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Nationale Aufsicht versus Europäische Bankenunion: Unterscheidet sich die Beurteilung der Einflussfaktoren systemischen Risikos von Banken?

Als Reaktion auf die Finanzkrise unterliegt das Finanzsystem zahlreichen neuen regulatorischen Änderungen. Zum einen wurden bestehende mikroprudenzielle Regeln für Eigenkapital und Liquidität verschärft. Zum anderen wurden makroprudenzielle Instrumente eingeführt. Makroprudenzielle Regulierung hat dabei zum Ziel, systemische Risiken im Finanzsystem frühzeitig zu erkennen, zu reduzieren und somit die Finanzmarktstabilität zu erhöhen. Zudem wurde mit der Einführung der Bankenunion die Aufsicht der größten Banken des Euroraums der Europäischen Zentralbank (EZB) übertragen. Diese Studie untersucht, ob das systemische Risiko von Banken unterschiedlich groß ist, wenn eine europäische im Vergleich zu einer nationalen Perspektive eingenommen wird. Im Anschluss wird die Frage geklärt, welche Faktoren systemisches Risiko beeinflussen und ob sich diese Faktoren zwischen der nationalen und europäischen Ebene unterscheiden. Es zeigt sich, dass Banken auf nationaler Ebene im Durchschnitt etwas mehr zum systemischen Risiko beitragen, wobei es große Unterschiede zwischen Banken und Ländern gibt. Zudem haben größere und profitablere Banken sowie Banken, deren Geschäftsmodell durch eine geringere Kreditvergabe geprägt ist, ein höheres systemisches Risiko.

06. Oktober 2017

Autoren Thomas Krause Talina Sondershaus Lena Tonzer

Die Finanzkrise hat gezeigt, dass Risiken, die auf Ebene einzelner Banken oder in Teilen des Finanzsystems entstehen, zur Gefahr für das gesamte System werden und negative Effekte für die Realwirtschaft mit sich bringen können. Diese Risiken gilt es deshalb frühzeitig zu erkennen und im besten Fall ganz zu vermeiden. Risiken bestehen dabei nicht nur auf der Ebene der einzelnen Finanzinstitute, sondern auch im Zusammenspiel von Banken. Um diesen so genannten systemischen Risiken besser begegnen zu können, wurde nach der letzten Finanzmarktkrise der Fokus der Bankenüberwachung und Bankenregulierung vermehrt auf die Stabilität des gesamten Finanzsystems gelegt.

Makroprudenzielle Aufsicht, das heißt die Überwachung und Regulierung systemischer Risiken im gesamten Finanzsystem, ist in erster Linie nationale Aufgabe der europäischen Mitgliedstaaten. Maroprudenzielle Instrumente beinhalten unter anderem die Festlegung von Kapital- oder Liquiditätsvorschriften. Seit der Einführung des einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism) im November 2014 überwacht die EZB zudem die größten europäischen Banken. Im Rahmen des einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus kann somit in die nationale, makroprudenzielle Aufsichtspolitik eingegriffen werden, zum Beispiel durch die Festlegung höherer Eigenkapital- oder Liquiditätsquoten für einzelne Institute. Dies gilt, falls systemische Risiken vom nationalen Aufseher nicht ausreichend adressiert werden.

Systemische Risiken entstehen, wenn einzelne Banken die Auswirkungen und Kosten ihrer Tätigkeiten auf andere Finanzmarktakteure nicht in Betracht ziehen. Zum Beispiel kann eine Bank in Folge eines plötzlichen Abfalls ihres Eigenkapitals mit sinkender Kreditvergabe oder dem Verkauf von Vermögenswerten reagieren. Dabei kalkuliert sie nicht mit ein, dass der Verkauf von Bilanztiteln einen Preisverfall nach sich zieht, welcher andere Banken ebenfalls dazu zwingt, Vermögenstitel zu verkaufen. Dieser Prozess kann sich selbst verstärken und zu einer Unterkapitalisierung solcher Banken führen, die ähnliche Vermögenstitel halten. Wenn eine Bank zu wenig Eigenkapital hält zu einem Zeitpunkt, zu dem das gesamte Bankensystem unterkapitalisiert ist, hat dies negative Effekte auf die Finanzstabilität und erhöht das Risiko im System. Makroprudenzielle Überwachung hat zum Ziel, diese systemischen Risiken frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Für eine effiziente makroprudenzielle Überwachung ist es daher wichtig zu verstehen, wie hoch das systemische Risiko von Banken ist und welche Faktoren auf das systemische Risiko einwirken. Da makroprudenzielle Aufsicht sowohl auf der nationalen wie auch auf der europäischen Ebene durchgeführt wird, ist es notwendig, systemisches Risiko und dessen Einflussfaktoren aus diesen verschiedenen Perspektiven zu untersuchen. In der bisherigen Forschung wurde die Differenzierung der regionalen Ebenen bei der Analyse von systemischen Risiken vernachlässigt. In einer Studie von Claudia M. Buch, Thomas Krause und Lena Tonzer1 wird untersucht, ob die systemische Relevanz von Banken variiert, wenn systemisches Risiko aus der Sicht eines nationalen versus eines europäischen Regulators berechnet wird. Außerdem wird analysiert, welche die entscheidenden Treiber für systemisches Risiko sind und ob sich diese auf nationaler und europäischer Ebene unterscheiden.

