IWH-Insolvenztrend: Zahl der Insolvenzen stagniert im Februar auf niedrigem Niveau

Die Zahl der Insolvenzen hat sich im Februar 2021 auf niedrigem Niveau stabilisiert. Trotz langanhaltendem Lockdown rechnet das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) auch für die kommenden Monate nicht mit hohen Insolvenzzahlen. Das IWH liefert mit dem IWH-Insolvenztrend ein monatliches Update zum bundesweiten Insolvenzgeschehen.

Autoren Steffen Müller

Nach einem spürbaren Anstieg im Dezember und einem Rückgang im Januar 2021 hat sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Februar auf niedrigem Niveau stabilisiert. Laut IWH-Insolvenztrend wurden im Februar 715 Personen- und Kapitalgesellschaften als insolvent gemeldet. Damit lagen die Insolvenzen im Februar um 4% über den Januarzahlen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Zahl der Insolvenzen um 21%.

Die Analyse des IWH zeigt, dass die größten 10% der Unternehmen, deren Insolvenz im Februar gemeldet wurde, insgesamt etwa 8 250 Personen beschäftigen. Zwar waren damit im Februar 50% mehr Jobs von Insolvenzen betroffen als im Januar 2021 und 26% mehr als im Februar des Vorjahres. Jedoch lag die Zahl der betroffenen Jobs in den Sommermonaten 2020 um ein Vielfaches höher.

Die Gründe für die weiter niedrigen Insolvenzzahlen sieht der Leiter der Abteilung Strukturwandel und Produktivität und der dort angesiedelten IWH-Insolvenzforschung, Steffen Müller, in einer Mischung aus staatlichen Hilfsmaßnahmen und der teilweisen Aussetzung der Insolvenzantragspflicht auf der einen Seite und einer abwartenden Haltung der Unternehmen auf der anderen Seite. „Zwar ist fraglich, wie lange Unternehmen in besonders betroffenen Branchen noch durchhalten können“, so Müller, „die dramatischen Prognosen einiger Unternehmensbefragungen sind aber bisher nicht in der Insolvenzstatistik angekommen.“ Auch zeigten die Frühindikatoren für die nächsten Monate keinen wesentlichen Anstieg der Insolvenzzahlen bei den Personen- und Kapitalgesellschaften an.

Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben (vgl. Abbildung 3). Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden Einrichtungen auf diesem Themengebiet.

Mehr zur IWH-Insolvenzforschungsstelle und zur Methodik hinter dem IWH-Insolvenztrend: www.iwh-halle.de/insolvenzforschung.

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Zugehörige Publikationen

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Insolvenzen in der Corona-Krise

Steffen Müller

in: IWH Policy Notes, 2, 2021

Abstract

Die Insolvenzzahlen sind trotz Corona-Krise im Jahr 2020 stark gesunken. Diese paradoxe Situation kann in erster Linie durch staatliche Unterstützungsmaßnahmen und abwartendes Verhalten bei den Unternehmen erklärt werden. Die Krise traf die meisten Unternehmen am Ende einer langanhaltenden wirtschaftlichen Boomphase und somit haben viele Unternehmen umfangreiche Reserven aufgebaut, die sie in Erwartung eines Nach-Corona Booms aufbrauchen. Obwohl eine Insolvenzwelle ab Frühjahr nicht auszuschließen ist, ist sie doch eher unwahrscheinlich. Der Staat muss seine Kräfte bündeln um ein Wiederaufflammen der Pandemie nach dem Sommer 2021 zu verhindern und gleichzeitig die Stützungsmaßnahmen bereits im Jahr 2021 beenden, um eine „Zombifizierung“ der Wirtschaft zu unterbinden.

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