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Eine Million Euro Steuergeld für jeden JobReint GroppDer Spiegel, 18. Mai 2026
Die Wachstumsbasis in den neuen Bundesländern wird breiter. Im Baugewerbe hält der kräftige Anstieg der Produktion an. Im Verarbeitenden Gewerbe ist die Schrumpfungsphase überwunden. Alle Industriezweige expandieren, wenn auch von unterschiedlichem Niveau aus.
Die in der wirtschaftspolitischen Diskussion beschworenen negativen externen Effekte eines Abwerbens von durch Konkurrenten ausgebildeten Arbeitnehmern, die zu einem gesamtwirtschaftlich ineffizienten privaten Weiterbildungsvolumen führen sollen, können empirisch nicht belegt werden. Westdeutsche Betriebe, die in berufliche Weiterbildung investieren, sind durchweg in der Lage, die Rentabilität dieser Investitionen zu sichern. Als Anreizinstrument dient das Angebot innerbetrieblicher Karriereleitern, nicht aber die direkte Beteiligung der Arbeitnehmer an den Kosten und den Erträgen der Humankapitalinvestition. Allerdings gilt diese Aussage vornehmlich für Weiterbildungsinvestitionen, die betriebsnahe Qualifikationen vermitteln.
Nach vier aufeinanderfolgenden Jahren, gekennzeichnet durch sinkende Wirtschaftsleistung, konnte Bulgarien im Jahre 1994 eine gewisse Trendwende in der ökonomischen Entwicklung verbuchen. Trotzdem deuten die Fundamentaldaten darauf hin, daß die Transformation nach wie vor großen Problemen gegenübersteht und Stabilisierungsmaßnahmen bislang nur bescheidener Erfolg beschieden war. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere eine Stagnation des Produktionsniveaus auf dem - beurteilt am Maßstab des Jahres 1989 - niedrigsten Stand aller ostmittel- und südosteuropäischen Reformstaaten, eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, eine dreistellige Jahresinflationsrate und eine Verdoppelung des nominalen Wechselkurses des bulgarischen Lev zum US-Dollar.
Je nachdem, ob Monatsgrundlöhne, Jahrestarifeinkommen, Stundenlöhne oder Effektivverdienste betrachtet werden, können Beurteilungen des Angleichungsstandes zwischen Ost- und Westdeutschland branchenspezifisch erheblich divergieren. Bei vorangeschrittener Angleichung der Monatsgrundlöhne ist die Kostenbelastung pro Arbeitsstunde für ostdeutsche Betriebe nicht zuletzt aufgrund längerer tariflicher Arbeitszeiten immer noch vergleichsweise niedrig. Dies darf jedoch nicht über die tendenziell geringere Wettbewerbsfähigkeit ostdeutscher Unternehmen hinwegtäuschen, die u.a. aus höheren Lohnstückkosten resultiert.
Das Geburtenverhalten in Ostdeutschland hat sich seit der Wende dramatisch verändert. Während 1990 je 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren im Durchschnitt noch 22,9 Kinder zur Welt kamen, lag diese Ziffer bereits 1993 nur noch bei einem Wert von 10,8 Geburten. Der westdeutsche Vergleichswert für 1993 betrug 22,2 Geburten. Es wäre allerdings verfehlt, daraus auf eine demographische Überreaktion auf die neuen Verhältnisse zu schließen. Eine differenziertere Betrachtung anhand der altersspezifischen Geburtenraten ergibt, daß sich die angegebene Veränderung als geradezu verblüffende Angleichung an westdeutsche Verhaltensmuster interpretieren läßt.
Es werden die Veränderungen des Produktionsanteile der einzelnen Industriebranchen in den Jahren 1990 bis 1994 in den neuen Ländern nachgezeichnet. Wichtigstes Ergebnis ist, dass der Strukturwandel in den neuen Ländern in diesem Zeitraum zu einer stark regional orientierten, baulastigen und wenig technologieintensiven Wirtschaftsstruktur geführt hat. Dies wiederum dürfte zu einer Beeinträchtigung der künftigen Regionalentwicklung führen.
Die amtliche Statistik stellt derzeit ihr Berichtswesen auf EU-Standards um. Monatliche Angaben über Auftragseingänge, Produktion und Umsatz sind für 1995 noch nicht erschienen. In dieser statistikarmen Zeit müssen andere Indikatoren herangezogen werden, um ein Bild über aktuelle Entwicklungen zu gewinnen. Ein verträgliches Maß an Übereinstimmung mit dem Produktionsverlauf in der Industrie vermittelt die Einschätzung der Geschäftslage, die vom IWH seit 1991 im Rhythmus von 2 Monaten bei etwa 300 Unternehmen des ostdeutschen Verarbeitenden Gewerbes erfragt wird.
Deutschland verpflichtete sich auf der Vertragsstaatenkonferenz zur Klima-Rahmen-Konvention im April 1995 in Berlin mit einem eigenen CO2-Reduktionsprogramm zur Verminderung des CO2-Ausstoßes um 25 bis 30 % bis 2005 gegenüber 1990. Dieses Ziel soll vor allem durch die Senkung des spezifischen Energieverbrauchs erreicht werden. Die dazu eingegangenen Selbstverpflichtungen der deutschen Wirtschaft lassen allerdings notwendige zusätzliche Anstrengungen vermissen und befürchten, dass das gesteckte Ziel verfehlt wird.
In allen Ländern Mittel- und Osteuropas hat sich das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu 1989 stark verringert. Differenzierungen zwischen einzelnen Ländergruppen sind dabei offensichtlich: Während in den Nachfolgestaaten der UdSSR der Rückgang der wirtschaftlichen Gesamtleistung besonders heftig ausfiel und mit Ausnahme der baltischen Länder bis auf den heutigen Tag anhält, verlief der Schrumpfungsprozeß in den ostmittel- und südosteuropäischen Ländern weitaus moderater und hat inzwischen einer deutlichen wirtschaftlichen Belebung Platz gemacht.
Im I. Quartal 1995 setzte sich die wirtschaftliche Erholung in den ostmittel- und südosteuropäischen Ländern vor allem in der Industrie fort. Eine fortschreitende Aufwärtsentwicklung wird jedoch durch meist zweistellige Raten der Geldentwertung, eine zu geringe Dynamik im Investitionsgeschehen, die beträchtliche und sich zunehmend verfestigende Arbeitslosigkeit sowie anhaltend hohe Handelsbilanzdefizite belastet. Für das gesamte Jahr 1995 kann dennoch mit einem Wachstum des zusammengefaßten Bruttoinlandsprodukts dieser Ländergruppe von 3,5 vH, für das kommende Jahr von sogar 4,6 vH gerechnet werden.