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Neue Ökonomische Geographie
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Bevölkerungsrückzug aus dem Norden und dem Osten Auf einer Seite lesen

Abbildung (a) verdeutlicht das stärkere Wachstum der großen Städte insbesondere nach 2004. Abbildung (b) zeigt, dass die zentralen Orte und die in ihrer Umgebung gelegenen Städte im Mittel stärker wachsen als die von den regionalen Zentren weiter entfernen Orte: Während das Wachstum der Hauptstädte der russischen Regionen im Mittel positiv war, sind in den von diesen entfernteren Städten starke und mit der Entfernung zunehmende Bevölkerungsrückgänge erkennbar, was ebenfalls ein deutliches Kern-Peripherie-Muster in den Regionen erkennen lässt.  Das stärkere Wachstum der den Zentren unmittelbar benachbarten Städte ist vor allem darauf zurückzuführen, dass einige Agglomerationen des europäischen Russland (insbesondere Moskau) weit über die administrativen Grenzen ihrer Kernstädte hinausgewachsen sind.

Bevölkerungsrückzug aus dem Norden und dem Osten

Die in Abbildung (c) und (d) dargestellten Relationen zwischen geographischer Länge bzw. Breite zeigen einen deutlich negativen Trend der Wachstumsraten von West nach Ost wie auch von Süden nach Norden. Zudem werden jedoch deutliche Abweichungen von einem einfachen Ost-West- bzw. Nord-Süd-Muster sichtbar. Das im Mittel hohe Bevölkerungswachstum der Städte um den
47. Längengrad bildet das Wachstum der südrussischen Städte (etwa 42 Grad südlicher Breite) ab und geht vermutlich auf ethnische Besonderheiten (vor allem im Kaukasus), aber auch das wärmere Klima zurück.  Auch im Bereich des 75. Längengrads (ab 2004 auch des 57. Breitengrads) ist ein überdurchschnittliches Wachstum der Städte zu erkennen. Hier befindet sich das westsibirische Öl- und Gasfördergebiet, dessen gute Verdienstmöglichkeiten vor allem junge Menschen anziehen. 

Aus der durchgeführten Analyse können vorsichtige Schlüsse gezogen werden: Sollten die größten Städte Russlands weiter wachsen, werden in diesen Städten aufgrund der Zuwanderung die Kosten der Raumnutzung, die Wahrscheinlichkeit von Staus und die Belastung der Umwelt steigen. Dies wird Anpassungsreaktionen hervorrufen, die zu neuen Wanderungsgleichgewichten führen werden. Dass das Wachstum der Mehrzahl der Millionenstädte erst im zweiten Zeitabschnitt einsetzt, lässt sich in diesem Sinne interpretieren, verbunden mit der Prognose des zukünftig stärkeren Wachstums der Großstädte unter einer Million Einwohner. Nach den Aussagen der Neuen Ökonomischen Geographie wird der Bevölkerungsrückgang der kleinen Städte und Siedlungen vor allem in den peripheren Regionen Russlands weiter anhalten. Im Norden und im Fernen Osten manifestiert sich diese Entwicklung darin, dass zahlreiche Siedlungen bereits aufgegeben wurden. Allerdings darf dieser Trend nicht bedenkenlos auf andere Regionen Russlands übertragen werden.

Konzentration als Folge gestiegener Transportkosten?

Die Veränderungen entsprechen den theoretischen Erwartungen insbesondere aus Sicht der Neuen Ökonomischen Geographie, die bei steigenden Kosten des Gütertransports ein stärkeres Wachstum der großen wie auch der zentralen Städte prognostiziert.  Zwar war in den 1990er Jahren die Rückwanderung großer Bevölkerungsteile aus den in sowjetischer Zeit erschlossenen Gebieten im Osten und Norden des Landes eher ein Ergebnis des Zerfalls der Sowjetunion als eines Marktprozesses. Nach der Finanzkrise 1998, die einen Wendepunkt in der wirtschaftlichen Entwicklung bedeutete, hat sich Russland jedoch stärker zu einer Marktwirtschaft entwickelt, die mit anderen Volkswirtschaften mit mittleren Einkommen vergleichbar ist und in diesem Sinn als „normal“ bezeichnet werden kann.  Die Relationen zwischen Größe, zentraler Lage sowie Nord-Ost-Randlage einerseits und den Bevölkerungswachstumsraten der Städte im Zeitraum von 2004 bis 2010 andererseits zeigen, dass auch unter marktwirtschaftlichen Bedingungen die Tendenz zur Konzentration anhält. Dieses Ergebnis könnte auch für westliche Länder Bedeutung erlangen, wenn es (z. B. in Folge eines Anstiegs der Energiepreise) zum Ansteigen der Kosten des Güterverkehrs kommt. Die auch in Deutschland bereits zu beobachtenden Tendenzen des Bevölkerungsrückzugs aus peripheren kleinen Orten wie auch des vermehrten Zuzugs in Ballungsräume würden sich dann verstärken.

Außerdem in diesem Heft

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14th IWH-CIREQ Macroeconometric Workshop: “Forecasting and Big Data“

Katja Drechsel

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 1, 2014

Abstract

Am 2. und 3. Dezember 2013 fand am IWH in Zusammenarbeit mit dem Centre interuniversitaire de recherche en économie quantitative (CIREQ), Montréal, und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg der 14. IWH-CIREQ Macroeconometric Workshop statt. Im Rahmen des Workshops stellten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen europäischer Universiäten und internationaler Organisationen, wie z. B. der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Kommission sowie der spanischen, kanadischen und japanischen Zentralbanken, ihre neuesten Forschungsergebnisse im Bereich makroökonometrischer Modellierung und Prognose unter Berücksichtigung großer und komplexer Datenbanken vor. Auch wurden weitere makroökonomische Themen wie beispielsweise die Wirkung geldpolitischer Schocks oder Wechselkurs-Volatilitäten diskutiert.

