Inhalt
Seite 1
Weltwirtschaft
Seite 2
Konjunktur in Deutschland
Seite 3
Zur Wirtschaftspolitik Auf einer Seite lesen

Die Konjunktur in Deutschland hat sich seit Mitte des Jahres 2018 merklich abgekühlt. Die Wirtschaftsleistung stagnierte in der zweiten Hälfte des Jahres 2018. Der langjährige Aufschwung ist damit offenbar zu einem Ende gekommen. Die schwächere Dynamik wurde sowohl vom internationalen Umfeld als auch von branchenspezifischen Ereignissen ausgelöst. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich – auch aufgrund politischer Risiken – eingetrübt; dies beeinträchtigt die deutsche Exportwirtschaft. Dass die Abschwächung im zweiten Halbjahr 2018 jedoch so deutlich ausfiel, hängt in erster Linie mit Problemen in der Automobilbranche und dem Niedrigwasser im Rhein zusammen. Allerdings hatte sich ein schwächeres Expansionstempo aufgrund von produktionsseitigen Engpässen ohnehin abgezeichnet; der Anteil der Unternehmen, die über Produktionsbehinderungen infolge von Fachkräftemangel und Lieferengpässen berichten, war zur Mitte des vergangenen Jahres auf historischen Höchstwerten angekommen.

Die deutsche Wirtschaft durchläuft derzeit eine Abkühlungsphase, in der die gesamtwirtschaftliche Überauslastung zurückgeht. Die Institute haben bereits in ihrem Herbstgutachten 2018 darauf hingewiesen, dass der Aufschwung aufgrund des raueren weltwirtschaftlichen Klimas an Fahrt verliere, aber sowohl das Ausmaß der inländischen Produktionshemmnisse als auch die Abkühlung der Weltkonjunktur wurden unterschätzt. Insgesamt ergibt sich eine deutliche Prognosekorrektur nach unten – die Institute erwarten nun für das Jahr 2019 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,8% und damit mehr als einen Prozentpunkt weniger als noch im Herbst 2018. Die Gefahr einer ausgeprägten Rezession mit negativen Veränderungsraten des Bruttoinlandsprodukts über mehrere Quartale halten die Institute jedoch bislang für gering, jedenfalls solange sich die politischen Risiken nicht weiter zuspitzen. Das 68%-Prognoseintervall reicht im Jahr 2019 von 0,1% bis 1,5%.

Im Jahr 2019 wird sich die Konjunktur wohl stabilisieren, ohne dabei jedoch wieder die hohe Dynamik der Vorjahre zu erreichen. Die Produktionsbehinderungen durch das Niedrigwasser bestehen nicht mehr, und die Probleme mit der Umstellung auf den WLTP-Standard in der Automobilindustrie sollten bald überwunden sein. Dies würde für sich genommen für einen kräftigen Anstieg der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sprechen. Allerdings erholt sich die Produktion im Fahrzeugbau bislang nur schleppend. Dazu beigetragen hat, dass bei Herstellern und Händlern offenbar große Lager aufgebaut wurden, sodass die Produktion nur mit Verzögerung auf die wieder höheren Absatzzahlen reagierte. Darüber hinaus hat sich die Industriekonjunktur insgesamt spürbar abgeschwächt, vor allem da sich die Absatzmöglichkeiten auf den Auslandsmärkten mittlerweile schwächer darstellen. Dies zeigt sich in den verhaltenen Auftragseingängen und den deutlich eingetrübten Unternehmenserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe. Die Institute rechnen damit, dass sich die Produktion dort nach einem weiteren Rückgang im ersten Quartal 2019 nur leicht erholt. Im Baugewerbe dürfte die Expansion weiterhin durch Kapazitätsengpässe begrenzt werden. Gestützt wird die Konjunktur durch die konsumnahen Dienstleistungsbereiche, die von den deutlich steigenden verfügbaren Einkommen profitieren. Alles in allem dürfte damit der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal mit 0,2% noch verhalten bleiben. Im weiteren Jahresverlauf dürfte das Expansionstempo mit der dann wieder aufwärtsgerichteten Industrieproduktion etwas höher ausfallen.

