Konjunktur aktuell: Zunahme persönlicher Kontakte beflügelt wirtschaftliche Aktivität

Im Sommer sind die konjunkturellen Aussichten in Deutschland günstig. Weil die Pandemie auf dem Rückzug ist, dürften die Restriktionen, die die Aktivität in vielen Dienstleistungsbranchen behindert haben, nach und nach aufgehoben werden, und es ist mit einem kräftigen Schub bei den privaten Käufen zu rechnen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) prognostiziert, dass das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 um 3,9% und im Jahr 2022 um 4,0% zunehmen wird. Die Produktion in Ostdeutschland dürfte in beiden Jahren um jeweils 3% zulegen.

Autoren Oliver Holtemöller

Im Sommer 2021 expandiert die weltwirtschaftliche Produktion kräftig. Hauptgrund ist der Rückzug der Pandemie aus den fortgeschrittenen Volkswirtschaften des Westens, wo die Impfkampagnen rasch voranschreiten. Allerdings ist die Weltindustrieproduktion zuletzt nicht mehr weiter gestiegen. Dies liegt an vielerlei Engpässen bei der Produktion und an fehlenden Transportkapazitäten. Höhere Preise, zumal für Rohstoffe, haben die Inflationsraten zuletzt deutlich steigen lassen. Die Geldpolitik bleibt aber, ebenso wie die Finanzpolitik, in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften expansiv. Während die konjunkturelle Dynamik dort auch in den kommenden Quartalen hoch sein wird, ist das Bild anderswo differenzierter: In China ist der Aufholprozess schon abgeschlossen, Rohstoffexportländer profitieren von den höheren Preisen, aber in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern wird die Pandemie das ganze Jahr 2021 über noch auf der Wirtschaft lasten.

Ein Abwärtsrisiko für die Konjunktur in Deutschland ist die Möglichkeit, dass sich das Leben zu einem Zeitpunkt normalisiert, zu dem die Herdenimmunität noch nicht erreicht ist und die Pandemie in der Folge im Sommer noch einmal aufflammt

In Deutschland hat die Pandemie noch bis in den April die wirtschaftliche Aktivität stark gedämpft, ein Anstieg der registrierten Arbeitslosigkeit blieb allerdings aus, auch aufgrund der Kurzarbeitsregeln. Die real verfügbaren Einkommen lagen zu Jahresanfang fast auf Vorkrisenniveau, während der private Konsum um 11% niedriger war. Er wird im Zuge der Normalisierung des Wirtschaftslebens in den kommenden Monaten stark anziehen. Davon profitieren insbesondere der Einzelhandel, das Gastgewerbe und andere Anbieter von Freizeitaktivitäten. Von der Auslandsnachfrage nach Produkten des Verarbeitenden Gewerbes kommen ebenfalls kräftige Impulse. Allerdings bremsen auch in Deutschland Lieferengpässe im Verarbeitenden Gewerbe das Expansionstempo. Es dürfte bis Ende 2022 dauern, bis die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten wieder normal ausgelastet sind. Die Beschäftigungslage wird sich schon im zweiten Quartal 2021 leicht verbessern, und die registrierte Arbeitslosigkeit nimmt im Verlauf des Jahres 2021 weiter ab. Die Teuerung wird auch in den nächsten Monaten vor allem wegen Basiseffekten beim Erdölpreis deutlich oberhalb der 2%-Marke liegen. Weil die Finanzpolitik im Jahr 2021 nochmals expansiv ausgerichtet ist, steigt das gesamtstaatliche Budgetdefizit trotz wirtschaftlicher Erholung von 4,5% in Relation zum Bruttoinlandsprodukt auf 5,1%. Im Jahr 2022 geht es deutlich auf 1,4% zurück.

„Ein Abwärtsrisiko für die Konjunktur in Deutschland ist die Möglichkeit, dass sich das Leben zu einem Zeitpunkt normalisiert, zu dem die Herdenimmunität noch nicht erreicht ist und die Pandemie in der Folge im Sommer noch einmal aufflammt“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH, „dadurch könnte der Aufholprozess erneut verzögert werden.“ Zudem könnten Lieferengpässe das Verarbeitende Gewerbe noch stärker belasten, als in dieser Prognose unterstellt wird. Ein Aufwärtsrisiko stellt die Möglichkeit dar, dass ein größerer Teil der in der Krise angesparten Einkommen verausgabt wird. Höhere Produktionszuwächse und eine stärkere Preisdynamik wären die Folge.

Die Langfassung der Prognose (Konjunktur aktuell: Zurück ins Leben – Zunahme persönlicher Kontakte beflügelt wirtschaftliche Aktivität) enthält zwei Kästen:

Kasten 1: Annahmen und Prognosen bezüglich der Rahmenbedingungen

Kasten 2: Zur Schätzung des Produktionspotenzials

Langfassung: Brautzsch, Hans-Ulrich; Claudio, João Carlos; Drygalla, Andrej; Exß, Franziska; Heinisch, Katja; Holtemöller, Oliver; Kämpfe, Martina; Lindner, Axel; Müller, Isabella; Schultz, Birgit; Staffa, Ruben; Wieschemeyer, Matthias; Zeddies, Götz: Zurück ins Leben – Zunahme persönlicher Kontakte beflügelt wirtschaftliche Aktivität. IWH, Konjunktur aktuell, Jg. 9 (2), 2021. Halle (Saale) 2021.

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