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1.Buch, C. M.; Krause T.; Tonzer, L.: Drivers of Systemic Risk: Do National and European Perspectives Differ? Deutsche Bundesbank Discussion Paper 9/2017. Frankfurt am Main 2017.

Wie wird systemisches Risiko gemessen?

Der Beitrag einer einzelnen Institution zum systemischen Risiko wird mittels ihres marginalen Beitrags zum Gesamtkapitalausfall in Zeiten von Schieflagen im Finanzsystem gemessen. Hierfür wird das marktbasierte Maß SRISK2 verwendet. Es beziffert den erwarteten Kapitalbedarf einer Institution, gegeben ein systemisches Ereignis wie ein starker Einbruch der Aktienpreise tritt ein.3 Dieser Kapitalbedarf kommt zustande, wenn der Wert des vorhandenen Eigenkapitals der Bank unter das Mindesteigenkapital fällt, das die mikroprudenzielle Aufsicht mittels der Mindesteigenkapitalquote festgelegt hat. Je höher der Kapitalbedarf, desto größer der Beitrag der einzelnen Bank zum systemischen Risiko.

Die Berechnungen werden für 80 börsennotierte Banken aus 15 Euroländern durchgeführt, und die untersuchte Zeitspanne umfasst die Jahre 2005 bis 2013. In die Berechnung von SRISK geht der Buchwert der Verbindlichkeiten und der Marktwert des Eigenkapitals ein. Außerdem wird der erwartete marginale Kapitalbedarf (LRMES) berechnet. Dieser basiert auf der Reaktion des Aktienpreises der Bank auf einen Schock im europäischen bzw. nationalen Marktindex, je nachdem, welche regionale Perspektive eingenommen wird. SRISK hängt dabei positiv vom Verschuldungsgrad, der Größe und dem Vernetzungsgrad der Bank ab.

Abbildung 1 zeigt das durchschnittliche systemische Risiko über alle Banken hinweg, wobei systemisches Risiko auf nationaler Ebene und auf europäischer Ebene sehr nah beieinander liegen. Es zeigt sich, dass das durchschnittliche systemische Risiko mit der Krise im Jahr 2008 stark angestiegen ist. Um zwischen der nationalen und der europäischen Ebene zu unterscheiden, wird SRISK für beide Dimensionen berechnet und schließlich die Differenz zwischen dem europäischen systemischen Risiko und dem nationalen systemischen Risiko einer Bank gebildet. Zum Beispiel ist anzunehmen, dass Banken, die vor allem auf dem nationalen Markt aktiv sind, in ihrem Heimatland eine höhere systemische Relevanz haben als auf europäischer Ebene. Die Abbildung zeigt, dass die Differenz zwischen den beiden Ebenen leicht negativ ist. Damit scheint das systemische Risiko, das von Banken ausgeht, im Durchschnitt auf nationaler Ebene größer zu sein als auf europäischer Ebene.

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2. Das SRISK-Maß wurde von Brownlees und Engle (2017) vorgeschlagen und ist definiert als (SRISK)it=Eit (kLit+(1-k) (LRMESit-1), wobei Eit d as E igenkapital der jeweiligen I nstitution, k die Mindesteigenkapitalquote, Lit die Leverage Ratio und (LRMES)it den erwarteten marginalen Kapitalausfall darstellt (Brownlees, C.; Engle, R.: SRISK: A Conditional Capital Shortfall Measure of Systemic Risk, in: Review of Financial Studies, Vol. 30 (1), 2017, 48-79).

3. Acharya et al. (2012) definieren ein solches Ereignis mit einem Einbruch des Marktindexes um 40% innerhalb der folgenden sechs Monate (Acharya, V. V.; Engle, R.; Richardson, M.: Capital Shortfall: A New Approach to Ranking and Regulating Systemic Risks, in: American Economic Review: Papers and Proceedings, Vol. 102 (3), 2012, 59-64).

