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IWH-Flash-Indikator III. Quartal und IV. Quartal 2019

Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal 2019 um 0,1%, nachdem das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn noch um 0,4% zugelegt hatte. Der aktuelle IWH-Flash-Indikator deutet darauf hin, dass die Konjunktur auch in den kommenden beiden Quartalen schwach bleiben wird. So dürfte die Wirtschaft im dritten Quartal 2019 stagnieren, für das vierte Quartal kann ein kleines Plus von 0,2% erwartet werden.

20. August 2019

Autoren Katja Heinisch

Im zweiten Quartal 2019 nahm das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um 0,1% gegenüber dem Vorquartal ab. Ursächlich dafür waren die schwachen Exporte, die noch stärker schrumpften als die Importe. Auch die Bauinvestitionen waren rückläufig. Aufwärtsgerichtet waren hingegen die übrigen Investitionen. Auch die Konsumausgaben des Staates und der privaten Haushalte wirkten stabilisierend auf die deutsche Wirtschaft.

Die Produktion in der Industrie ist im Juni nach bereits zwei schwachen Vormonaten nochmals rückläufig gewesen. Die schlechte Performance zieht sich dabei durch alle Bereiche. Selbst im Baugewerbe nahm die Produktion zuletzt nur marginal zu, nachdem sie in den Monaten zuvor zurückgegangen war. Besonders betroffen war die Automobilindustrie. So lag die Anzahl der im Juli produzierten Pkw um 5% unter der des Vorjahres, insgesamt wurden von Januar bis einschließlich Juli 2019 12% weniger Pkw produziert als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Lichtblicke zeigen sich in den Auftragseingängen. Diese stiegen im Juni recht kräftig um 2,5%. Vor allem kamen aus dem Nicht-Euroraum vermehrt neue Orders für Investitionsgüter, und auch die Neuaufträge im Baugewerbe legten kräftig zu.

Die Unternehmensumfragen zeigen am aktuellen Rand nochmals deutlich pessimistischere Einschätzungen. So gaben die befragten Unternehmen des Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) im Juli 2019 an, dass Produktion und Auftragseingänge rückläufig waren. Vor allem die Automobilindustrie beklagte eine schwache Auslandsnachfrage. Daraus resultieren bereits Bemühungen der Unternehmen, Überkapazitäten bei der Beschäftigung abzubauen. Auch die Stimmung der in der ifo Konjunkturumfrage befragten Manager war im Juli nochmals schlechter als zuvor. Die Einschätzungen der Finanzmarktexperten der ZEW-Konjunkturumfrage, die für den August bereits vorliegen, deuten ebenfalls auf eine weiterbestehende konjunkturelle Schwäche in nächster Zeit hin. Lediglich der Early-Bird-Indikator der Commerzbank zeigt eine leichte Verbesserung an, die eine ausgeprägte Rezession wenig wahrscheinlich macht.

Auch bei den privaten Haushalten hat die gute Laune laut GfK-Konsumklima-Umfrage im Juli 2019 etwas nachgelassen. Vor allem die Konjunkturerwartungen sind stark rückläufig. Hingegen werden die Einkommensaussichten weiterhin optimistisch bewertet. So scheinen die aktuellen Ankündigungen vieler großer Unternehmen, Beschäftigung abzubauen, bisher noch nicht die Lage am Arbeitsmarkt getrübt zu haben. Allerdings hat die Anschaffungsneigung zuletzt einen leichten Dämpfer erhalten. Insgesamt hat sich die Stimmung der privaten Haushalte jedoch weit weniger verschlechtert als die in der gewerblichen Wirtschaft.

Die Bankenumfrage der Bundesbank (Bank Lending Survey) vom Juli 2019 zeigt, dass die Kreditrichtlinien für Unternehmen zuletzt etwas strenger geworden sind. Für die Unternehmen zeichnet sich keine Erleichterung bei den Kreditvergabestandards ab. Im Bereich der privaten Wohnraumfinanzierung haben sie sich hingegen gelockert, und dies dürfte sich auch in den nächsten Monaten so fortsetzen.

Was die internationale Konjunktur betrifft, hat die US-Regierung mit weiteren Ankündigungen von Zollerhöhungen auf chinesische Importe im Mai und im August die Verunsicherung noch einmal erhöht. Der um sich greifende Konjunkturpessimismus zeigt sich insbesondere daran, dass die Kapitalmarktzinsen weltweit auf Tiefststände gesunken sind. Der Welthandel hat nach deutlichem Rückgang im Herbst 2018 in diesem Jahr lediglich stagniert. Der Produktionszuwachs hat sich vielerorts, etwa in den USA, im Euroraum, in Großbritannien und in Japan verlangsamt. In China hat sich die Konjunktur bisher nicht wie vielfach erhofft durch wirtschaftspolitische Maßnahmen belebt. Allerdings ist es unter den größeren Volkswirtschaften nur in Deutschland zu einem konjunkturellen Einbruch gekommen. Es zeigt sich wieder einmal, dass die deutsche Volkswirtschaft in besonderem Maß von der internationalen Konjunktur abhängig ist, weil ein für die Größe des Landes recht hoher Teil der Produktion exportiert wird und der deutsche Export zu einem großen Teil aus besonders zyklischen Investitionsgütern wie Autos und Maschinen besteht. Allerdings besteht die Gefahr, dass der um sich greifende Pessimismus und die hohe Verunsicherung in nächster Zeit die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auch in anderen Volkswirtschaften stärker dämpfen wird.

Alles in allem weisen die aktuellen Indikatoren auf eine Stagnation der Wirtschaft in Deutschland im laufenden Quartal hin. Dies dürfte vor allem auf die Abkühlung der Weltwirtschaft zurückzuführen sein. Erst zum Ende des Jahres 2019 dürfte die Produktion aufgrund der weitgehend stabilen Binnenkonjunktur wieder langsam zunehmen, jedoch weiterhin hinter der Potenzialwachstumsrate der deutschen Wirtschaft zurückbleiben. Der IWH-Flash-Indikator zeigt für das dritte Quartal 2019 eine Stagnation des Bruttoinlandprodukts und im vierten Quartal dann einen Zuwachs von 0,2% an.

[Die Zeitreihe mit den historischen Daten des Flash-Indikators finden Sie im Download-Bereich.]

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