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7. Konferenz “Von der Transformation zur europäischen Integration – Ostdeutschland und Mittelosteuropa in der Forschung des IWH“ – ein Bericht

Gerhard Heimpold Anne Löscher

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 1, 2014

Abstract

Am 16. Dezember 2013 fand am IWH die Konferenz „Von der Transformation zur europäischen Integration – Ostdeutschland und Mittelosteuropa in der Forschung des IWH“ statt. Den Eröffnungsvortrag hielt der Minister für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt, Hartmut Möllring, zum Thema „Internationalisierungsstrategie für Sachsen-Anhalt: Ziele, Umsetzung und künftige Handlungsbedarfe“. In den darauf folgenden Vorträgen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des IWH wurden Befunde über die Internationalisierung des FuEStandortes Deutschland, die Umsetzung des europäischen Fiskalpakts und der deutschen Schuldenbremse, die Konjunkturentwicklung in Ostdeutschland und über die Auswirkungen der Preisliberalisierung auf das Städtesystem Russlands präsentiert. Den Abschluss bildete ein Podiumsgespräch mit Persönlichkeiten aus Unternehmen der Region und der Wissenschaft zum Thema: „Ostdeutsche Mittelständler auf Erfolgskurs in Europa – Was steckt dahinter?“

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Binnenwirtschaft trägt Konjunktur in Deutschland

Arbeitskreis Konjunktur des IWH

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 1, 2014

Abstract

In diesem Artikel wird die Konjunkturprognose des IWH vom 12. Dezember 2013 zusammenfassend dargestellt. Die Weltwirtschaft dürfte im Jahr 2014 in moderatem Tempo expandieren. Die wirtschaftliche Erholung im Euroraum bleibt schleppend. In Deutschland setzt sich dagegen der im Frühjahr 2013 begonnene Aufschwung fort. Er wird von der binnenwirtschaftlichen Nachfrage getragen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im Jahr 2014 um 1,8% (66%-Prognoseintervall: 1,0% bis 2,7%) zulegen, nach 0,4% im Jahr 2013. Die Arbeitslosenquote sinkt leicht auf 6,5%, die Verbraucherpreise steigen wie schon 2013 um 1,5%. Der Finanzierungssaldo des Staates nimmt konjunkturbedingt noch etwas zu, auf 0,3% im Jahr 2014.

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Kommentar: Die Halbwertszeit von Superstars ist kurz – nicht nur in der Unterhaltungsbranche!

Oliver Holtemöller

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 1, 2014

Abstract

Jüngst fand eine wissenschaftliche Studie mit dem Titel „From Sick Man of Europe to Economic Superstar: Germany’s Resurgent Economy“ große Aufmerksamkeit in den Medien. Tatsächlich ist die ökonomische Entwicklung in Deutschland gegenwärtig „super“: Das Produktionspotenzial ist normal ausgelastet, die Inflationsrate ist niedrig, und die Erwerbstätigkeit befindet sich auf einem Rekordhoch. Ein Superstar zu sein, muss allerdings nicht von Dauer sein. Jene aus dem Fernsehen sind meist nach kurzer Zeit vergessen. Ähnlich könnte es auch mit der ökonomischen Lage in Deutschland sein. Wenn sich Unternehmen und Politik nicht laufend den neuen Herausforderungen stellen, kann der Superstar schnell wieder abstürzen.

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IWH-Bauumfrage im vierten Quartal 2013: Baukonjunktur hält sich auf hohem Niveau

Brigitte Loose

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 1, 2014

Abstract

Das Geschäftsklima zum Jahresende 2013 bezeichnen die knapp 300 vom IWH befragten Bauunternehmen weiterhin als außerordentlich gut. So verharrt die Geschäftslage bei einem vergleichsweise milden Winterwetter auf einem Niveau, das bisher nur während des Baubooms Anfang der 1990er Jahre, während des mäßigen Winters zum Jahreswechsel 2011/2012 sowie im Herbst dieses Jahres erreicht wurde. Die Bauproduktion und auch die Liquiditätsausstattung wurden von den Unternehmen sogar höher als im Quartal zuvor bewertet, die Baupreise blieben dagegen in etwa stabil.

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IWH-Industrieumfrage im vierten Quartal 2013: Ostdeutsche Industrie weiterhin zuversichtlich

Cornelia Lang

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 1, 2014

Abstract

Am Jahresende 2013 florieren die Geschäfte im Verarbeitenden Gewerbe Ostdeutschlands. Das zeigen die Ergebnisse der IWH-Industrieumfrage unter knapp 300 Unternehmen. Der Saldo der aktuellen Lagebewertung hat sich gegenüber dem Vorquartal geringfügig erhöht. Und auch die Geschäftsaussichten, die bereits im September einen Aufwärtsschub erfahren hatten, verbesserten sich nochmals leicht. Der Niveauunterschied zwischen der Beurteilung der Geschäftslage und den Erwartungen hat sich weiter erhöht. Beide Komponenten liegen deutlich über dem langjährigen Mittel.

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