Jedoch herrscht große Heterogenität zwischen Banken und Ländern, und nicht immer ist der Einfluss einzelner Banken auf das systemische Risiko auf nationaler Ebene höher. In Abbildung 2 werden die Unterschiede in verschiedenen Ländern ersichtlich. Beispielsweise spielt bei den deutschen Banken das europäische Risiko eine größere Rolle, wohingegen in Spanien der Beitrag von Banken zu nationalen Risiken entscheidend höher ist. Das lässt die Frage offen, welche Banken systemisch relevanter sind und ob unterschiedliche Faktoren zum systemischen Risiko von Banken auf nationaler versus europäischer Ebene beitragen.

Welche Faktoren beeinflussen das systemische Risiko?

Mittels einer Regressionsanalyse wird deshalb im nächsten Schritt untersucht, welche konkreten Eigenschaften von Banken deren Beitrag zum systemischen Risiko beeinflussen.

Zum Beispiel wird die Bankengröße als Einflussfaktor in die Analyse aufgenommen, dargestellt durch den Umfang der Gesamtaktiva. Es ist zu erwarten, dass größere Banken stärkeren Einfluss auf systemisches Risiko haben, da sie größere Marktanteile aufweisen. Außerdem können größere Banken Anreize haben, vermehrt Risiken einzugehen, da sie aufgrund ihrer systemischen Relevanz damit rechnen, in einer Krise von der Regierung gerettet zu werden. Zudem weisen sie gewöhnlich komplexere Strukturen auf und sind häufiger in marktbasierte Aktivitäten involviert – beides sind Faktoren, die das systemische Risiko erhöhen können. Wie erwartet und von vorhergehenden Untersuchungen festgestellt,4 korreliert die Bankengröße positiv mit dem Beitrag der Bank zum systemischen Risiko, lässt diesen also ansteigen.

Weiterhin wird die Bedeutung des Geschäftsmodells einer Bank untersucht, wobei die erwartete Wirkungsweise nicht eindeutig ist. Einerseits kann ein diversifizierteres Portfolio aus traditionellem Kreditgeschäft und marktbasierten Aktivitäten den Beitrag zum Systemrisiko reduzieren. Andererseits sind gerade marktbasierte Tätigkeiten oft mit größerem Risiko behaftet. Um den Einfluss des Geschäftsmodells der individuellen Bank zu messen, wird der Anteil der Kredite an den Gesamtaktiva wie auch der Anteil des Einkommens, der nicht aus Zinsen generiert wird (zinsunabhängige Erträge), verwendet. Das Ergebnis zeigt, dass Banken mit einem traditionelleren Geschäftsmodell, welches sich auf die Kreditvergabe konzentriert, ein geringeres systemisches Risiko haben. Jedoch wird auch Evidenz dafür gefunden, dass der Anteil der zinsunabhängigen Erträge, vor allem für größere Banken, systemisches Risiko abschwächen kann. Insgesamt zeigt dieses Ergebnis, dass einfache Rückschlüsse auf die Wirkung bestimmter Geschäftsmodelle kaum möglich sind.

Die Profitabilität einer Bank kann stellvertretend für die Marktmacht einer Bank stehen, welche wiederum in verschiedene Richtungen wirken kann: Banken mit einem höheren Marktanteil könnten Anreize haben, geringere Risiken einzugehen, um ihre Stellung im Markt nicht zu gefährden. Oder aber sie könnten ihre Marktmacht nutzen, indem sie höhere Kreditgebühren fordern und somit nur noch für Kredite mit einer höheren erwarteten Rendite, aber auch einem höheren Ausfallrisiko attraktiv sind. Profitabilität wird mit der Gesamtkapitalrendite gemessen. Im Ergebnis leisten profitablere Banken einen eher höheren Beitrag zum systemischen Risiko.

Als Maß für das Ausfallrisiko einer Bank infolge von Verlusten durch ausgefallene Kredite dient der Anteil der notleidenden Kredite. Es ist zu erwarten, dass Banken mit einem höheren Anteil an notleidenden Krediten in einer Krise schneller unter Zugzwang geraten, da sie diese nicht so schnell liquidieren können und Verluste ausgleichen müssen. Und tatsächlich erhöht der Anteil an notleidenden Krediten in der Bankbilanz den Beitrag zum systemischen Risiko; das gilt umso mehr, je größer eine Bank ist.

