EU-Osterweiterung: Strukturfondsmittel unter Berücksichtigung der Verhandlungsmacht der Beitrittsländer

Transfers aus den Struktur- und Agrarfonds der Europäischen Union an die Mitgliedsländer werden offiziell nach ökonomischen Kriterien bemessen, doch hat die langjährige Vergabepraxis den Einfluß politischer Macht auf die Mittelverteilung gezeigt. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der politischen Macht, gemessen an der Stimmenstärke der Länder im EU-Ministerrat, und der Mittelverteilung. Bezüglich der Wirtschaftskraft der Länder ist der Zusammenhang negativ, mit steigender Wirtschaftsleistung sinken die zugewiesenen Mittel. Der machtpolitische Aspekt ist in Berechnungen zu den potentiellen Tranfers an die mittel- und osteuropäischen Beitrittskandidaten bisher kaum berücksichtigt worden. Grundlage der vorgestellten Schätzung von Strukturfondsmitteln ist die bisherige Vergabepraxis. Bei einer Betrachtung zweier Beitrittswellen analog zum geplanten Szenario der Union wird deutlich, daß die Mittelzuweisungen für die später beitretenden Länder erheblich höher als in der ersten Welle sein werden, da sie wirtschaftlich erheblich schwächer sind. Zugleich sinken tendenziell die Mittel für die bereits beigetretenen Länder, da sich die relative Stimmenmacht dieser Länder mit der Aufnahme neuer Länder verringert.

22. September 1999

Autoren Martina Kämpfe

Außerdem in diesem Heft

Aktuelle Trends - Konjunktur in der Europäischen Währungsunion wieder aufwärtsgerichtet

Michael Seifert

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 12, 1999

Abstract

Seit Anfang 1999 veröffentlicht das IWH im vierteljährlichen Abstand einen Frühindikator der Konjunkturentwicklung des Euroraums. Der Indikator, der neben den Auftragseingängen sowie Unternehmer- und Verbraucherumfragen auch die Zinsstruktur berücksichtigt, läuft der tatsächlichen Entwicklung (gegenwärtig approximiert mit Hilfe des Index der Industrieproduktion) um ungefähr ein Quartal voraus und ermöglicht eine Trendprognose der wirtschaftlichen Aktivität.

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Branchenskizze: Ostdeutscher Schiffbau und Schienenfahrzeugbau

Siegfried Beer

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 12, 1999

Abstract

Der Schiffbau und der Schienenfahrzeugbau in Ostdeutschland sind seit der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion erheblich geschrumpft. Ein erheblicher Grund dafür ist der Zusammenbruch des Handels mit der ehemaligen Sowjetunion. Der Umstrukturierungs- und Anpassungsbedarf war dadurch und aus weiteren Gründen höher als in vielen anderen Industriezweigen. Inzwischen zeigen sich beachtliche Fortschritte bei der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der verbliebenen Unternehmen. Sehr dynamisch hat sich der Luft- und Raumfahrzeugbau entwickelt.

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Generelle Verkürzung der Wochenarbeitszeit verdrängt ungelernte Arbeitnehmer

Christian Dreger Jürgen Kolb

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 12, 1999

Abstract

Bei einer Verkürzung der tariflichen Wochenarbeitszeit sind strukturelle Effekte zu erwarten, die sich unter anderem in der Arbeitsnachfrage nach spezifischen Qualifikationen zeigen. Eine generelle Verkürzung der tariflichen Wochenarbeitszeit löst Anpassungen der Arbeitsnachfrage aus, die vor allem zu Lasten ungelernter Arbeit gehen. Damit ergeben sich Be-schäftigungsverluste im Bereich unterer Qualifikationen.

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IWH-Bauumfrage im August 1999: Sommerliche Stimmung im Baugewerbe hält an, Hochbau aber schwächer

Brigitte Loose

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 12, 1999

Abstract

Nach den Ergebnissen der IWH-Bauumfrage im August 1999 hatte die sommerlich gute Stimmung angehalten. Allerdings machte sich eine deutliche Spaltung zwischen den Sparten bemerkbar: Während sich im Tiefbau die Aufwärtsbewegung aufgrund der guten Auftragslage im Straßen- und gewerblichen Tiefbau fortsetzte, stagnierte der Ausbaubereich nach der frühsommerlichen Belebung der Modernisierungsaktivitäten auf dem erreichten hohen Niveau und im Hochbau brach die in den Vormonaten zu beobachtende leichte Entspannung der Situation ab.

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Regionale Effekte von Schocks auf die Euro-Länder: Die Reaktionen der Ausfuhren auf die internationalen Krisen

Michael Seifert

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 12, 1999

Abstract

Die Eintrübung der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen infolge der Währungs- und Finanzkrisen in Asien und in Russland hatte im Verlauf von 1998 bis in das Jahr 1999 hinein zu einem merklichen Rückgang der Ausfuhren der Euro-Länder in diese Regionen geführt, wovon Italien neben Finnland besonders stark betroffen war. Eine regressionsanalytische Untersuchung verdeutlicht hier, dass für die italienischen Ausfuhren in die Krisenregionen eine höhere Exportnachfrageelastizität charakteristisch ist, als beispielsweise für Deutschland oder für Frankreich. Die Ursachen dafür sind vor allem in der Exportgüterangebotsstruktur zu suchen.

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