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IWH-Konjunkturbarometer Ostdeutschland: Konjunktur zieht nach schwachem Start in das Jahr 2016 an

Das Bruttoinlandsprodukt der ostdeutschen Flächenländer ist von April bis Juni 2016 – saisonbereinigt nach dem Berliner Verfahren – um 0,5% gegenüber dem schwachen ersten Quartal gestiegen. Damit expandierte die Produktion in den Neuen Bundesländern fast so stark wie in den Alten (0,6%). Der Zuwachs stand auf breiter Basis. Sowohl das Produzierende Gewerbe als auch der Dienstleistungssektor trugen dazu bei. Trotz der zuletzt eingetretenen konjunkturellen Beschleunigung blieb der Produktionsanstieg in den ostdeutschen Flächenländern allerdings mit 1,5% im ersten Halbjahr gegenüber dem Westen um reichlich einen halben Prozentpunkt zurück.

26. September 2016

Autoren Franziska Exß Udo Ludwig

Die konjunkturellen Impulse für die ostdeutsche Wirtschaft kamen im zweiten Quartal 2016 vor allem aus dem Inland. Während die Bauproduktion dank der weiterhin steigenden Nachfrage vor allem nach Wohnimmobilien erneut zulegte, zog jetzt auch die Industrieproduktion an. Die Hersteller von industriellen Investitionsgütern und von Vorleistungsgütern in den Neuen Bundesländern konnten ihre Umsätze erhöhen, obwohl die Nachfrage nach Maschinen, Geräten und Fahrzeugen deutschlandweit schwächelte. Die Produzenten von Konsumgütern partizipierten an der steigenden Nachfrage der privaten Haushalte und des Staates. Insgesamt konnte die Industrie auch ihre Verkäufe im Ausland erhöhen, aber nicht so kräftig wie im Inland. Im Dienstleistungssektor konnten mit Ausnahme der Finanzdienstleister alle Gewerbe Produktionszuwächse erzielen. Handel und Gastgewerbe kam die steigende Konsumfreude der privaten Haushalte zugute. Im Gefolge des Produktionsanstiegs im Bau und im Verarbeitenden Gewerbe expandierte das Verkehrsgewerbe das zweite Quartal in Folge. Ähnlich verlief die Entwicklung im Bereich Information und Kommunikation. Die Unternehmensdienstleister legten erneut kräftig zu. Die öffentlichen Verwaltungen in den Ländern und Kommunen dehnten ihre Leistungen auch im Zusammenhang mit der Aufnahme und Integration der Flüchtlinge verstärkt aus.

Im dritten Quartal 2016 dürfte die wirtschaftliche Dyna-mik nicht wieder abflachen. Die Stimmung im Bau-gewerbe ist laut IWH-Umfrage auf Rekordniveau. Auch die Industriebetriebe melden mehrheitlich günstige Geschäftsaussichten und Produktionserwartungen, obwohl die Auftragseingänge zuletzt rückläufig waren. Mit viel Zuversicht sehen vor allem die Produzenten von Vorleistungs- und Investitionsgütern den kommenden Monaten entgegen. Die Maschinen- und Anlagenbauer schätzen laut Konjunkturumfrage des Fachverbands ihre Geschäftsaussichten wieder besser ein. Alles in allem rechnen wir nochmals mit einem Produktionszuwachs von 0,5%.

Außerdem in diesem Heft

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Konjunktur aktuell: Konjunktur in Deutschland bleibt trotz sinkender Stimmung robust

Arbeitskreis Konjunktur des IWH

in: Konjunktur aktuell, Nr. 3, 2016

Abstract

In Deutschland sind die Konjunkturaussichten weiter recht günstig. Stimmungsindikatoren deuten zwar auf ein etwas schwächeres Jahresende hin, die Binnenkonjunktur ist aber weiter aufwärtsgerichtet. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt dürfte im Jahr 2016 insgesamt um 1,9% zulegen. Für das Jahr 2017 wird dann mit 1,2% eine niedrigere jahresdurchschnittliche Wachstumsrate erwartet. Maßgeblich dafür sind vor allem schwächere Exporte und stärkere Importe. Die Arbeitslosigkeit dürfte im Zuge der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt etwas steigen. Die Verbraucherpreisinflation bleibt weiterhin moderat. Die öffentlichen Haushalte werden wohl im Jahr 2016 ebenso wie im Jahr 2017 – auch in konjunkturbereinigter Rechnung – Überschüsse erwirtschaften.

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