IWH-Herbstprognose 2021

Produktionsengpässe verzögern Erholung

14. September 2021

 

Im Sommer 2021 ist die Erholung der deutschen Wirtschaft gut vorangekommen. Allerdings behindern Engpässe beim Seetransport und der Herstellung von Vorleistungsgütern den Welthandel. Der Anstieg der Rohstoffpreise schlägt sich in recht hohen Inflationsraten nieder. Auch trübt die Zunahme von Neuinfektionen die Aussichten wieder ein. Deshalb ist mit einem schwachen Jahresschlussquartal zu rechnen. Das IWH prognostiziert, dass das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 um 2,2% und im Jahr 2022 um 3,6% zunehmen wird (Ostdeutschland: 1,8% und 2,8%).

Die weltwirtschaftliche Produktion dürfte im Sommerhalbjahr deutlich zugelegt haben. Schwungvoll ist die Konjunktur aber nur in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften des Westens. Insbesondere in weiten Teilen Asiens haben Wellen von Delta-Infektionen die wirtschaftliche Aktivität zuletzt schwer belastet. Zudem schlägt sich der Anstieg der Rohstoffpreise in recht hohen Raten der Verbraucherpreisinflation nieder. 

In Deutschland konnten im Sommer dank der Impfkampagne viele Einschränkungen gelockert werden. Dennoch liegt der private Konsum weit unter Vorkrisenniveau. Die Inflation bleibt auch in den nächsten Monaten kräftig, da die CO2-Preise zu Beginn des Jahres 2022 weiter steigen werden, die aktuellen Verknappungen auf den internationalen Märkten wohl nur langsam zurückgehen und der Mindestlohn kräftig erhöht wird. In diesem Jahr dürfte die Inflation 2,9% erreichen und im Jahr 2022 auf 2,6% zurückgehen. Das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit dürfte in diesem Jahr 4,5% in Relation zum Bruttoinlandsprodukt betragen, im Jahr 2022 1,3%.

Ein Risiko für die Konjunktur in Deutschland ergibt sich aus der engen Einbindung der deutschen Industrie in die internationalen Wertschöpfungsketten. Deren derzeitige Störungen treffen die deutsche Wirtschaft besonders, und es ist schwer einzuschätzen, wann sie behoben sein werden.

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