EREI-Update: Wohnen in Europas Städten im Schnitt 23% teurer als in ländlichen Regionen

Der europäische Plan für erschwinglichen Wohnraum der EU-Kommission soll die vielerorts beklagte Knappheit an Wohnraum adressieren, welche beispielsweise der Deutsche Mieterbund nicht nur als Grund für eine Mieten-, sondern für eine Sozialkrise benennt. Laut aktuellem European Real Estate Index (EREI) des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) stiegen Mieten in Deutschland im August tatsächlich dreimal schneller als im EU-Durchschnitt. Zudem klaffen die Mieten in Metropol- und Nicht-Metropolregionen in elf EU-Ländern auseinander: Städtische Durchschnittsmieten liegen 23% über denen auf dem Land.

Autoren Michael Koetter

Im August 2026 weist der European Real Estate Index (EREI) für den deutschen Kaufmarkt im Vergleich zum Vormonat einen Rückgang von durchschnittlich 2,0% auf, welcher vor allem eine Zunahme an Zwangsversteigerungsinseraten widerspiegelt. Der europäische Durchschnitt ist im gleichen Zeitraum um 0,5% gesunken. Abbildung 1 zeigt die Preise für Wohnimmobilien in Europa im Zeitverlauf, wobei alle Zeitreihen auf einen gemeinsamen Vergleichswert von 100 zum 31. März 2025 indexiert wurden. Seit Beginn der Indexierung sind die Immobilienpreise in Deutschland um 0,5% gestiegen, während sie im europäischen Durchschnitt um 6,1% zugenommen haben.

Binnen der letzten zwölf Monate ist München die teuerste Region in Deutschland mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 8 941 Euro pro Quadratmeter. Am günstigsten sind die Immobilien im thüringischen Hildburghausen mit durch schnittlich 987 Euro pro Quadratmeter. Die teuerste Region im Gesamtvergleich ist Zug in der Schweiz mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 18 054 Euro pro Quadratmeter. Abbildung 2 zeigt die Durchschnittspreise der letzten zwölf Monate über alle NUTS-3-Regionen hinweg.

Im August 2026 weist der European Real Estate Index für den deutschen Mietmarkt im Vergleich zum Vormonat einen Anstieg von durchschnittlich 0,6% auf. Der europäische Durchschnitt ist im gleichen Zeitraum um 0,2% gestiegen. Seit dem 31. Oktober 2025 sind die Mietpreise in Deutschland um 3,4% gestiegen, während sie im europäischen Durchschnitt um 2,3% zugenommen haben.

Die durchschnittliche Miete in von Eurostat als Metropolregionen ausgewiesenen Räumen betrug 15,6 Euro pro Quadratmeter im Vergleich zu 12,6 Euro pro Quadratmeter in Nicht-Metropolregionen. Diese Stadt-versus-Land-Prämie von 23% ist in Deutschland identisch (12,7 Euro/qm versus 10,3 Euro/qm), fällt aber in anderen Ländern, wie Frankreich oder Portugal mit 50% und 39%, wesentlich höher aus.

Binnen der letzten zwölf Monate bleibt München weiter die teuerste Region in Deutschland mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 22 Euro pro Quadratmeter. Am günstigsten ist die Miete in der Region Vogtlandkreis mit durchschnittlich 6 Euro pro Quadratmeter. Die teuerste Mietregion im Gesamtvergleich ist Westminster mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 89 Euro pro Quadratmeter.

IWH-EREI-Update: Hintergrund, Daten, Methodik

Der European Real Estate Index (EREI) ist ein neuer Datensatz zur Abbildung von Entwicklungen auf dem europäischen Immobilienmarkt. Neben Angebots- bzw. Listenpreisen ermöglichen die Daten auch die Analyse der Angebotstiefe (Anzahl der Inserate) sowie der Marktliquidität (Inseratsdauer). Die EREI-Daten sind europaweit verfügbar, bieten eine hohe geografische Granularität auf NUTS-3-Ebene und werden in monatlicher Frequenz veröffentlicht. Damit sind sie nicht nur besonders detailliert, sondern auch bis zu sechs Monate aktueller als amtliche Statistiken, beispielsweise der Residential Property Prices (RESR) Indikator der Europäischen Zentralbank.

Die Daten des European Real Estate Index (EREI) stehen über ein interaktives Dashboard sowie über eine Programmierschnittstelle (API) unter folgendem Link zur Verfügung: erei.iwh-halle.de/dashboard/. 

Publikationen 
Michael Koetter, Felix Noth, Fabian Woebbeking: European Real Estate Index (EREI) 2026: A Near-real-time European Real Estate Index EREI: Monthly Listing Prices and Rents for Residential Real Estate. IWH Technical Reports 2/2026. Halle (Saale) 2026.

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Zugehörige Publikationen

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European Real Estate Index (EREI) 2026: A Near-real-time European Real Estate Index EREI: Monthly Listing Prices and Rents for Residential Real Estate

Michael Koetter Felix Noth Fabian Woebbeking

in: IWH Technical Reports, 2, 2026

Abstract

Real estate is a capstone connection between various economic agents and markets. It is the main store of household wealth, serves as collateral for mortgage loans in the banking system, aids the transmission of monetary policy, and can propagate financial crises when overvalued. Yet comparable house-price data across the European Union (EU) and the euro area is unavailable, which hinders the design and evaluation of common monetary and economic policy that operates across heterogeneous housing markets. We derive monthly subnational European Real Estate Indicators (EREI) from online residential property advertisements in 16 European countries. The release covers April 2024 to June 2026 and contains 48,168 region-month-segment observations for 1,154 NUTS 3 regions, aggregating more than 43 million listing observations across the monthly sale and rental cross-sections. Each region-month segment reports the number of advertisements and summary statistics for asking prices per square meter and listing durations. The release also includes sale-segment indices for Europe, the euro area, and individual countries. Thirteen covered countries are EU members, which represented 85% of EU-27 gross domestic product in 2024. EREI data support research on a wide range of socio-economic phenomena associated with real estate dynamics, such as the evaluation of monetary policy or macroprudential policy effects on financial stability.

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