Wirtschaftswachstum, Staatsfinanzen und Treibhausgas-Emissionen in der mittleren Frist
Katja Heinisch, Oliver Holtemöller, Axel Lindner, Alessandro Sardone, Götz Zeddies
Konjunktur aktuell,
Nr. 4,
2022
Abstract
Die mittelfristige Projektion der gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland beinhaltet, dass das Wirtschaftswachstum mit 1% pro Jahr in den kommenden sechs Jahren in etwa genauso hoch ausfällt wie in den vergangenen sechs Jahren. Der Staatshaushalt bleibt im Defizit, aber der Schuldenstand geht relativ zum Bruttoinlandsprodukt ab dem Jahr 2024 wieder zurück. Bei diesem Tempo der wirtschaftlichen Expansion werden die Emissionen mittelfristig zwar weiter zurückgehen, aber deutlich langsamer als nötig, um die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen.
Artikel Lesen
Zinsaufschlag oder Übertragung durch Verbriefung? Der Umgang mit Risiken im US-Hypothekenmarkt
Danny McGowan, Huyen Nguyen
Wirtschaft im Wandel,
Nr. 3,
2022
Abstract
Seit der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 diskutiert die Wissenschaft darüber, wie Kreditgeber die Verbriefung von Hypotheken nutzen, um das Kreditrisiko an Dritte weiterzugeben, und wie dies zur Finanzkrise beigetragen hat. Eine aktuelle IWH-Studie betrachtet die Entscheidungssituation des Kreditgebers zwischen Risikoaufschlag und Risikoübertragung. Sie nutzt rechtliche Unterschiede in verschiedenen US-Bundesstaaten bei der Zwangsvollstreckung von Hypotheken, um daraus unterschiedliche regionale Kreditrisiken abzuleiten. Ist dieses regionale Risiko erhöht, reagieren Kreditgeber durch vermehrte Verbriefung, wenn Hypotheken zum Verkauf an halbstaatliche Agenturen (Government Sponsored Enterprises, GSE) wie Fannie Mae und Freddie Mac zugelassen sind und so gegen Ausfall versichert werden können. Bei Hypotheken, für die kein Rückkauf durch GSE infrage kommt, erhöhen die Kreditgeber dagegen die Zinsen, da sie das Kreditrisiko nicht an die Kreditkäufer weitergeben können.
Artikel Lesen
BigTech Credit, Small Business, and Monetary Policy Transmission: Theory and Evidence
Yiping Huang, Xiang Li, Han Qiu, Dan Su, Changhua Yu
IWH Discussion Papers,
Nr. 18,
2022
Abstract
This paper provides both theoretical and empirical analyses of the differences between BigTech lenders and traditional banks in response to monetary policy changes. Our model integrates Knightian uncertainty into portfolio selection and posits that BigTech lenders possess a diminishing informational advantage with increasing firm size, resulting in reduced ambiguity when lending to smaller firms. The model suggests that the key distinction between BigTech lenders and traditional banks in response to shifts in funding costs, triggered by monetary policy changes, is more evident at the extensive margin rather than the intensive margin, particularly during periods of easing monetary policy. Using a micro-level dataset of small business loans from both types of lenders, we provide empirical support for our theoretical propositions. Our results show that BigTech lenders are more responsive in establishing new lending relationships in an easing monetary policy environment, while the differences in loan amounts are not statistically significant. We also discuss other loan terms and the implications of regulatory policies.
Artikel Lesen
28.06.2022 • 15/2022
Gefahr einer Gaslücke gegenüber April deutlich verringert – aber Versorgungsrisiken bleiben
Die Wahrscheinlichkeit einer Versorgungslücke mit Erdgas im Fall eines Stopps russischer Lieferungen ist gegenüber April deutlich gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktualisierte Simulationsrechnung der an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligten Institute. Trotz mittlerweile deutlich besser gefüllter Speicher sind damit aber noch nicht alle Risiken für die Gasversorgung der Industrie im Winterhalbjahr 2022/2023 gebannt. Es ist daher ratsam, zeitnah die Preissignale bei den Verbrauchern ankommen zu lassen.
Lesen
Das Potenzial von Bankkreditspreads für die Konjunkturprognose
Daniel Streitz
Wirtschaft im Wandel,
Nr. 2,
2022
Abstract
Prognosemodelle für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung verwenden häufig marktbasierte Indikatoren wie Spreads von Unternehmensanleihen, die den Risikoaufschlag gegenüber einem Referenzzins angeben. Anleihespreads bilden jedoch nur die Entwicklung von Risiken für Unternehmen ab, die regelmäßig Anleihen emittieren – im Durchschnitt größere, sichere Firmen. Neuartige Daten zu Bankkrediten, die im Sekundärmarkt gehandelt werden, erlauben auch die Konstruktion von Kreditspreads. Kreditmarktdaten umfassen ein breiteres Spektrum an Firmen, inklusive kleinerer Firmen, die stärker von Finanzmarktfriktionen betroffen sind. Tests zeigen, dass Kreditspreads tatsächlich mehr Informationen über wirtschaftliche Entwicklungen beinhalten als Anleihespreads und daher das Potenzial haben, Prognosemodelle zu verbessern.
