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IWH-Flash-Indikator III. und IV. Quartal 2026

Die deutsche Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2026 erneut leicht zugelegt. Das Bruttoinlandsprodukte nahm um 0,2% zu, nachdem es bereits zu Jahresbeginn um 0,4% expandiert hatte. Getragen wurde dieser Zuwachs vor allem von den Exporten. Die Konsumausgaben nahmen lediglich verhalten zu und die Investitionen gingen zurück. Auch im dritten Quartal bleiben die konjunkturellen Risiken hoch. So sorgt der Iran-Konflikt weiterhin für volatile Energiepreise. Zugleich beeinträchtigt das historische Niedrigwasser an Rhein, Elbe und Donau gegenwärtig den Transport erheblich und dürfte damit die Produktion belasten. Dem entgegen stehen kräftige Zuwächse bei den genehmigten Rüstungsexporten. Insgesamt sprechen die aktuellen Indikatoren für eine Fortsetzung der Erholung (vgl. Abbildung 1). Nach dem IWH-Flash-Indikator dürfte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2026 um 0,3% zulegen. Für das vierte Quartal zeichnet sich eine schwächere Dynamik ab.

11. August 2026

Autoren Katja Heinisch Oliver Holtemöller Axel Lindner Birgit Schultz

Die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland hat sich zuletzt etwas aufgehellt: Die Industrieproduktion nahm im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,2% zu; im weniger volatilen Dreimonatsvergleich lag der Zuwachs sogar bei 0,7%. Auch die Auftragsein-gänge stiegen im Juni kräftig, vor allem für Investitionsgüter aus dem Nicht-Euroraum. Die Exporte, die bereits im zweiten Quartal deutlich ausgeweitet wurden, dürften dabei wohl auch vom Anstieg der Rüstungsexporte profitiert haben. So lagen die staatlich erteilten Genehmigungen für Rüstungsexporte im ersten Halbjahr mit 13,9 Mrd. Euro bereits über dem Gesamtjahreswert von 2025 in Höhe von rund 12 Mrd. Euro. Von den Rüstungsexporten dürften somit auch in den kommenden Monaten Impulse für die Ausfuhren ausgehen. 

Auch die Unternehmensumfragen deuten auf eine etwas günstigere Entwicklung hin. Die im Rahmen des S&P Global Einkaufsmanagerindex Deutschland (EMI) befragten Unternehmen berichteten im Juli von einem kräftigen Produktionsanstieg, zu dem auch höhere Exportumsätze beitrugen. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg im Juli den dritten Monat in Folge, wobei sich insbesondere die Geschäftserwartungen verbesserten. Zugleich rechnen die Kreditinstitute laut Bank Lending Survey damit, ihre Kreditrichtlinien in den kommenden drei Monaten weitgehend unverändert zu lassen. Die Rahmenbedingungen für Unternehmensinvestitionen dürften sich damit zuletzt etwas verbessert haben. 

Bei den privaten Haushalten zeichnet sich dagegen bislang keine vergleichbare Aufhellung ab. Die gestiegenen Energiepreise – auch durch das Auslaufen des Tankrabatts – ließen die Inflationsrate im Juli auf 2,8% steigen und belasteten damit die reale Kaufkraft. Entsprechend bleibt die Konsumentenstimmung gedämpft. Nach einer leichten Stabilisierung im Frühsommer ging das GfK Konsumklima für August erneut zurück; auch das HDE-Konsumbarometer gab leicht nach. Hinzu kommt die weiterhin schwache Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Erwerbstätigkeit ist rückläufig, und die Arbeitslosigkeit nahm im Juli wieder etwas zu. Auch die Unsicherheit über anstehende Reformen, etwa im Gesundheitswesen, dürfte die Konsumfreude der privaten Haushalte derzeit belasten. 

„Kurzfristig profitieren die Unternehmen von den gestiegenen Exporten. Eine grund-legende Entspannung der wirtschaftlichen Lage zeichnet sich jedoch noch nicht ab. Anstehende Umstrukturierungen und ein weiterer Beschäftigungsabbau dürften die Unternehmen auch in den kommenden Monaten belasten“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des Leibniz‑Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). „Hinzu kommen kurzfristige Belastungen wie das Niedrigwasser an Rhein, Elbe und Donau, das Transporte erschwert und Lieferketten beeinträchtigt.“ 

Die internationale Konjunktur wird durch die erneute Blockade der Straße von Hormus belastet. Seit Wiederaufflammen des Konflikts Anfang Juli ist der Ölpreis (Brent) von 70 auf gegenwärtig etwa 90 US-Dollar gestiegen. Der höhere Ölpreis wird in den meisten Ländern auf die Verbraucherpreise durchschlagen und die Konsumentenstimmung belasten. Dass die Energiepreise nicht noch deutlich höher sind, erklärt sich aus der Erwartung der Märkte, dass die Straße in den kommenden Monaten zumindest teilweise wieder geöffnet werden wird. Die Unternehmensstimmung im Verarbeitenden Gewerbe ist gemessen an den PMI-Indizes im Jahresverlauf weltweit deutlich gestiegen. Grund ist der weiter anhaltende KI-Boom. Auf ihn gehen die starken Ausrüstungsinvestitionen vor allem in den USA zurück, von denen insbesondere ostasiatische Exporteure profitieren. Vor allem die Halbleiterbranche boomt, aber auch andere Produzenten des Verarbeitenden Gewerbes profitieren, so etwa vom vielerorts beschleunigten Ausbau der Energieinfrastruktur. Erste Schätzungen für die Produktion im zweiten Quartal fielen in den großen Wirtschaftsräumen allerdings gemischt aus: In den USA war der Zuwachs mit 0,4% scheinbar enttäuschend, allerdings ist die private Konsum- und Investitionsnachfrage dort weiter robust. Im Euroraum expandierte die Wirtschaft ebenfalls um 0,4%, wovon allerdings reichlich ein Zehntel Prozentpunkt vom volatilen irischen Bruttoinlandsprodukt kommt. In China bedeutete der Zuwachs von 0,9% eine deutliche Verlangsamung der Dynamik gegenüber dem Vorquartal. Einmal mehr steht dahinter die Schwäche der chinesischen Binnennachfrage. Alles in allem bleibt die Weltkonjunktur aber aufgrund des KI-Booms weiter deutlich aufwärtsgerichtet, trotz der Risiken wegen des anhaltenden Golfkonflikts. Weiterhin recht optimistisch sind auch die Finanzmärkte. Der starke Anstieg der Aktienkurse vom Frühjahr setzte sich im Sommer zwar nicht fort, die hohen Kursniveaus konnten aber in der Regel behauptet werden. 

Der IWH-Flash-Indikator basiert auf einer Vielzahl von Einzelindikatoren, die sowohl realwirtschaftliche Größen als auch Stimmungsindikatoren umfassen. Abbildung 2 zeigt die Verteilung all dieser auf jeweils einem Indikator basierenden Prognosen für die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts für das dritte und vierte Quartal 2026. Alles in allem signalisiert der IWH-Flash-Indikator für das dritte Quartal 2026 eine Zunahme des BIP um 0,3% und im vierten Quartal um 0,1%.

[Die Zeitreihe mit den historischen Daten des Flash-Indikators sowie eine Beschreibung der Methodik finden Sie im Download-Bereich.]

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