Einzelindikatoren, die sowohl realwirtschaftliche Größen als auch Stimmungsindikatoren umfassen. Abbildung 2 zeigt die Verteilung all dieser auf jeweils einem Indikator basierenden Prognosen für die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts für das erste und zweite Quartal 2026. Alles in allem signalisiert der IWH-Flash-Indikator für das erste Quartal 2026 ein BIP-Wachstum um 0,3% und im zweiten Quartal um 0,2%.

[Die Zeitreihe mit den historischen Daten des Flash-Indikators sowie eine Beschreibung der Methodik finden Sie im Download-Bereich.]

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