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Kommentar: Betriebsgrößenstruktur und Arbeitsmarktergebnisse

Trotz aller Fortschritte bei der wirtschaftlichen Angleichung Ost- und Westdeutschlands seit der Vereinigung wird in der öffentlichen Debatte häufig auf fortbestehende Unterschiede bei Löhnen und Arbeitsproduktivität verwiesen. Als Erklärung hierfür wird der vergleichsweise geringe Anteil großer und damit in der Regel auch produktiverer und besser zahlender Betriebe in Ostdeutschland angeführt. Die Größe eines Betriebes ist jedoch – von möglichen Skalenerträgen einmal abgesehen – für sich genommen kein Bestimmungsfaktor für ökonomische Prosperität. Für das Verständnis der Folgen einer kleinteilig organisierten Wirtschaft muss geklärt werden, über welche Mechanismen die Betriebsgrößenstruktur auf Löhne und Arbeitsproduktivität wirkt.

14. November 2014

Autoren Steffen Müller

Ein wichtiger Einflussfaktor ist betriebsspezifisches Humankapital, von dessen Höhe Löhne und Produktivität abhängen. Es zeichnet sich im Gegensatz zu allgemeinem Humankapital durch die alleinige Verwertbarkeit im konkreten Betrieb aus. Erlischt die Arbeitnehmer-Betrieb-Kombination, erlischt auch das betriebsspezifische Humankapital. Ob Arbeitnehmer und Betriebe bereit sind, in dieses betriebsspezifische Kapital zu investieren, hängt daher stark von der erwarteten Dauer der Zusammenarbeit, d. h. der Amortisationsphase der Investition ab. Genau an dieser Stelle könnte die Kleinteiligkeit der ostdeutschen Wirtschaft von Nachteil sein. Kleine Betriebe können qualifizierten Beschäftigten in der Regel weniger interne Aufstiegsmöglichkeiten bieten als Großunternehmen. Zudem sind kleine Betriebe oft auch jünger und haben ein um ein Vielfaches höheres Risiko von Betriebsschließungen und Insolvenzen als große und etablierte Betriebe. Beides lässt erwarten, dass sowohl der Betrieb als auch die Beschäftigten von einer „Ehe auf Zeit“ ausgehen und spezifische Investitionen vermeiden. Weitere wichtige Fragen schließen sich an. Wenn es zur Betriebsschließung kommt, welche kurz- und langfristigen Folgen hat dies für die Karrierepfade der Betroffenen? Führt sie beispielsweise zu häufigerer und längerer Arbeitslosigkeit, zu Humankapitalabschreibungen und langfristigen Lohnverlusten und zu einer höheren Übergangsrate in atypische bzw. prekäre Beschäftigung?

Andererseits: Birgt eine hohe Zahl kleiner und junger Betriebe nicht auch Chancen? Oft wird davon ausgegangen, dass Neuerungen und technischer Fortschritt durch neue Betriebe transportiert werden und dass diese Betriebe der flexible Motor wirtschaftlicher Dynamik sind. Für den ostdeutschen Arbeitsmarkt ist daher von besonderem Interesse, ob durch Neugründungen zusätzliche Beschäftigung geschaffen wird, und vor allem, welche Art von Beschäftigung.

Die hier skizzierten Fragen sind für Ostdeutschland teils nur spärlich, teils noch gar nicht untersucht worden. Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung werden sie künftig Bestandteil der IWH-Forschungsagenda sein.

Außerdem in diesem Heft

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25 Jahre nach dem Mauerfall: Weiterhin strukturelle Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt zwischen Ost und West

Hans-Ulrich Brautzsch Gerhard Heimpold Walter Hyll Maike Irrek Cornelia Lang

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 5, 2014

Abstract

Aus Anlass des Jahrestages hat das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) die Broschüre „25 Jahre nach dem Mauerfall: Wirtschaftliche Integration Ostdeutschlands im Spiegel der Forschung am IWH“ herausgegeben. Ein Überblickstext und 25 Abbildungen zeichnen wichtige ökonomische Entwicklungen seit der deutschen Vereinigung bis heute nach. Der folgende Beitrag gibt Auszüge aus der Broschüre wieder. Im Mittelpunkt stehen die Themen Migration, Demographie und Arbeitsmarkt.