Daneben kann die globale Bedeutung einer Bank einen Einfluss auf das systemische Risiko haben. Denn je systemrelevanter und komplexer ein Institut ist, desto schwieriger ist auch dessen Abwicklung im Krisenfall. Dies erhöht die Erwartung der Bank, von der Regierung Hilfen zu bekommen, falls sie in Schieflage gerät, was wiederum Anreize bietet, vermehrt Risiken einzugehen. In der Analyse wird dabei die Kategorisierung, ob Banken vom Financial Stability Board (FSB) als global systemisch wichtige Institute (G-SIFI) gekennzeichnet wurden, als Maß für den „Too-big-to-fail“- oder „Zugroß- um-zu-scheitern“-Status eines Instituts verwendet. Außerdem zeigt sich, dass G-SIFIs und Banken, die staatliche Gelder bekommen haben, ein höheres systemisches Risiko aufweisen. 

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4. Laeven, L.; Ratnovski, L.; Tong, H.: Bank Size, Capital, and Systemic Risk: Some International Evidence, in: Journal of Banking & Finance, Vol. 69 (1), 2016, 25-34.

Qualitativ keine Unterschiede zwischen den Einflussfaktoren – quantitativ aber sehr wohl

Insgesamt ist festzustellen, dass es keinen qualitativen Unterschied der Einflussfaktoren auf systemisches Risiko gibt, wenn eine nationale versus europäische Perspektive in der Berechnung des systemischen Risikos eingenommen wird. Quantitativ gibt es jedoch Diskrepanzen. Es zeigt sich, dass der abschwächende Effekt des traditionelleren Kreditgeschäfts auf beiden Ebenen besteht, auf der nationalen Ebene jedoch ausgeprägter. Ähnliches kann über den Einfluss von Profitabilität geschlussfolgert werden. Je höher die Profitabilität und je größer eine Bank, desto höher der Beitrag zum systemischen Risiko, wobei der quantitative Effekt auf der nationalen Ebene stärker ist. Alles in allem deuten die ähnlichen Ergebnisse darauf hin, dass die Faktoren, die das systemische Risiko beeinflussen, sich nicht stark unterscheiden, wenn eine nationale versus europäische Perspektive in der Beurteilung von Einflussfaktoren systemischer Risiken bei Banken eingenommen wird. Dies reduziert mögliche trade-offs bei der Verlagerung makroprudenzieller Aufsicht auf die europäische Ebene, da das systemische Risiko von Banken mit den gleichen Einflussfaktoren in Zusammenhang steht.

Empfohlene Publikationen

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Drivers of Systemic Risk: Do National and European Perspectives Differ?

Claudia M. Buch Thomas Krause Lena Tonzer

in: Deutsche Bundesbank Discussion Papers, Nr. 9, 2017
publiziert in: Journal of International Money and Finance

Abstract

In Europe, the financial stability mandate generally rests at the national level. But there is an important exception. Since the establishment of the Banking Union in 2014, the European Central Bank (ECB) can impose stricter regulations than the national regulator. The precondition is that the ECB identifies systemic risks which are not adequately addressed by the macroprudential regulator at the national level. In this paper, we ask whether the drivers of systemic risk differ when applying a national versus a European perspective. We use market data for 80 listed euro-area banks to measure each bank’s contribution to systemic risk (SRISK) at the national and the euro-area level. Our research delivers three main findings. First, on average, systemic risk increased during the financial crisis. The difference between systemic risk at the national and the euro-area level is not very large, but there is considerable heterogeneity across countries and banks. Second, an exploration of the drivers of systemic risk shows that a bank’s contribution to systemic risk is positively related to its size and profitability. It decreases in a bank’s share of loans to total assets. Third, the qualitative determinants of systemic risk are similar at the national and euro-area level, whereas the quantitative importance of some determinants differs.

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Außerdem in diesem Heft

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Aktuelle Trends: Ertragslage der ostdeutschen Betriebe verbessert sich stetig

Steffen Müller

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 3, 2017

Abstract

Ostdeutschland weist auch mehr als 25 Jahre nach der deutschen Vereinigung eine um circa ein Viertel geringere Arbeitsproduktivität als Westdeutschland auf. Wesentlich geringer ist der Rückstand jedoch bei der Ertragslage. Vor elf Jahren machten etwa 70% der westdeutschen Betriebe und 65% der ostdeutschen Betriebe Gewinne. Nach einem kurzen Knick um die Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 ist dieser Anteil kontinuierlich auf 80% im Westen und 76% im Osten angestiegen. Das bedeutet, dass sich beide Landesteile bei dieser Kennzahl seit geraumer Zeit mit recht geringem Abstand im Gleichschritt bewegen.

