Start für den European Real Estate Index (EREI): Wohnraumpreise in Deutschland steigen langsamer als in Europa

Der Kaufpreisanstieg für angebotene Wohnimmobilien in Deutschland bleibt seit Frühjahr 2025 deutlich hinter dem europäischen Durchschnitt zurück. Das zeigt der heute vorgestellte European Real Estate Index (EREI) des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Dieser neue Datenservice analysiert nahezu in Echtzeit 43 Millionen Angebote in Online-Immobilienportalen und macht Kaufpreise und Mieten in 1 154 europäischen Regionen monatlich und zeitnah vergleichbar.

Autoren Michael Koetter

Der EREI beleuchtet die Dynamik regionaler Immobilienmärkte bereits bevor amtliche Immobilientransaktionsdaten vorliegen. Einen ersten Eindruck vermittelt die jüngste EREI-Auswertung (vgl. Abbildung 1): Im Juli 2026 stieg der Angebotspreisindex für das deutsche Kaufsegment gegenüber dem Vormonat um 1,2%, während der EREI im europäischen Mittel um 0,1% nachgab. Seit März 2025 beträgt der Anstieg in Deutschland 2,5% im Vergleich zu 6,6% in Europa. EREI macht diese Preisentwicklungen für
1 154 kleinteilige Regionen in 16 europäischen Ländern sichtbar.

Immobilien sind für Wirtschaft und Finanzstabilität von zentraler Bedeutung, weil sie die Bilanzen privater Haushalte, Banken und Unternehmen miteinander verbinden. Wohnimmobilien machen – je nach Vermögensgruppe – rund 50 bis 72% des Nettovermögens privater Haushalte aus. Zugleich entfielen 2022 fast 40% der Kredite und Forderungen von Banken im Euroraum auf Immobilien. Veränderungen der Immobilienwerte beeinflussen daher Vermögen und Konsum in der Realwirtschaft, gleichzeitig aber auch Kreditsicherheiten und Bankrisiken im Finanzsystem. Da Finanzierung, Wohneigentum und Zinsbindung regional stark variieren, hat somit auch eine einheitliche Geldpolitik in der Eurozone unterschiedliche lokale Folgen. Der neue Datenservice EREI eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, um regional unterschiedliche Transmissionseffekte geldpolitischer Politikmaßnahmen zu untersuchen.

Der EREI basiert auf Online-Inseraten für Wohnimmobilien. Er erfasst monatlich Angebotspreise pro Quadratmeter, die Zahl der Inserate und deren Vermarktungsdauer, sowohl für Kaufangebote als auch für Mietangebote. Die veröffentlichte Zeitreihe beginnt im April 2024. Geprüfte Monatswerte werden in der Regel bereits im Folgemonat bereitgestellt. Damit ergänzt EREI die amtlichen, transaktionsbasierten Preisstatistiken, zum Beispiel den Hauspreisindex der Europäischen Zentralbank (EZB), um schnellere und regional feinere Signale (vgl. Abbildung 2). Ein Vergleich mit amtlichen Transaktionsdaten zeigt, dass der EREI die regionalen Preisniveaus sehr zuverlässig abbildet: In den fünf größten untersuchten Märkten ‒ Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, den Niederlanden und Spanien ‒ stimmen die EREI-Daten weitgehend mit den tatsächlich erzielten Immobilienpreisen überein.

„Angebotspreise sind nicht dasselbe wie die tatsächlich gezahlten Kaufpreise. Sie zeigen jedoch früh und auf kleiner regionaler Ebene, wo Wohnen beispielsweise besonders teuer ist und wie sich Märkte auseinanderentwickeln“, sagt Michael Koetter, Leiter der Abteilung Finanzmärkte und Vizepräsident am IWH sowie Mitentwickler des EREI. „Gerade weil nationale Durchschnittswerte große lokale Unterschiede verdecken können, eröffnet EREI neue Möglichkeiten für Forschung und wirt-schaftspolitische Analysen auf granularer Ebene.“

IWH-Präsident Reint Gropp begrüßt den neuen Datenservice als Instrument der Politikberatung: „Immobilienpreise berühren Vermögen, Kreditversorgung und Finanzstabilität zugleich. EREI schafft eine öffentlich zugängliche Datengrundlage, mit der regionale Entwicklungen früher erkannt und politische Maßnahmen besser gestaltet werden können.“

Die Daten des European Real Estate Index (EREI) stehen über ein interaktives Dashboard sowie über eine Programmierschnittstelle (API) unter folgendem Link zur Verfügung: erei.iwh-halle.de/dashboard/.


Publikationen
Michael Koetter, Felix Noth, Fabian Woebbeking: European Real Estate Index (EREI) 2026: A Near-real-time European Real Estate Index EREI: Monthly Listing Prices and Rents for Residential Real Estate. IWH Technical Reports 2/2026. Halle (Saale) 2026.

Michael Koetter, Felix Noth, Fabian Woebbeking: Do Online Real Estate Listing Prices Gauge Transaction Prices (Well)? Evidence from Novel Near-Real-Time Data. IWH Discussion Papers 13/2026. Halle (Saale) 2026.

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Zugehörige Publikationen

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European Real Estate Index (EREI) 2026: A Near-real-time European Real Estate Index EREI: Monthly Listing Prices and Rents for Residential Real Estate

Michael Koetter Felix Noth Fabian Woebbeking

in: IWH Technical Reports, 2, 2026

Abstract

Real estate is a capstone connection between various economic agents and markets. It is the main store of household wealth, serves as collateral for mortgage loans in the banking system, aids the transmission of monetary policy, and can propagate financial crises when overvalued. Yet comparable house-price data across the European Union (EU) and the euro area is unavailable, which hinders the design and evaluation of common monetary and economic policy that operates across heterogeneous housing markets. We derive monthly subnational European Real Estate Indicators (EREI) from online residential property advertisements in 16 European countries. The release covers April 2024 to June 2026 and contains 48,168 region-month-segment observations for 1,154 NUTS 3 regions, aggregating more than 43 million listing observations across the monthly sale and rental cross-sections. Each region-month segment reports the number of advertisements and summary statistics for asking prices per square meter and listing durations. The release also includes sale-segment indices for Europe, the euro area, and individual countries. Thirteen covered countries are EU members, which represented 85% of EU-27 gross domestic product in 2024. EREI data support research on a wide range of socio-economic phenomena associated with real estate dynamics, such as the evaluation of monetary policy or macroprudential policy effects on financial stability.

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Do Online Real Estate Listing Prices Gauge Transaction Prices (Well)? Evidence from Novel Near-Real-Time Data

Michael Koetter Felix Noth Fabian Woebbeking

in: IWH Discussion Papers, 13, 2026

Abstract

We show that online listing prices closely approximate transaction prices across Europe. Our validation uses the IWH European Real Estate Index (EREI), a near-real-time database of monthly purchase prices, rents, listing counts, and time on market for 1,154 NUTS-3 regions in 16 countries since April 2024. With publication lags as short as one month, validated listing prices offer a timely, comparable complement to official house price statistics. Purchase price levels correlate between 0.94 and 0.97 with transaction prices in the five most populous markets, while calibration slopes range from 0.95 to 1.00. Aggregate listing prices exceed benchmark transaction prices by 13% to 22%.

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