25 Jahre IWH

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Risikobewertung von Staatsanleihen im Euroraum während der Staatsschuldenkrise von Ansteckungseffekten getrieben

Die europäische Staatsschuldenkrise hat in vielen Ländern zu Zinsaufschlägen auf Staatsanleihen geführt. Dies war vor allem in den Jahren 2010 und 2011 in Ländern wie Griechenland, Italien oder Spanien zu beobachten. Zur gleichen Zeit blieben die Kreditrisiken deutscher oder französischer Staatsanleihen auf einem moderaten Niveau. Trotz der unterschiedlichen Entwicklung in den Niveaus findet man ein hohes Maß an Gleichbewegung von Kreditrisiken in den Ländern des Euroraums. Dieser Beitrag untersucht, inwieweit dies durch strukturelle Ähnlichkeiten, internationale Verflechtungen und globale Marktentwicklungen erklärt werden kann.

19. Februar 2015

Autoren Manuel Buchholz Lena Tonzer

Inhalt
Seite 1
Ausfallrisiken von Staatsanleihen
Seite 2
Welche Kanäle übertragen Schocks?
Seite 3
Höhere Gleichbewegung im Euroraum als in den Nicht-EWU-Ländern Auf einer Seite lesen

Mit Beginn der europäischen Staatsschuldenkrise im Jahr 2009 haben sich die Zinsen von Staatsanleihen stark auseinanderentwickelt. In den südlichen Peripherieländern des Euroraums, wie zum Beispiel Griechenland, Italien oder Spanien, waren hohe Zinsaufschläge zu verzeichnen, die ein gestiegenes Ausfallrisiko widerspiegelten. In den Kernländern des Euroraums wie Deutschland oder Frankreich blieben die Zinsaufschläge hingegen auf einem moderaten Niveau. Die veränderte Wahrnehmung der Investoren in Bezug auf Ausfallrisiken (Kreditrisiken) einzelner Staaten lässt sich auch bei Prämien der entsprechenden Kreditausfallversicherungen, der so genannten Credit Default Swap (CDS) Spreads, beobachten. Ein Credit Default Swap ist ein Kreditderivat zur Absicherung gegen die Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners. Ähnlich wie Zinsaufschläge stellen die CDS Spreads ein Maß für das Ausfallrisiko von Staaten dar.

Trotz dieser divergierenden Entwicklung ist der Euroraum nach wie vor durch ein hohes Maß an Finanzmarktintegration gekennzeichnet, insbesondere dank der gemeinsamen Währung. Internationale Kapitalverflechtungen erleichtern dabei die Diversifizierung von Risiken und die effiziente Bereitstellung von Ressourcen über Ländergrenzen hinweg. Im Gegenzug jedoch können durch diese Verflechtungen in Krisenzeiten – über Verwerfungen in internationalen Handels- oder Kapitalströmen – Schocks leichter von einem Land in das andere übertragen werden.

Abbildung 1 zeigt für den Zeitraum von Januar 2008 bis September 2012, dass die Divergenz der Ausfallrisiken von Staatsanleihen in Kern- und Peripherieländern des Euroraums im Laufe der Staatsschuldenkrise zugenommen hat. Dies kann mit einer veränderten Wahrnehmung der Investoren bezüglich der erwarteten Solvenz von Staaten in den Peripherieländern erklärt werden. Trotz dieser Unterschiede im Niveau erkennt man, dass sich Kreditrisiken von Staatsanleihen über die Kern- und Peripherieländer des Euroraums hinweg in die gleiche Richtung bewegt haben.

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Welche Kanäle übertragen Schocks?

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Aktuelle Trends: Mindestlohn von 8,50 Euro: Hohe Betroffenheit in arbeitsintensiven Branchen

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Abstract

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Kommentar: Manövriert sich die EZB in eine Falle?

Reint E. Gropp

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Die EZB hat am 22. Januar 2015 beschlossen, in großem Umfang Anleihen öffentlicher Institutionen aus dem Euroraum, darunter auch der Nationalstaaten, zu kaufen. Es gibt gute Gründe für diese Maßnahme: Marktbasierte mittelfristige Inflationserwartungen sind zuletzt deutlich gesunken, die Inflationsrate ist tendenziell rückläufig und war zuletzt sogar negativ. Die Wahrscheinlichkeit einer deflationären Spirale hat sich erhöht, mit unabsehbaren Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung. Die schwache Verbraucherpreisentwicklung im Euroraum basiert auf mehreren Faktoren: der schleppenden Konjunkturentwicklung, fallenden Ölpreisen und fiskalpolitischer Konsolidierung in einigen Euroländern (Spanien, Portugal, Irland).

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