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Jamaika

Reint E. Gropp

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 3, 2017

Abstract

Deutschland hat gewählt. Die Wahl hat große Verluste für die Volksparteien SPD und CDU gebracht, beide sind auf historische Tiefststände in der Wählergunst gesunken. Zusammen haben CDU und SPD nur noch knapp 54% der Stimmen; der Tag, an dem eine so genannte Große Koalition keine Mehrheit mehr haben wird, scheint nicht mehr fern. Für die CDU waren die Verluste noch deutlich dramatischer als für die SPD, was aber nicht so sehr ins Gewicht fällt, weil die CDU noch immer stärkste Partei ist und die Kanzlerin stellen kann. Allerdings kann sie nicht alleine regieren. Nachdem die SPD sich zumindest vorläufig (wenn auch nicht völlig glaubwürdig) aus der Regierungsbildung verabschiedet hat, bleibt also nur eine Jamaika-Koalition zwischen CDU, FDP und den Grünen.

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Arbeit ohne Sinn gefährdet die Produktivität

Sabrina Jeworrek

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 3, 2017

Abstract

Arbeit ohne Sinn ruft nicht nur negative Emotionen wie Enttäuschung oder das Gefühl, ersetzbar zu sein, hervor; vielmehr wird auch die zukünftige Arbeitsmotivation der Beschäftigten beeinflusst. Eine experimentelle Studie, die auf einer realen Arbeitssituation beruht, zeigt, dass Beschäftigte einen signifikant niedrigeren Arbeitseinsatz leisten, wenn ein vorangegangenes Projekt seinen ursprünglichen Sinn verloren hat. Die Information, dass das Projekt auch einen alternativen Zweck erfüllte, kompensiert die negativen Effekte allerdings vollständig, sowohl was den Arbeitseinsatz als auch den emotionalen Zustand der Beschäftigten angeht. Unternehmen und Personalverantwortliche sollten daher die Sinnhaftigkeit von Arbeitsaufgaben klar an ihre Beschäftigten kommunizieren sowie versuchen, auch gescheiterten Projekten eine Sinnhaftigkeit beizumessen.

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Messbar, aber milde: Auswirkungen des SMP-Wertpapier-Ankaufprogramms der EZB auf den regionalen Bankenwettbewerb in Deutschland

Friederike Altgelt Michael Koetter

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 3, 2017

Abstract

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit dem Securities Markets Programme (SMP) im Mai 2010 ein Instrument unkonventioneller Geldpolitik eingeführt. Im Rahmen des SMP erwarb sie im Wert von 218 Mrd. Euro Staatsanleihen ausgewählter Länder, welche erhöhten Risikoaufschlägen am Kapitalmarkt ausgesetzt waren. Eine mögliche Nebenwirkung solcher Ankaufprogramme ist es, auch jene Banken zu stützen, die nicht zum direkten Adressatenkreis gehören, aber Anleihen betroffener Länder in ihren Portfolios hielten. Möglicherweise resultierende Refinanzierungs-, Ertrags-, und Liquiditätsvorteile für bevorteilte Banken könnten zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Dieser Beitrag betrachtet deshalb die Wertpapierportfolios regionaler deutscher Banken, um den kausalen Effekt des SMP auf das Wettbewerbsverhalten zu identifizieren. Die empirischen Befunde belegen in der Tat eine statistisch nachweisbare Zunahme der lokalen Marktanteile jener regionalen Banken, welche Anleihen in ihren Portfolios hielten, die Teil des SMP waren. Während dieses Ergebnis somit einen Beleg für die Existenz unbeabsichtigter Nebenwirkungen unkonventioneller Geldpolitik darstellt, so ist auch festzuhalten dass diese Wettbewerbseffekte ausgesprochen klein sind. Somit ist zumindest für den regionalen Bankenmarkt in Deutschland keine nennenswerte Verwerfung aufgrund dieses Ankaufprogramms festzustellen.

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3rd IWH-FIN-FIRE Workshop on Challenges to Financial Stability – ein Tagungsbericht

Lena Tonzer

in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 3, 2017

Abstract

Zum dritten Mal in Folge fand am 28. und 29. August 2017 in den Räumen des IWH in Halle (Saale) der sich großer Beliebtheit erfreuende und vom IWH sowie dem „FIRE“ Research Center der Frankfurt School of Finance & Management gemeinschaftlich organisierte IWH-FIN-FIRE-Workshop statt.

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