Dank robuster Binnennachfrage fallen Belastungen durch die Industrierezession für Ostdeutschland geringer aus als für den Westen – Implikationen der Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2019 und amtlicher Länderdaten für die ostdeutsche Wirtschaft

Die Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose konstatiert in ihrem Herbstgutachten 2019, dass sich die Konjunktur in Deutschland im laufenden Jahr weiter abgekühlt hat. Maßgeblich für die konjunkturelle Schwäche ist die Rezession in der Industrie. Von dieser ist auch die Wirtschaft in Ostdeutschland betroffen.

Autoren Oliver Holtemöller

Das zeigen Monatsdaten für die Warenausfuhren auf Länderebene und die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe Ostdeutschlands im ersten Quartal. Allerdings hat das ostdeutsche Verarbeitende Gewerbe mit 16% einen geringeren Anteil an der Wertschöpfung als in Gesamtdeutschland (23%), und die zu einem großen Teil auf Dienstleistungen ausgerichtete Binnennachfrage spielt eine wichtigere Rolle. Sie dürfte weiter robust bleiben, auch weil gerade in Ostdeutschland die verfügbaren Einkommen zuletzt deutlich stärker expandiert haben als im Westen: Im Jahr 2018 lagen sie im Osten um 9,8% über ihrem Niveau im Jahr 2014, im Westen um 7,2%. Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erklärt: „Ein Grund dafür ist die bislang besonders günstige Arbeitsmarktentwicklung, zudem steigen die Renten im Osten rascher als im Westen.“

All das erklärt, warum die Wirtschaftsleistung in Ostdeutschland im ersten Halbjahr stärker expandiert hat als in Westdeutschland: Gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 lag sie nach Angaben des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder“ um 0,8% über dem Niveau des Vorjahreszeitraums, im Westen nur um 0,4%. Den Unterschied machte dabei die mit 1,9% recht kräftige Expansion in der Dienstleistungsmetropole Berlin aus. Im Gesamtjahr 2019 dürfte die Wirtschaftsleistung Ostdeutschlands mit 1% deutlich stärker als in Westdeutschland zulegen. Im Jahr 2020 wird der Zuwachs mit 1,3% wohl nur noch leicht über dem westdeutschen liegen. Die Arbeitslosenquote nach der Definition der Bundesagentur für Arbeit geht von 6,9% im Jahr 2018 auf 6,5% im Jahr 2019 und 6,3% im Jahr 2020 zurück.

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Verknüpfte Publikationen

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Industrie in der Rezession – Wachstumskräfte schwinden: Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2019

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose

in: Dienstleistungsauftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, 2, 2019

Abstract

Die Konjunktur in Deutschland hat sich im laufenden Jahr weiter abgekühlt. In beiden Quartalen des Sommerhalbjahrs dürfte die Wirtschaftsleistung geschrumpft sein. Seit Einsetzen des Abschwungs zur Jahreswende 2017/ 2018 ist nunmehr ein Großteil der zuvor recht deutlichen Überauslastung der Produktionskapazitäten abgebaut. Die Gründe für die konjunkturelle Abkühlung sind in erster Linie in der Industrie zu suchen. Dort ist die Produktion seit Mitte letzten Jahres rückläufig, da sich die Nachfrage insbesondere nach Investitionsgütern in wichtigen Absatzmärkten abgeschwächt hat. Allmählich strahlt die Industrierezession auch auf die unternehmensnahen Dienstleister aus. Die Institute erwarten für das Jahr 2019 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,5% und damit 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im Frühjahr 2019. Für das kommende Jahr wird der Zuwachs ebenfalls schwächer eingeschätzt, nämlich auf 1,1% nach noch 1,8% im Frühjahr. Eine Konjunktur- krise mit einer ausgeprägten Unterauslastung der deutschen Wirtschaft ist somit trotz rückläufiger Wirtschaftsleistung im Sommerhalbjahr 2019 nicht zu erwarten, wenngleich die konjunkturellen Abwärtsrisiken derzeit hoch sind.

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