Finanzpolitik schiebt nächstes Jahr auch im Osten die Konjunktur – Implikationen der Gemeinschaftsdiagnose vom Herbst 2025 für die ostdeutsche Wirtschaft
Das reale Bruttoinlandsprodukt in Ostdeutschland
Die Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose konstatiert in ihrem Herbstgutachten, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden zwei Jahren durch die finanzpolitischen Impulse stimuliert wird. Während die Dienstleistungsbereiche, insbesondere im öffentlichen Sektor, weiterhin kräftig zulegen, kommt es im Verarbeitenden Gewerbe und beim Bau zu einer verhaltenen Erholung. Dieses Konjunkturbild gilt auch für Ostdeutschland. Allerdings fällt die Erholung hier etwas schwächer aus, denn das Verarbeitende Gewerbe spielt eine geringere Rolle als im Westen. Der gegenüber den westdeutschen Verhältnissen etwas höhere Anteil der ostdeutschen Bauwirt-schaft an der Wertschöpfung fällt demgegenüber schwächer ins Gewicht.
„Insgesamt unterscheidet sich die Wachstumsdynamik zwischen Ost und West aber kaum“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident am IWH. Nachdem die amtliche Statistik im März das Bruttoinlandsprodukt Ostdeutschlands für die vergangenen Jahre nach unten korrigiert hat, zeigt sich, dass die ostdeutsche Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren nur deshalb etwas schneller gewachsen ist als die deutsche insgesamt, weil in Berlin die Dienstleistungen stark zulegen. So hat die ostdeutsche Produktion nach jüngsten Zahlen der Statistischen Landesämter vor allem dank der Berliner Wirtschaft im ersten Halbjahr 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um einen halben Prozentpunkt expandiert, während sie in Deutschland insgesamt stagnierte. Insgesamt wird aber das Wachstum der ostdeutschen Wirtschaft von dem demographisch bedingten Schwund an Arbeitskräften gebremst. So lag die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zuletzt (Juni) in Ostdeutschland um 0,4% unter Vorjahresniveau, während sie im Westen um 0,2% darüberlag.
Im Jahr 2025 dürfte die Expansionsrate der ostdeutschen Wirtschaft mit 0,3% leicht höher liegen als in Deutschland insgesamt (0,2%). In den Jahren 2026 und 2027 wird sie auf 1,1% respektive 1,2% anziehen und damit etwas weniger deutlich als im Westen (vgl. Abbildung). Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahr 2025 7,8% betragen in den beiden Folgejahren auf 7,6% beziehungsweise 7,1% zurückgehen.
Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2025:
Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose: Expansive Finanzpolitik kaschiert Wachstumsschwäche. Berlin, September 2025.
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Expansive Finanzpolitik kaschiert Wachstumsschwäche
in: Dienstleistungsauftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, 2, 2025
Abstract
Deutschland befand sich in den vergangenen zwei Jahren in der Rezession. Die jüngst stark revidierten Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen zeigen, dass die Krise deutlich ausgeprägter war als bislang ausgewiesen. Mit einer Stagnation in der ersten Hälfte dieses Jahres dürfte die deutsche Wirtschaft die konjunkturelle Talsohle erreicht haben. Eine breit angelegte Erholung ist allerdings nicht zu erwarten, denn grundlegende strukturelle Schwächen dauern an.
Die Konjunktur dürfte in den kommenden zwei Jahren durch die Finanzpolitik expansive Impulse erfahren. Während die Dienstleistungsbereiche, insbesondere im öffentlichen Sektor, weiterhin kräftig zulegen, wird die Erholung im Produzierenden Gewerbe wohl nur verhalten ausfallen. Vor allem dürfte sich die Auslandsnachfrage nach deutschen Waren nicht zuletzt infolge der US-Zollpolitik weiterhin nur schleppend entwickeln. Die geplanten öffentlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur können dies nur begrenzt abfedern, denn ein erheblicher Teil der Mittel fließt in gesamtwirtschaftlich kleine Bereiche, in denen die bestehenden Kapazitäten bereits gut ausgelastet sind. Insgesamt dürfte es in den kommenden beiden Jahren zu Kapazitätsausweitungen und entsprechenden privaten Investitionen kommen.
Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr mit einem Anstieg um 0,2 % kaum mehr als stagnieren. Im weiteren Prognosezeitraum dürfte eine expansive Finanzpolitik die Konjunktur anschieben. Im kommenden Jahr steigt das Bruttoinlandsprodukt um 1,3 % und im Jahr 2027 um 1,4 %. Damit lassen die Institute ihre Prognose für das laufende und kommende Jahr im Vergleich zum Frühjahr in etwa unverändert.