Rückblick auf den 11. FIN-FIRE-Workshop „Challenges to Financial Stability“
Im September 2025 reisten Finanzökonomen aus aller Welt zum elften Mal nach Halle, um am jährlichen FIN-FIRE-Workshop am IWH teilzunehmen. Zwei Tage lang gaben die Autoren von zehn Beiträgen einen umfassenden Überblick über aktuelle Themen, die potenzielle Herausforderungen für das Finanzsystem darstellen, z. B. mangelnden Datenschutz bei der Vergabe von Immobilienkrediten, Unsicherheiten in Anleihemärkten aufgrund von Klimarisiken, Intransparenz bei synthetischen Risikotransferprodukten, die Auswirkungen geopolitischer Risiken auf die Kreditvergabe sowie granulare Friktionen bei der Transmission geldpolitischer Maßnahmen. Ein intensiver Gedankenaustausch zwischen Autoren, Ko-Referenten und Plenum führte zu neuen Erkenntnissen über die Widerstandsfähigkeit und Fragilität unserer Finanzsysteme.
07. Januar 2026
https://doi.org/10.18717/ww0jtx-fr12
Inhalt
Seite 1
Keynote von Itay GoldsteinSeite 2
Synthetische Risikotransfers, ethnisch bedingte Kreditdiskriminierung Auf einer Seite lesenEin besonderer Höhepunkt der Konferenz war der Vortrag von Itay Goldstein, Professor an der Wharton School der University of Pennsylvania, Direktor der American Finance Association und der Western Finance Association und Experte für Bankenkrisen. Professor Goldstein erläuterte, wie sich gegenseitig verstärkende Handlungen von Finanzmarktakteuren die Fragilität des Finanzsystems untergraben können. Die US-Bankenkrise von 2023 und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit unterstreichen die Aktualität des Themas Finanzkrisen, das 2022 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gewürdigt wurde.
Die Fristentransformation von (kurzfristigen) Einlagen und (langfristigen) Krediten, welche dem Geschäftsmodell von Banken zugrunde liegt, birgt Liquiditätsrisiken für den Finanzsektor. Sobald die Leistungskraft von Banken hinter den Erwartungen zurückbleibt, kann die Fristendifferenz von Aktiva und Passiva Einleger dazu bringen, Einlagen abzuziehen, was das Illiquiditätsrisiko erhöht und so zum Zusammenbruch des Bankensystems führen kann. Dieser Effekt kann durch strategische Komplementaritäten noch verstärkt werden und zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Der Grund ist, dass Anleger zunehmend geneigt sind Einlagen abzuheben, wenn sie erwarten, dass andere Anleger dasselbe tun.
Goldstein lieferte Belege dafür, dass ein höheres Maß an Fristentransformation Banken empfindlicher gegenüber dem Abfluss nicht versicherter Einlagen macht, wenn sie schlechte Ergebnisse erzielen. In welcher Höhe Einlagen abfließen, hängt also nicht nur von fundamentalen Werten ab, sondern kann auch durch Panik der Einleger verstärkt werden, die wiederum durch die Liquiditätsstruktur der Banken getrieben wird. Strategische Komplementaritäten betreffen nicht nur Banken, sondern gefährden auch Investmentfonds. Offen bleibt, ob deren derzeitige Regulierung wirksam ist oder verbessert werden muss, um strategische Komplementaritäten zu reduzieren.