Verdeckte Arbeitslosigkeit in West- und Ostdeutschland: Die Bedeutung der stillen Reserve
Lioba Trabert
Wirtschaft im Wandel,
Nr. 1,
1997
Abstract
In Ost- und Westdeutschland kann noch immer nicht von einem einheitlichen Arbeitsmarkt gesprochen werden. Ein Vergleich der beiden Teilarbeitsmärkte allein auf Basis der Arbeitslosenquote gibt daher nur ein unvollständiges Bild wieder. Neben der offenen gibt es einen quantitativ bedeutsamen Umfang verdeckter Arbeitslosigkeit in Form arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen sowie der Stillen Reserve. Die Stille Reserve umfaßt alle Personen, die eine Beschäftigung suchen, aber in der amtlichen Arbeitsmarktstatistik nicht registriert sind. Während in Ostdeutschland der Aufbau einer Stillen Reserve bisher kaum stattgefunden hat, arbeitsmarktpolitische Programme hingegen eine vorherrschende Position einnehmen, ist es in Westdeutschland eher umgekehrt. Hier erreicht die Stille Reserve – je nach Abgrenzung –ein Volumen von rund 600.000 bis 2,2 Millionen Personen. Auch wenn die Stille Reserve ihrem Ausmaß nach und hinsichtlich der Wiederbeschäftigungschancen nicht die gleiche Bedeutung wie die offene Arbeitslosigkeit erlangt, stellt sie – wie auch der Umfang arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen – ein wichtiges Element zur Quantifizierung des Arbeitsmarktungleichgewichts dar. Allzuoft wird in wirtschafts- und beschäftigungspolitischen Fragestellungen vernachlässigt, daß die verdeckte Arbeitslosigkeit ein zusätzliches Arbeitsangebotspotential darstellt und deswegen ein Zuwachs an Beschäftigung nicht zwangsläufig mit der Reduzierung der offenen Arbeitslosigkeit verbunden ist.
Artikel Lesen
Was ist die D-Mark im Osten Deutschlands wert?
Ruth Grunert
Wirtschaft im Wandel,
Nr. 1,
1997
Abstract
Der Aufsatz untersucht die Entwicklung der relativen Kaufkraft der privaten Haushalte in Ostdeutschland im Vergleich zu Westdeutschland von 1991 bis 1995. Für einen gleich hohen Verbrauch von Waren und Dienstleistungen in Höhe von 100 D-Mark in Westdeutschland brauchten die Privathaushalte in Ostdeutschland im Jahr 1991 nur rund 76 DM auszugeben, im Jahr 1995 mussten sie dafür bereits 91 DM aufwenden. Dieser regionale Unterschied der relativen Kaufkraft ist hauptsächlich auf bestehende Subventionen für Waren und Dienstleistungen mit staatlich administrierten Verbraucherpreisen in den neuen Bundesländern zurückzuführen.
Artikel Lesen
Geringfügige Erwerbstätigkeit - empirische Ergebnisse und Überlegungen zur Einführung einer Sozialversicherungspflicht
Jürgen Kolb, Lioba Trabert
Wirtschaft im Wandel,
Nr. 4,
1996
Abstract
Mit über drei Millionen ausschließlich geringfügig Erwerbstätigen ist diese Form atypischer Arbeitsverhältnisse ein nicht unwesentlicher Bestandteil des deutschen Arbeitsmarktes. Dabei zeigen die Untersuchungsergebnisse, daß Haushalte, in denen geringfügig Erwerbstätige leben, ein relativ niedriges Einkommen haben. Der Verdienst aus dieser Erwerbstätigkeit ist daher häufig mehr als nur ein kleines Zubrot. Ein möglicher Einkommensverlust durch die Einführung einer Sozialversicherungspflicht ist aus diesem Grund nicht unproblematisch.
Artikel Lesen
Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der westdeutschen Industrie - kein einheitliches Bild
Jacqueline Rothfels
Wirtschaft im Wandel,
Nr. 4,
1996
Abstract
Anhand von Welthandelsanteilen und dem RCA-Index wird die Entwicklung der Wettbewerbsposition der westdeutschen Industrieunternehmen untersucht. Dabei ergibt sich auf Ebene der verschiedenen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes eine differenzierte Entwicklung.
Artikel Lesen
Pendlersaldo und Arbeitsplatzdefizit in Ostdeutschland
Anja Landwehrkamp
Wirtschaft im Wandel,
Nr. 15,
1996
Abstract
In Statistiken zur Unterbeschäftigung in Ostdeutschland wird häufig auch der hohe Pendlersaldo mitgerechnet. An dem so definierten „Arbeitsplatzdefizit" hatte der Pendlersaldo beispielsweise 1995 einen Anteil von immerhin einem Sechstel. Ohne deswegen die Situation beschönigen zu wollen, muß die Einbeziehung des Pendlersaldos in die Unterbeschäftigung als fragwürdig angesehen werden. Der weitaus größte Teil der statistisch ausgewiesenen Pendlermobilität zwischen Ost und Westdeutschland besteht aus kleinräumigen Bewegungen in der Region Berlin und entlang der ehemaligen Zonengrenze. Der Pendlersaldo reflektiert daher eher den Verlauf geographischer Grenzen als einen substantiellen Arbeitsplatzmangel. Werden ostdeutsche Pendler- und Wanderungsbewegungen in Relation zur Erwerbsbeziehungs- beziehungsweise Wohnbevölkerung gesetzt, zeigt sich in beiderlei Hinsicht eine im Vergleich zu Westdeutschland eher unterdurchschnittliche Mobilität. Die Unterbeschäftigung unter Einbeziehung des Pendlersaldos stellt insofern eine überzogene Norm für die Zahl fehlender Arbeitsplätze dar.
Artikel Lesen