IWH-Insolvenztrend: Welle an Großinsolvenzen vorerst vorbei

Nachdem im Sommer zahlreiche Großinsolvenzen die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze nach oben trieb, ist die Zahl der von Insolvenz betroffenen Beschäftigten mittlerweile rückläufig. Auch die Anzahl der Insolvenzen liegt weiter auf niedrigem Niveau. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) liefert mit dem IWH-Insolvenztrend ein monatliches Update zum bundesweiten Insolvenzgeschehen.

Autoren Steffen Müller

Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen ist im November niedrig geblieben. Laut IWH-Insolvenztrend wurden im vorigen Monat 684 Personen- und Kapitalgesellschaften als insolvent gemeldet. Damit lagen die Insolvenzen im November bei etwa 84% des Vorjahresmonats (vgl. Abbildung 1). Zudem waren wie bereits im Oktober deutlich weniger Jobs betroffen als in den Sommermonaten. Die Analyse des IWH zeigt, dass die größten 10% der Unternehmen, deren Insolvenz im November gemeldet wurde, insgesamt nur 5 500 Personen beschäftigen. So wenige Beschäftigte waren noch in keinem Monat im Jahr 2020 betroffen.

Erstmals weist das IWH die Branchenstruktur der Jobs in den größten 10% der Insolvenzunternehmen aus. Demnach war die hohe Zahl der betroffenen Jobs im Sommer nicht auf eine hohe Zahl von gefährdeten Arbeitsplätzen im Verarbeitenden Gewerbe zurückzuführen. Allerdings geht auch der nun beobachtete Rückgang in erster Linie auf Jobs im tertiären Sektor und nicht auf Industriejobs zurück (vgl. Abbildung 2).

Steffen Müller, der die Abteilung Strukturwandel und Produktivität und die dort angesiedelte Insolvenzforschung am IWH leitet, stellt fest, dass die niedrigen Insolvenzzahlen aus dem Sommer (vgl. Abbildung 1) vielfach den Blick der Öffentlichkeit auf die hohe Zahl betroffener Arbeitsplätze verstellt hat. „Nimmt man die Anzahl der von Insolvenz betroffenen Jobs seit Beginn der Krise in den Blick, war das Insolvenzgeschehen in den Monaten Oktober und November am ruhigsten, vor allem im tertiären Sektor“, sagt Müller. Allerdings sei klar, dass bereits wenige sehr große Insolvenzen dieses Bild künftig schnell ändern können.

Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben (vgl. Abbildung 3). Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden Einrichtungen auf diesem Themengebiet.

Mehr zur IWH-Insolvenzforschungsstelle und zur Methodik hinter dem IWH-Insolvenztrend: www.iwh-halle.de/insolvenzforschung.

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