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IWH-Flash-Indikator II. und III. Quartal 2026

Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Quartal 2026 um 0,3% zugelegt, nach 0,2% im Schlussquartal 2025. Getragen wurde dieser Zuwachs vor allem von staatlichen und privaten Konsumausgaben sowie von den Exporten. Im Verlauf des Quartals hat sich die wirtschaftliche Stimmung jedoch deutlich eingetrübt. Der Iran‑Konflikt und die stark gestiegenen Rohöl‑ und LNG‑Preise, die aus den zeitweiligen Einschränkungen der Transportwege durch die Straße von Hormus sowie Schäden an der Energieinfrastruktur in den Golfstaaten resultieren, belasten die Weltwirtschaft, stören Lieferketten und wirken dämpfend auf die deutsche Konjunktur. Die aktuellen Indikatoren sprechen daher für eine vorübergehende Abschwächung (vgl. Abbildung 1). Nach dem IWH‑Flash‑Indikator dürfte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 nur leicht um 0,1% zulegen, bevor im dritten Quartal wieder eine etwas kräftigere Zunahme um 0,3% zu erwarten ist.

11. Mai 2026

Autoren Katja Heinisch Oliver Holtemöller Axel Lindner Birgit Schultz

Die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland hat sich im Verlauf des ersten Quartals 2026 deutlich eingetrübt, und auch die Industrieproduktion ist gegenüber dem Vorquartal deutlich zurückgegangen. Zwar legte das Bruttoinlandsprodukt noch um 0,3 % zu, doch die infolge des Iran‑Konflikts stark gestiegenen Öl‑ und LNG‑Preise bremsten die konjunkturelle Dynamik bereits. Die Energieimportpreise lagen im März laut Destatis rund 33,6 % über dem Vormonat und haben die ohnehin angespannte Kostenlage vieler Unternehmen verschärft. Gleichzeitig haben sich die Finanzierungsbedingungen weiter verschlechtert. Im Bank Lending Survey berichten die befragten Banken von einer erneuten Verschärfung der Kreditvergabestandards, was Investitionen zusätzlich bremst. 

„Die Lage in der deutschen Industrie bleibt angespannt“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des Leibniz‑Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). „Die weltwirtschaftliche Entwicklung ist derzeit von erheblichen Unsicherheiten geprägt, unter anderem durch geopolitische Konflikte und volatile Energiepreise. Dies beeinträchtigt die Planungssicherheit für Unternehmen. Für eine nachhaltige Erholung sind stabile und verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend, damit sich Unternehmen an die veränderten globalen Bedingungen anpassen können.“ 

Zwar sind die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im März besonders aus dem Ausland recht deutlich gestiegen, und auch der Early-Bird-Indikator der Commerzbank legte im April deutlich zu. Frühindikatoren wie das ifo Geschäftsklima und der HCOB Einkaufsmanagerindex signalisieren jedoch eine deutliche Verschlechterung der Erwartungen in allen Wirtschaftsbereichen. Auch die Exportaussichten haben sich durch die höheren Energiepreise und die schwächere globale Nachfrage weiter eingetrübt, besonders in der Investitionsgüterindustrie. Vor diesem Hintergrund passen viele Unternehmen ihre Entscheidungen an die veränderten Rahmenbedingungen an. Befragungen wie die DIHK‑Konjunkturumfrage zeigen, dass bei der Prüfung von Produktionsverlagerungen vor allem das Kostenmotiv im Vordergrund steht. Darüber hinaus deuten verschiedene Unternehmensbefragungen darauf hin, dass Investitionen derzeit zurückhaltender geplant werden und Unternehmen ihre Kapazitäten vorsichtig disponieren. Insgesamt trägt dies dazu bei, dass die Investitionstätigkeit verhalten bleibt. 

Auch die privaten Haushalte geraten durch die gestiegenen Energiepreise zunehmend unter Druck. Die höheren Kosten für Heizenergie und Kraftstoffe haben die Inflation im April auf 2,9% steigen lassen und die reale Kaufkraft geschmälert. Nach einer kurzen Stabilisierung zu Jahresbeginn haben sich die Konsumindikatoren seit März wieder verschlechtert. Das GfK Konsumklima und das HDE‑Konsumbarometer zeigen eine zunehmende Zurückhaltung. Zusätzliche Belastungen ergeben sich durch den fortgesetzten Abbau gut entlohnter Industriearbeitsplätze, der zuletzt nicht mehr durch Beschäftigungsaufbau im Dienstleistungssektor kompensiert werden konnte. 

Für eine Einschätzung der weltwirtschaftlichen Lage muss sich der Blick zunächst auf die Blockade der Straße von Hormus und den durch sie verursachten Ölpreisanstieg richten. Im April kostete ein Barrel Erdöl der Sorte Brent über 100 US-Dollar, über 50% mehr als vor einem Jahr, und eine Vielzahl von Produkten der Petrochemie droht knapper zu werden. Dessen ungeachtet ist die Weltkonjunktur im Verarbeitenden Gewerbe nach wie vor stark. Das zeigen nicht nur die Zahlen zur Produktion und zum Außenhandel, die bis Februar bzw. März vorliegen, sondern auch die Stimmungsdaten aus Unternehmensumfragen, die es schon für den April gibt. Treiber der Konjunktur ist der KI-Boom. Von ihm kommt die hohe Nachfrage nach digitaler Hardware, von der insbesondere Südkorea und Taiwan profitieren. Weiterhin stark expandieren die Exporte Chinas, dessen Produktion im ersten Quartal um kräftige 1,3% zulegte. In den USA hat die Produktion mit 0,5% nur mäßig zugelegt. Der Konsum amerikanischer Haushalte wird von Inflationssorgen gedämpft, während die starke Expansion der Ausrüstungsinvestitionen wiederum KI-getrieben ist. Im Euroraum hat der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal nur 0,1% betragen. Unabhängig davon herrscht an den Finanzmärkten bemerkenswerter Optimismus: Die Einbrüche der Aktienkurse beim Ausbruch des Iran-Kriegs sind vielfach wieder wettgemacht, und der MSCI World-Aktienindex liegt Anfang Mai höher als vor Ausbruch des Kriegs. Offensichtlich herrscht an den Finanzmärkten die Einschätzung vor, dass die Blockade der Straße von Hormus im Lauf des Sommers aufgegeben wird. Ob sich diese Einschätzung als richtig erweist, wird für den weiteren Verlauf der Weltkonjunktur entscheidend sein. 

Der IWH-Flash-Indikator basiert auf einer Vielzahl von Einzelindikatoren, die sowohl realwirtschaftliche Größen als auch Stimmungsindikatoren umfassen. Abbildung 2 zeigt die Verteilung all dieser auf jeweils einem Indikator basierenden Prognosen für die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts für das zweite und dritte Quartal 2026. Alles in allem signalisiert der IWH-Flash-Indikator für das zweite Quartal 2026 eine Zunahme des BIP um 0,1% und im dritten Quartal um 0,3%.

[Die Zeitreihe mit den historischen Daten des Flash-Indikators sowie eine Beschreibung der Methodik finden Sie im Download-Bereich.]

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