Artikel Lesen
The Impact of Active Aggregate Demand on Utilisation-adjusted TFP
Konstantin Gantert
IWH Discussion Papers,
Nr. 9,
2022
Abstract
Non-clearing goods markets are an important driver of capacity utilisation and total factor productivity (TFP). The trade-off between goods prices and household search effort is central to goods market matching and therefore drives TFP over the business cycle. In this paper, I develop a New-Keynesian DSGE model with capital utilisation, worker effort, and expand it with goods market search-and-matching (SaM) to model non-clearing goods markets. I conduct a horse-race between the different capacity utilisation channels using Bayesian estimation and capacity utilisation survey data. Models that include goods market SaM improve the data fit, while the capital utilisation and worker effort channels are rendered less important compared to the literature. It follows that TFP fluctuations increase for demand and goods market mismatch shocks, while they decrease for technology shocks. This pattern increases as goods market frictions increase and as prices become stickier. The paper shows the importance of non-clearing goods markets in explaining the difference between technology and TFP over the business cycle.
Artikel Lesen
The Effect of Foreign Institutional Ownership on Corporate Tax Avoidance: International Evidence
Iftekhar Hasan, Incheol Kim, Haimeng Teng, Qiang Wu
Journal of International Accounting, Auditing and Taxation,
Vol. 46 (March),
2022
Abstract
We find that foreign institutional investors (FIIs) reduce their investee firms’ tax avoidance. We provide evidence that the effect is driven by the institutional distance between FIIs’ home countries/regions and host countries/regions. Specifically, we find that the effect is driven by the influence of FIIs from countries/regions with high-quality institutions (i.e., common law, high government effectiveness, and high regulatory quality) on investee firms located in countries/regions with low-quality institutions. Furthermore, we show that the effect is concentrated on FIIs with little experience in the investee countries/regions or FIIs with stronger monitoring incentives. Finally, we find that FIIs are more likely to vote against management if the firm has a higher level of tax avoidance.
Artikel Lesen
Investitionen, Auslastungsgrad und Öffentliche Finanzen in der mittleren Frist: Implikationen des Zweiten Nachtragshaushalts 2021
Andrej Drygalla, Katja Heinisch, Oliver Holtemöller, Axel Lindner, Götz Zeddies
Konjunktur aktuell,
Nr. 4,
2021
Abstract
Die Bundesregierung plant, mit dem Zweiten Nachtragshaushalt 2021 dem Energie- und Klimafonds eine Rücklage in Höhe von 60 Mrd. Euro zuzuführen. Die Mittel sollen in den Folgejahren in Investitionen in den Klimaschutz und die Transformation der Wirtschaft fließen und zugleich gesamtwirtschaftliche Folgekosten der Pandemie verringern. Diese pandemiebedingten Einbußen sind auch in der mittleren Frist erheblich. Zwar dürften Nachholeffekte beim privaten Konsum die im Jahr 2021 noch deutliche Unterauslastung bis zum Jahr 2024 vollständig verschwinden lassen. Jedoch liegt das Produktionspotenzial in den kommenden Jahren mehr als 1,5% unter dem Ende 2019 vom IWH prognostizierten Wert, vor allem wegen eines geringeren Arbeitsangebots, unter anderem aufgrund deutlich niedrigerer Zuwanderung von Arbeitskräften. Die Investitionen sind gemäß aktueller Mittelfristprojektion im Jahr 2024 ebenfalls noch deutlich niedriger. Die Effekte des Nachtragshaushalts auf Investitionstätigkeit und Produktion lassen sich mit Hilfe des finanzpolitischen Simulationsmodells des IWH abschätzen. Die beabsichtigten Mehrausgaben dürften auf dem Höhepunkt ihrer Wirksamkeit im Jahr 2024 die gesamtwirtschaftliche Aktivität um etwa 0,5% steigern. Allerdings werden die zusätzlichen Investitionen die seit Pandemiebeginn ausgebliebene Investitionstätigkeit bei Weitem nicht kompensieren können. Eine Bewertung des Nachtragshaushals hat die positiven gesamtwirtschaftlichen Effekte zusätzlicher Investitionen und die negativen Effekte auf die Glaubwürdigkeit der Schuldenbremse gegeneinander abzuwägen.
Artikel Lesen
Technological Innovation and the Bank Lending Channel of Monetary Policy Transmission
Iftekhar Hasan, Xiang Li, Tuomas Takalo
IWH Discussion Papers,
Nr. 14,
2021
Abstract
This paper studies whether and how banks’ technological innovations affect the bank lending channel of monetary policy transmission. We first provide a theoretical model in which banks’ technological innovation relaxes firms’ earning-based borrowing constraints and thereby enlarges the response of banks’ lending to monetary policy changes. To test the empirical implications, we construct a patent-based measurement of bank-level technological innovation, which can specify the nature of technology and tell whether it is related to the bank’s lending business. We find that lending-related innovations significantly strengthen the transmission of the bank lending channel.
Artikel Lesen
Corporate Loan Spreads and Economic Activity
Anthony Saunders, Alessandro Spina, Sascha Steffen, Daniel Streitz
Abstract
We use secondary corporate loan-market prices to construct a novel loan-market-based credit spread. This measure has considerable predictive power for economic activity across macroeconomic outcomes in both the U.S. and Europe and captures unique information not contained in public market credit spreads. Loan-market borrowers are compositionally different and particularly sensitive to supply-side frictions as well as financial frictions that emanate from their own balance sheets. This evidence highlights the joint role of financial intermediary and borrower balance-sheet frictions in understanding macroeconomic developments and enriches our understanding of which type of financial frictions matter for the economy.
Artikel Lesen