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Deutschland (Forts.) Auf einer Seite lesenDurch den expansiven Kurs der Finanzpolitik erhöht sich der Fehlbetrag der öffentlichen Haushalte von 2,7 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 3,7 % im Jahr 2026 und 4,2 % im Jahr 2027. Der Bruttoschuldenstand steigt im selben Zeitraum von 63,6 % auf 67,2 % der Wirtschaftsleistung.
Am Arbeitsmarkt überlagern sich weiterhin konjunkturelle und strukturelle Faktoren. Die gesamtwirtschaftliche Erholung dürfte erst mit Verzögerung im kommenden Jahr sichtbar werden. Die Institute erwarten daher einen erneuten Rückgang der Erwerbstätigkeit im laufenden Jahr um jahresdurchschnittlich 100 000 Personen, gefolgt von einem Anstieg im Jahr 2027 um 42 000 Personen. Umgekehrt nimmt die Zahl der Arbeitslosen im Jahr 2026 um 54 000 zu und sinkt im folgenden Jahr um 66 000 Personen. Die Arbeitslosenquote steigt der Prognose zufolge im laufenden Jahr auf 6,4 %, bevor sie im kommenden Jahr auf 6,2 % zurückgeht.
Das Potenzialwachstum kommt mittelfristig zum Erliegen. Durch die demografisch bedingte Verknappung des Arbeitskräfteangebots und den nur schwachen Anstieg des Trends der Arbeitsproduktivität wird die Potenzialrate von derzeit schätzungsweise 0,2 % bis zum Ende des Jahrzehnts auf 0,0 % sinken. Vor diesem Hintergrund dürften die Expansionsspielräume mit steigender Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten im Jahr 2027 bereits ausgeschöpft sein.
Das Schwerpunktthema befasst sich mit den Ursachen der rückläufigen Arbeitszeit je Erwerbstätigen und den Folgen für das Potenzialwachstum in den kommenden Jahren. Deutschland weist im internationalen Vergleich eine niedrige durchschnittliche Arbeitszeit je Erwerbstätigen auf. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die hohe Teilzeitquote. Diese geht mit einer hohen Arbeitsmarktpartizipation von Gruppen einher, die überdurchschnittlich häufig in Teilzeit arbeiten. Neben Frauen reduzieren zunehmend auch Männer ihre Arbeitszeit aus familiären Gründen. Hinzu kommen strukturelle Verschiebungen am Arbeitsmarkt, insbesondere ein Beschäftigungsaufbau in Bereichen mit unterdurchschnittlichen Arbeitszeiten, etwa im Gesundheits- und Sozialwesen, sowie ein Beschäftigungsrückgang in der Industrie, die durch überdurchschnittliche Arbeitszeiten gekennzeichnet ist. Schließlich machen sich auch die Folgen des demografischen Wandels bemerkbar. Nicht zuletzt in Folge von Rentenreformen ist die Lebensarbeitszeit in den vergangenen Jahrzehnten stärker gestiegen als in anderen Ländern. Eine zunehmende Arbeitsmarktbeteiligung der älteren Jahrgänge mit unterdurchschnittlichen Wochenarbeitszeiten lässt die durchschnittliche Arbeitszeit je Erwerbstätigen sinken. Mit Blick auf die kommenden Jahre dürfte der demografische Wandel das Arbeitsvolumen weiter verringern und damit das Wachstum des Produktionspotenzials merklich dämpfen. Dabei werden sich die Triebkräfte verschieben. Während sich der in den vergangenen Jahrzehnten bedeutsame Effekt zunehmender Arbeitsmarktpartizipation von Frauen an Bedeutung verloren hat, schlägt das zunehmende Gewicht älterer Arbeitskräfte an der gesamten Arbeitsleistung stärker zu Buche.
Die größten Risiken für die vorliegende Prognose ergeben sich aus dem weiteren Verlauf des Iran-Krieges. In diesem Gutachten wird angenommen, dass sich die unmittelbaren konjunkturellen Auswirkungen des Krieges zunächst vor allem in Form höherer Energiepreise bemerkbar machen. Dabei werden die Markterwartungen vom 20. März 2026 für den Verlauf der Energiepreise zugrunde gelegt. Die vergangenen Wochen haben jedoch gezeigt, dass einzelne Kriegsereignisse sowohl die Kassa- als auch die Terminkurse stark beeinflussen. Entsprechend können die konjunkturellen Folgen des Energiepreisschocks abhängig vom Kriegsverlauf mehr oder weniger stark ausfallen. Einem in diesem Gutachten simulierten Alternativszenario zufolge könnten spürbar höhere Energiepreise den Anstieg der Wirtschaftsleistung in Deutschland in diesem und im kommenden Jahr zusätzlich um 0,2 bzw. 0,3 Prozentpunkte dämpfen. Dabei könnten die realwirtschaftlichen Folgen noch größer werden, wenn sich der Konflikt im Nahen Osten – anderes als in diesen Modellsimulationen unterstellt – auf weitere Länder ausweitet oder die Finanzmärkte stärker in Mitleidenschaft zieht. Neben höheren Energiepreisen besteht bei einer weiteren Zuspitzung des Konflikts und einer längeren Sperrung der Straße von Hormus das Risiko, dass auch Lieferkettenprobleme und damit verbundene Produktionsbehinderungen in Deutschland auftreten.