Die schwache Dynamik zum Jahreswechsel bedingt die niedrige Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2019. Der konjunkturelle Ausblick ist allerdings nicht so düster, wie diese Rate vermuten lassen könnte. Die Verlaufsrate, die die Veränderung des Bruttoinlandsprodukts in den vier Quartalen des Jahres 2019 abbildet, veranschlagen die Institute bei 1,4% und damit in der Nähe der Potenzialwachstumsrate der deutschen Wirtschaft. Für das Jahr 2020 halten die Institute an ihrer Prognose für das Bruttoinlandsprodukt fest. Von der erwarteten Zunahme um 1,8% gehen 0,4 Prozentpunkte darauf zurück, dass im Jahr 2020 mehr Arbeitstage zur Verfügung stehen als im Jahr 2019.

Der Beschäftigungsaufbau wird voraussichtlich an Fahrt verlieren. Zwar zeichnet sich für das erste Quartal 2019 abermals ein kräftiger Stellenaufbau ab, danach dürfte er sich aber deutlich verlangsamen. Denn in etlichen Wirtschaftszweigen sind Arbeitskräfte weiterhin sehr knapp, während an anderer Stelle, insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe, die konjunkturelle Abschwächung auf die Beschäftigung durchschlagen wird. Die Institute erwarten für die Jahre 2019 und 2020 ein Plus von 430 000 bzw. 265 000 Erwerbstätigen, nach einem Anstieg um 570 000 im Jahr 2018. Die Arbeitslosenquote sinkt von 5,2% im vergangenen Jahr auf 4,8% (2019) und 4,6% (2020). Angesichts der vielfach fortdauernden Anspannung am Arbeitsmarkt dürften die effektiven Stundenverdienste mit 2,8% in diesem und 2,4% im nächsten Jahr trotz schwacher Produktivitätsentwicklung weiter deutlich zulegen.

Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte steigen im Pro-gnosezeitraum ähnlich kräftig wie in den zurückliegenden beiden Jahren. Zwar schwächt sich der Anstieg der Bruttolöhne angesichts der nachlassenden Beschäftigungsdynamik ab; im laufenden Jahr führen die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenversicherungsbeiträge und steuerliche Entlas¬tungen aber dazu, dass die Nettolöhne mit 4,6% ähnlich stark zulegen wie im Vorjahr. Erst im kommenden Jahr dürfte der Zuwachs trotz weiterer Entlastungen mit 3,4% merklich niedriger ausfallen. Vor allem infolge höherer Rentenzahlungen nehmen die monetären Sozialleistungen im laufenden Jahr kräftig um 4,5% zu (nach 2,6% im Jahr 2018). Auch hier schwächt sich der Zuwachs im nächsten Jahr etwas ab. Demgegenüber dürften die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nach einem Rückgang in diesem Jahr im kommenden Jahr wieder deutlich anziehen. Insgesamt werden die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte mit 3,1% in diesem und 3,3% im nächsten Jahr deutlich zunehmen. Der Anstieg der Verbraucherpreise wird mit 1,5% im Jahr 2019 und 1,8% im Jahr 2020 moderat sein. Insgesamt verbleibt den privaten Haushalten ein Kaufkraftplus von 1,5% (2019) und 1,6% (2020). Bei nahezu unveränderter Sparquote werden die privaten Konsumausgaben somit im Verlauf des Prognosezeitraums voraussichtlich kräftig zulegen und damit spürbar zur gesamtwirtschaftlichen Expansion beitragen.

Die Anlageinvestitionen werden zwar weniger dynamisch expandieren als zuletzt, jedoch rechnen die Institute nicht mit einem Einbruch der Investitionstätigkeit, wie er in früheren Abschwungphasen meist zu beobachten war. Ein Grund dafür ist, dass die Investitionstätigkeit im vorangegangenen Aufschwung nur moderat ausgeweitet wurde, sodass die für Boomphasen an sich typischen Übertreibungen im Kapazitätsaufbau diesmal wohl weniger stark ausgeprägt gewesen sind. Der Wohnungsbau ist weiterhin eine Stütze der Bauinvestitionen, auch weil die Finanzierungskosten niedrig bleiben. Die üppigen Auftragsbestände und die kräftige Preisentwicklung deuten darauf hin, dass die Ausweitung der Bautätigkeit vor allem durch Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft begrenzt wird.

Nächste Seite
Zur Wirtschaftspolitik

Ansprechpartner

Für Wissenschaftler/innen

Für Journalistinnen/en

Stefanie Müller
Stefanie Müller
Leiterin Kommunikation

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

+49 345 7753-720 Anfrage per E-Mail
Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft LogoTotal-Equality-LogoWeltoffen Logo