IWH-Insolvenztrend: Weiter keine Insolvenzwelle in Sicht; Zahl der betroffenen Jobs erreicht neuen Tiefststand

Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Mai erneut deutlich gesunken. Frühindikatoren des IWH lassen keinen spürbaren Anstieg im Juni erwarten. Die Zahl der betroffenen Jobs sinkt auf das niedrigste Niveau seit Erfassung im IWH-Insolvenztrend. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) liefert mit dem IWH-Insolvenztrend ein monatliches Update zum bundesweiten Insolvenzgeschehen.

Autoren Steffen Müller

Nach Rückgang im April ist die Zahl der Unternehmens-insolvenzen im Mai erneut deutlich gesunken. Laut IWH-Insolvenztrend wurden im Mai nur 682 Personen- und Kapitalgesellschaften als insolvent gemeldet. Damit lagen die Insolvenzen im Mai 11% unter den Aprilzahlen und mehr als 30% unter dem Niveau des Vorjahresmonats (vgl. Abbildung 1).

Die Analyse des IWH zeigt, dass die größten 10% der Unternehmen, deren Insolvenz im Mai gemeldet wurde, insgesamt nur knapp 4 400 Personen beschäftigen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Jobs nicht nur deutlich unter dem Niveau der Vormonate, sondern 75% unter dem Niveau des Vorjahresmonats (vgl. Abbildung 2).

„Die von vielen Beobachtern vorhergesagte Insolvenzwelle ist wie vom IWH prognostiziert bisher ausgeblieben und für die nähere Zukunft auch nicht zu erwarten“, stellt Steffen Müller fest, der die Abteilung Strukturwandel und Produktivität und die dort angesiedelte Insolvenzforschung am IWH leitet. Die meisten Unternehmen seien kerngesund in die Pandemie gegangen und haben nach wie vor ein funktionierendes Geschäftsmodell, so Müller.

Die absehbaren weiteren Öffnungen und Lockerungen kommen den besonders gebeutelten Branchen wie etwa dem Hotel- und Gastgewerbe oder dem Einzelhandel zugute. In diesem Umfeld und vor dem Hintergrund noch immer bestehender staatlicher Unterstützungsmaßnahmen sei nicht zu erwarten, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sprunghaft ansteigen wird.

Jenseits der im IWH-Insolvenztrend abgebildeten Gruppe der in der Regel größeren und daher gesamtwirtschaftlich relevanteren Personen- und Kapitalgesellschaften war seit Februar ein starker Anstieg bei den Insolvenzen von Kleinstunternehmen und Selbstständigen zu beobachten. Diese Entwicklung kam im April zum Erliegen und hat auch im Mai nicht wieder an Kraft gewonnen.

Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben (vgl. Abbildung 3). Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden Einrichtungen auf diesem Themengebiet.

Mehr zur IWH-Insolvenzforschungsstelle und zur Methodik hinter dem IWH-Insolvenztrend: www.iwh-halle.de/insolvenzforschung.

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