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IWH-Flash-Indikator I. Quartal und II. Quartal 2023

Im vierten Quartal 2022 ging die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 0,2% zurück. Insbesondere die privaten Haushalte erfüllten sich aufgrund der hohen Inflation weniger Konsumwünsche als noch im Quartal zuvor. Die Unterstützung seitens des Staates bei den hohen Energiepreisen federn die gestiegenen Lebenshaltungskosten der privaten Haushalte nur teilweise ab. Diese Kaufkraftverluste werden die Konsumenten wohl noch einige Zeit belasten. Die Unternehmen wurden hingegen bereits von den gesunkenen Beschaffungskosten auf den Weltmärkten etwas entlastet, und auch die Lieferkettenprobleme gingen zuletzt zurück. Allerdings trüben zahlreiche Krisenherde weltweit die Aussichten der deutschen Wirtschaft erneut ein. Zwar kommt es laut IWH-Flash-Indikator im ersten Quartal 2023 zu einer kurzen vorübergehenden Aufhellung, und die deutsche Wirtschaft legt um 0,5% zu. Jedoch schon im zweiten Quartal dürfte sich der Abwärtstrend mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,3% fortsetzen (vgl. Abbildung 1).

14. Februar 2023

Autoren Katja Heinisch Oliver Holtemöller Axel Lindner Birgit Schultz

Im vierten Quartal 2022 schrumpfte die deutsche Wirtschaft um 0,2%. Insbesondere die privaten Konsumausgaben trugen dazu bei. So gab es beim Einzelhandel nicht nur reale Umsatzrückgänge aufgrund der stark gestiegenen Verbraucherpreise, vielmehr schrumpfte sogar der nominale Umsatz im Schlussquartal 2022. Die Pkw-Umsätze sind hingegen aufgrund der nun vielfach stattfindenden Auslieferungen nach dem Abbau von Lieferengpässen gestiegen. Auch wenn zu Beginn des Jahres 2023 das Kindergeld deutlich erhöht wurde, die kalte Progression bei der Einkommensteuer abgebaut wird und weitere öffentliche Transfers die Belastungen durch die hohe Inflation abmildern sollen, dürfte der reale private Konsum aufgrund der weiter stark anziehenden Verbraucherpreise zurückgehen. Darauf deutet auch die laut GfK-Konsumklima-Umfrage zuletzt weiter sinkende Anschaffungsneigung hin. „Die privaten Haushalte haben derzeit deutliche Wohlstandsverluste“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Im Verarbeitenden Gewerbe konnte ein Anstieg der Auftragseingänge im Dezember 2022, die insbesondere aus den Bestellungen für inländische Vorleistungsgüter kamen, den deutlichen Verlust im Vormonat nicht ausgleichen. Auch verhindert ein starker Rückgang der Auftragseingänge bei inländischen Konsumgütern eine kräftigere Aufholbewegung. Laut ifo Konjunkturumfrage im Januar 2023 haben sich die Geschäftserwartungen zum vierten Mal in Folge zwar aufgehellt, jedoch liegen sie immer noch auf Krisenniveau. Dies zeigt sich auch an der Einschätzung der Geschäftslage, die sich wieder leicht verschlechtert hat. Der S&P Global/BME Einkaufsmanagerindex (EMI) konnte im Januar leicht zulegen, da der Kostendruck auf der Einkaufsseite deutlich zurückging. Allerdings gibt es noch kein Wachstumssignal. Die vom ZEW befragten Finanzmarktexperten erwarten in den nächsten sechs Monaten eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und private Haushalte haben sich laut Bank Lending Survey weiter verschärft und dürften sich auch in den kommenden drei Monaten weiter verschlechtern. „Wenngleich mehrere wichtige Stimmungsindikatoren mittlerweile von einer wirtschaftlichen Verbesserung vor allem durch sinkende Beschaffungskosten in den kommenden Monaten ausgehen, so dürften dennoch die Bedingungen für einen konjunkturellen Aufschwung noch nicht gegeben sein“, meint Oliver Holtemöller

Die internationale Konjunktur hat sich zuletzt etwas besser entwickelt, als im Herbst vielfach prognostiziert wurde. Für den Euroraum insgesamt ergab sich im vierten Quartal 2022, anders als für Deutschland, ein kleiner Zuwachs. Mit 0,7% ist das Bruttoinlandsprodukt in den USA sogar recht deutlich gestiegen. In China brachte eine neuerliche Ausbreitung der Pandemie die Regierung dazu, ihre Null-Covid-Strategie vollkommen aufzugeben. Aufgrund der Produktionsbehinderungen durch Lockdowns bis zum November stagnierte die Produktion im Jahresschlussquartal, die Aufhebung der Beschränkungen und das Abebben der Pandemiewelle dürften der Wirtschaft aber in den kommenden Quartalen einen Schub geben. Vor allem auf die schwachen Außenhandelszahlen Chinas ist der deutliche Rückgang des Welthandels im Herbst 2022 zurückzuführen, bei in etwa stagnierender Weltindustrieproduktion. Die Preisdynamik scheint ihren Höhepunkt vielerorts überschritten zu haben. In den USA sinken die Inflationsraten seit Juni, im Euroraum seit Oktober, in beiden Fällen allerdings vor allem, weil die volatilen Rohstoffpreise in der zweiten Jahreshälfte vielfach wieder gesunken sind. Wohl auch, weil für die USA ein Ende der Zinserhöhungen absehbar scheint, haben die Bewertungen an den Weltaktienmärkten seit November wieder deutlich zugelegt. Auch die Einkaufsmanager haben ihre Lageeinschätzungen im Januar ein Stück weit nach oben revidiert.

Der IWH-Flash-Indikator basiert auf einer Vielzahl an Einzelindikatoren, die realwirtschaftliche Indikatoren, Finanzmarktindikatoren, Umfragedaten, Preise und internationale Indikatoren umfassen. Abbildung 2 zeigt die Verteilung all dieser auf jeweils einem Indikator basierenden Prognosen für die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts im ersten und zweiten Quartal 2023. Alles in allem signalisiert der IWH-Flash-Indikator einen Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2023 um 0,5% und im zweiten Quartal 2023 einen Rückgang um 0,3%

[Die Zeitreihe mit den historischen Daten des Flash-Indikators sowie eine Beschreibung der Methodik finden Sie im Download-Bereich.]

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