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Aktuelle Trends: Zinsspannen deutscher Universalbanken

Michael Koetter

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 5, 2014

Abstract

Die Zinsspanne ist die Differenz zwischen den Soll- und Habenzinsen. Dies sind also die Zinserträge, welche Banken für Anlagen, z. B. Kredite, relativ zu den Zinsaufwendungen erzielen können, welche sie für ihre eigene Refinanzierung, z. B. in Form von Einlagen, aufwenden müssen.

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Gemeinschaftsdiagnose im Herbst 2014: Deutsche Wirtschaft stagniert – Jetzt Wachstumskräfte stärken (Kurzfassung)

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 5, 2014

Abstract

Die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Jahr um 1,3% und im kommenden Jahr um 1,2% expandieren. Das prognostizieren die an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligten Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten. Demzufolge hat sich die Konjunktur in Deutschland merklich abgekühlt. Nachdem die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal gesunken war und im dritten Vierteljahr wohl stagniert hat, kommt der Konjunkturmotor nur schwerlich wieder auf Touren. Schwach ist sowohl die Binnennachfrage – das Konsumklima hat sich zuletzt verschlechtert und die Unternehmen halten sich mit Investitionen weiterhin zurück – als auch die Auslandsnachfrage. Belastend wirken das mäßige Expansionstempo der Weltwirtschaft, die auch im Prognosezeitraum niedrige Dynamik im Euroraum und der Gegenwind von der Wirtschaftspolitik. In diesem Umfeld sprechen sich die Wirtschaftsforschungsinstitute für eine Stärkung der Wachstumskräfte und günstigere Rahmenbedingungen für Investitionen aus. Der finanzielle Spielraum für ein investitionsfreundlicheres Steuersystem und mehr Ausgaben in wachstumsförderlichen Bereichen wie Sach- und Humankapital sei vorhanden.

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IWH-Bauumfrage im dritten Quartal 2014: Baukonjunktur in Ostdeutschland verliert weiter an Schwung

Brigitte Loose

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 5, 2014

Abstract

Nach der neuesten Umfrage des IWH hat die Baukonjunktur in Ostdeutschland im Sommer weiter an Dynamik verloren. Sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftsaussichten trübten sich bereits das zweite Mal in Folge ein. Allerdings hatte die Bauproduktion zu Jahresbeginn vor allem dank ungewöhnlich milden Winterwetters und noch anstehender Baumaßnahmen zur Behebung von Flutschäden des Sommers 2013 außergewöhnlich stark angezogen. Die Bauunternehmen hatten angesichts des sehr milden Winters Aufträge in das erste Quartal vorgezogen, die erwartete Korrektur zieht sich offensichtlich bis in das dritte Quartal hinein.

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IWH-Industrieumfrage im dritten Quartal 2014: Die Stimmung trübt sich ein

Cornelia Lang

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 5, 2014

Abstract

Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe Ostdeutschlands hat sich im dritten Quartal leicht abgekühlt. Aus den Ergebnissen der IWH-Industrieumfrage unter rund 300 Unternehmen geht hervor, dass die Unternehmen mit der aktuellen Geschäftslage, aber auch mit den Aussichten weniger zufrieden sind als im Vorquartal. Beide Komponenten befinden sich zwar weiterhin auf hohem Niveau. Die Indikatoren deuten aber darauf hin, dass die konjunkturelle Schwäche der deutschen Wirtschaft die ostdeutsche Industrie erreicht hat.

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Langzeitleistungsbezug und Langzeitarbeitslosigkeit – Bericht zum 11. IWH/IAB-Workshop zur Arbeitsmarktpolitik –

Birgit Schultz L. Krüger

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 5, 2014

Abstract

Im Rahmen des IWH/IAB-Workshops zur Arbeitsmarktpolitik am 1. und 2. Oktober 2014 in Halle (Saale) trafen sich zum elften Mal Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft, um sich aus ökonomischer und soziologischer Sicht über neue Entwicklungen und Erkenntnisse zu den Themen langfristiger Sozialleistungsbezug und Langzeitarbeitslosigkeit auszutauschen. Der Fokus der Workshops, die als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis konzipiert sind, lag dabei auf den Ursachen und Konsequenzen der Langzeitarbeitslosigkeit sowie auf möglichen Lösungsansätzen.

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