Höhere Auslandsnachfrage hilft auch dem Osten – Implikationen der Gemeinschaftsdiagnose vom Herbst 2026 und amtlicher Länderdaten für die ostdeutsche Wirtschaft
Die Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose konstatiert in ihrem Herbstgutachten, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft stärker ausfällt als noch im Frühjahr erwartet, auch wenn hohe Energiepreise und Strukturprobleme weiter belasten. Zudem hat die Sommerrevision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen durch das Statistische Bundesamt das Niveau der Wirtschaftsleistung angehoben. Dies lässt die Rezession der Jahre 2023 und 2024 milder erscheinen als bislang ausgewiesen. Für die Länder und damit auch für Ostdeutschland wird die Revision erst im kommenden Jahr nachvollzogen werden.
Die gegenwärtige Erholung ist zu einem Gutteil von einer höheren Auslandsnachfrage getrieben. „Davon profitiert auch die Wirtschaft im Osten, allerdings in geringerem Maß, denn hier haben die Exportindustrien kein so großes Gewicht wie in Westdeutschland“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident am IWH. So lag die Produktion in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 um 0,9% über dem Vorjahresstand, in Ostdeutschland waren es nur 0,5%, in Sachsen und Thüringen ist die Wirtschaftsleistung sogar um 0,3% bzw. 0,8% zurückgegangen. In Berlin betrug der Zuwachs wie im Bundesschnitt 0,9%, in Brandenburg lag er mit 1,4% darüber und in Sachsen-Anhalt mit 0,6% etwas darunter.
„Der von den Instituten für das dritte Quartal prognostizierte Dämpfer für die Produktion aufgrund des Niedrigwassers im Rhein trifft dagegen nur die westdeutsche Wirtschaft“, sagt Oliver Holtemöller. Alles in allem dürfte die ostdeutsche Wirtschaft im Jahr 2026 um 0,9% und damit um 0,4 Prozentpunkte langsamer expandieren als die Wirtschaft in Deutschland insgesamt. Danach wird die Produktion im Osten wohl mit wiederum 0,9% im Jahr 2027 und mit 0,4% im Jahr 2028 in ähnlichem Tempo wie in Deutschland zulegen. Die ostdeutsche Arbeitslosenquote dürfte in diesem Jahr 7,9% betragen, im Folgejahr auf 7,7% und im Jahr 2028 auf 7,3% zurückgehen.
Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026:
Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose: Aufschwung mit Strukturproblemen – Finanzpolitik auf Abwegen. Halle (Saale), September 2026.
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Aufschwung mit Strukturproblemen – Finanzpolitik auf Abwegen
in: Dienstleistungsauftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, 2, 2026
Abstract
Die deutsche Wirtschaft ist seit Ende 2025 im Aufschwung. Die Erholung fällt stärker aus als noch im Frühjahr erwartet, bleibt aber schwach. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für das laufende Jahr ein BIP-Plus von 1,3% und für die beiden folgenden Jahre von 1,1% bzw. 0,4%. Gegenüber dem Frühjahr wurde die Prognose für 2026 um 0,7 und für 2027 um 0,2 Prozentpunkte angehoben. Die Wirtschaft hat sich robuster entwickelt als erwartet. Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten. Im laufenden Quartal bremst zudem Niedrigwasser die Aktivität vorübergehend. Das staatliche Defizit nimmt weiter zu, sodass sich ein wachsender Konsolidierungsbedarf aufstaut.