IWH-Insolvenztrend: Immer größere Firmen gehen pleite

Immer mehr Beschäftigte in Deutschland sind von einer Unternehmensinsolvenz betroffen. Jedoch bleibt die Zahl der Firmenpleiten trotz Coronakrise auch im Mai auf moderatem Niveau, zeigt der IWH-Insolvenztrend. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) liefert damit deutlich vor der amtlichen Statistik ein monatliches Update zum bundesweiten Insolvenzgeschehen.

Autoren Steffen Müller

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist im Mai leicht gestiegen. Wie aus dem IWH-Insolvenztrend hervorgeht, wurden im vorigen Monat 1 019 Personen- und Kapitalgesellschaften als insolvent gemeldet. Das waren 70 mehr als im April und 53 mehr als im Vorjahresmonat Mai 2019. Jedoch sind erstmals deutlich mehr große Firmen und somit mehr Arbeitskräfte betroffen. Laut der IWH-Analyse beschäftigen die fünf größten Unternehmen, deren Insolvenz im Mai gemeldet wurde, insgesamt mehr als 10 000 Personen. In den Vormonaten gab es hingegen kaum eine Insolvenz, von der 1 000 oder mehr Arbeitskräfte berührt waren.

Die Entwicklung kommt für IWH-Insolvenzforscher Steffen Müller nicht überraschend. „Wir haben schon in der Finanzkrise 2008/2009 beobachtet, dass deutlich größere Unternehmen Insolvenz anmelden als in normalen Zeiten“, sagt der Leiter der IWH-Abteilung Strukturwandel und Produktivität sowie der dort angesiedelten Insolvenzforschungsstelle. „Somit dürfte sich auch in der Coronakrise das Insolvenzgeschehen selbst bei relativ konstanter Zahl von Firmenpleiten immer stärker auf den Arbeitsmarkt auswirken.“ Jenseits von Wirtschaftskrisen schafften es angeschlagene Großunternehmen besser als kleine Firmen, Insolvenzen durch rechtzeitige Sanierungsmaßnahmen zu vermeiden, sagt Müller. In der akuten Krise fehle dazu jedoch oft die Zeit.

Müller weist darauf hin, dass die aktuellen Zahlen nur den Beginn der Krise widerspiegelten. Obwohl wegen Corona schon jetzt viele Firmen aufgäben, sei das Ausmaß der Pleitewelle erst in den nächsten Monaten sichtbar. Das liegt zum einen daran, dass der Gesetzgeber die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen unter bestimmten Umständen vorerst bis zum 30.09.2020 ausgesetzt hat. Zum anderen vergeht Zeit zwischen der Insolvenzantragsstellung und der Bekanntmachung der Eröffnungsentscheidung durch die Gerichte. Deshalb betreffen die Insolvenzbekanntmachungen im Mai einige Unternehmen, die ihre Zahlungsunfähigkeit schon im Februar oder März angezeigt hatten.

Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben. Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden Einrichtungen auf diesem Themengebiet.

Mehr zur IWH-Insolvenzforschungsstelle:
www.iwh-halle.de/insolvenzforschung

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