cover_iwh-studies_2026-01_de.jpg

Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien trotz positiver Arbeitsmarktentwicklung: Welche Rolle spielen ökonomische Faktoren?

Der vorliegende Beitrag untersucht treibende Kräfte für rechtspopulistisches Wahlverhalten (gemessen über den Stimmenanteil der Partei Alternative für Deutschland) in Wahlen zum Deutschen Bundestag zwischen 2013 und 2025. Die Studie legt einen besonderen Fokus auf Determinanten mit Arbeitsmarktbezug, da sich diese mit Maßnahmen der Wirtschaftspolitik beeinflussen lassen. 

31. August 2026

Autoren Philipp Grunau Florian Hoffmann Mirko Titze

Die wichtigsten Punkte im Überblick

Rechtspopulistische Parteien haben in fast allen westlichen Demokratien in den letzten Jahren große Wahlerfolge erzielt. Im gesellschaftlichen Diskurs wächst daher die Sorge, dass dies negative Einflüsse auf gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Prozesse und die wirtschaftliche Entwicklung haben könnte. 

Es gibt daher einen großen Bedarf an evidenzbasierten Erkenntnissen zu den treibenden Kräften des Erstarkens rechtspopulistischer Parteien. Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf arbeitsmarktrelevanten Determinanten, denn diese können durch die Wirtschaftspolitik direkt beeinflusst werden. 

Bislang ist die Evidenzlage zu dieser Frage keineswegs eindeutig. Während für einzelne Wahlen eine Korrelation zwischen sozio-ökonomischer Schwäche und rechtspopulistischem Wahlverhalten besteht, ist in Deutschland über die Zeit der Stimmenanteil für die AfD insbesondere in jenen Regionen stark gestiegen, die auf eine überaus positive Entwicklung ihrer Arbeitsmärkte zurückschauen können, etwa in Ostdeutschland. Dieser scheinbare Widerspruch wird oft als Evidenz interpretiert, dass ökonomische Faktoren für den Erfolg der AfD von untergeordneter Bedeutung sind. 

Die vorliegende Untersuchung zeigt für die Bundestagswahlen zwischen 2013 und 2025, dass sich dieser Widerspruch auflösen lässt, wenn man neben einer reinen Betrachtung im Längsschnitt zusätzlich Aspekte im Querschnitt berücksichtigt. Demnach sind es vor allem die historisch langfristigen Niveauunterschiede und weniger die kontemporären Änderungen der regionalen Arbeitslosenquote, die mit dem AfD-Stimmenanteil zusammenhängen. 

Insbesondere für die Jahre 2013 bis 2021 zeigen die Analysen, dass strukturschwache Regionen einen im bundesdeutschen Vergleich relativ starken Rückgang in der Arbeitslosenquote erfahren haben – ein Ergebnis, das in der öffentlichen Debatte bislang wenig Beachtung findet. Dabei handelt es sich um genau jene Regionen, in denen der AfD-Wahlanteil besonders stark gestiegen ist. Dies führt in statistischen Längsschnittmodellen zu einem negativen Zusammenhang zwischen den Veränderungen von Arbeitslosenquote und dem AfD-Stimmenanteil. 

Obwohl der Niveauunterschied in der Arbeitslosenquote zwischen strukturschwachen und -starken Regionen gesunken ist, gab es keine vollständige Anpassung: Strukturschwache Regionen haben ihre relative Position über den gesamten Beobachtungszeitraum beibehalten. Diese Ergebnisse bleiben robust, wenn für die Einflüsse anderer Faktoren auf den AfD-Wahlanteil, etwa Altersstruktur, durchschnittliches Bildungsniveau und den Ausländeranteil kontrolliert wird. Das gilt auch für den Vergleich zwischen Gemeinden innerhalb eines Kreises. 

Unsere Ergebnisse implizieren, dass für den Erfolg der AfD die langfristige relative sozio-ökonomische Position einer Gemeinde innerhalb eines gesamtdeutschen Vergleichs eine wichtige Rolle spielt. Wirtschaftspolitische Maßnahmen werden nur dann eine maßgebliche Wirkung erzielen, wenn sie einen starken strukturellen und langfristig positiven Einfluss auf die Lage am Arbeitsmarkt haben und wenn sie mit einer Verbesserung der relativen Lage einhergehen. 

Mittlerweile gibt es eine weitreichende Literatur zu „places that don't matter“, die in persistenten regionalen Entwicklungsunterschieden eine treibende Kraft hinter der Unterstützung für rechtspopulistische Parteien sieht. Hieran könnte Regionalpolitik direkt ansetzen. Die Forschung zu den Effekten von Regionalpolitik auf rechtspopulistisches Wahlverhalten steckt allerdings gerade erst in den Anfängen. Hier bedarf es unbedingt umfassender evidenzbasierter Untersuchungen.

Ihr Kontakt

Für Wissenschaftler/innen

PD Dr. Mirko Titze
PD Dr. Mirko Titze
Leitung CEP

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

+49 345 7753-861 Anfrage per E-Mail

Für Journalistinnen/en

Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft LogoTotal-Equality-LogoGefördert durch das BMWK