Soziale Mobilität

Mehr Chancen für alle

Dossier

 

Auf den Punkt

Für den Bildungserfolg ist es nicht entscheidend, was ein Kind kann, sondern woher es kommt. Welchen Schulabschluss ein Kind macht, ob es beruflich erfolgreich wird und was es verdienen wird, hängt in Deutschland noch immer vor allem von der sozialen Herkunft ab. Es braucht mehr Durchlässigkeit im deutschen Schulsystem, damit jedes Kind die gleichen Chancen hat. Denn Bildung ist ein Schlüssel, und zwar in vielerlei Hinsicht.

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Potenziale nutzen

Mehr Bildung führt zu mehr sozialer Mobilität – und damit zu wichtigen wirtschaftlichen Ressourcen. Wo sie fehlt, straucheln ganze Generationen und Wirtschaftsräume. Aufholende Staaten müssen zentral in ihr Humankapital investieren, um nicht in der „Middle-Income-Trap“ zu landen, wie unser Dossier Ostdeutschland zeigt. Bundesländer wie Sachsen-Anhalt müssen ihren Fokus stärker auf den Bildungssektor richten, um zukunftsfähig zu bleiben.

Für die einzelne Person braucht es Grundlagen, die einen Aufstieg ermöglichen bzw. den Abstieg vermeiden – auch, um dem Phänomen Arbeitslosigkeit zu begegnen. Denn Arbeitslosigkeit ist vererbbar, wie Steffen Müller herausfand. In diesem Zusammenhang kommt er zu interessanten Erkenntnissen: Während für Söhne die Arbeitslosigkeit eines deutschen Vaters oftmals zu eigener Arbeitslosigkeit führt, trifft diese Regel auf die Söhne von Migranten nicht zu. Die soziale Mobilität zwischen den Generationen scheint in diesen Familien also größer zu sein. Kinder von gut ausgebildeten Vätern werden außerdem weniger häufig und weniger lang arbeitslos. Außerdem besteht ein Unterschied zwischen Söhnen und Töchtern: Mädchen, deren Vater arbeitslos ist, werden sogar angespornt, in ihre Bildung zu investieren.

Wenn von Bildung gesprochen wird, hat gerade die Finanzbildung einen wichtigen Stellenwert. Dabei geht es nicht nur um nachhaltige Geldanlagen oder die Vorsorge fürs Alter. Die Implikationen sind auch in Bereichen des Arbeitsmarkts spürbar: Wer sich besser mit Finanzen auskennt, wird häufiger selbstständig. Innovatives Unternehmertum ist wichtig für die Wirtschaftskraft eines Landes, umgekehrt hat ein Unterlegenheitsgefühl auch negative Folgen: Ob jemand fremdenfeindlich wird, hängt auch von der eigenen gefühlten finanziellen Situation ab.

Publikationen zum Thema "Soziale Mobilität"

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Niedrige Soziale Mobilität in Deutschland: Wo liegen die Ursachen?

Thomas Brockmeier Reint E. Gropp

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 4, 2017

Abstract

Weiterhin gilt in Deutschland: Für den Bildungserfolg ist es nicht entscheidend, was ein Kind kann, sondern woher es kommt. Die soziale Herkunft eines Kindes bestimmt in hohem Maße dessen Bildungsniveau, beruflichen Erfolg und Einkommen. Eine Untersuchung des Statistischen Bundesamts vom letzten Jahr zeigt, dass 61% der unter 15-Jährigen, deren Eltern selbst einen hohen Bildungsabschluss haben, 2015 ein Gymnasium besuchten, während dies nur für 14% der Jugendlichen aus Familien mit niedrigem Bildungsabschluss gilt. Empirische Studien belegen: Kinder mit einem bildungsfernen Familienhintergrund können in Deutschland nur mit einer deutlich niedrigeren Wahrscheinlichkeit als etwa in skandinavischen Ländern (Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden) und einer ähnlich hohen Wahrscheinlichkeit wie in den USA sozial aufsteigen.

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