IWH-Transfertagung „Europas Finanzmarkt: Zwangsehe oder lose Bekanntschaft?“
Sithara Thies
Wirtschaft im Wandel,
Nr. 1,
2020
Abstract
Ein Jahrzehnt nach der weltweiten Finanzkrise steht das Finanzsystem noch immer vor enormen Herausforderungen. Wie diese in Europa gemeistert werden können, war Thema einer hochkarätig besetzten Tagung, die am 26. Februar 2020 am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) stattfand.
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Sinkendes Potenzialwachstum in Deutschland, beschleunigter Braunkohleausstieg und Klimapaket: Finanzpolitische Konsequenzen für die Jahre bis 2024
Andrej Drygalla, Katja Heinisch, Oliver Holtemöller, Axel Lindner, Christoph Schult, Matthias Wieschemeyer, Götz Zeddies
Konjunktur aktuell,
Nr. 4,
2019
Abstract
Nach der Mittelfristprojektion des IWH wird das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland in den Jahren bis 2024 preisbereinigt um durchschnittlich 1% wachsen; das nominale Bruttoinlandsprodukt wird um durchschnittlich 2¾% zunehmen. Die Durchschnittswerte verschleiern die Tatsache, dass das Wachstum gegen Ende des Projektionszeitraums aufgrund der dann rückläufigen Erwerbsbevölkerung spürbar zurückgehen wird. Dies wird sich auch bei den Staatseinnahmen niederschlagen. Allerdings wird die Bevölkerung nicht regional gleichverteilt zurückgehen. Strukturschwache Regionen dürften stärker betroffen sein. Die regionalen Effekte auf die Staatseinnahmen werden zwar durch Umverteilungsmechanismen abgefedert, aber nicht völlig ausgeglichen. Regionen mit schrumpfender Erwerbsbevölkerung müssen sich auf einen sinkenden finanziellen Spielraum einstellen. Der beschleunigte Braunkohleausstieg wird diesen Prozess verstärken, das Klimapaket der Bundesregierung hat hingegen vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen.
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Konjunktur aktuell: Weltwirtschaft wieder etwas kräftiger – aber Deutschland zunächst weiter im Abschwung
Konjunktur aktuell,
Nr. 4,
2019
Abstract
Im Jahr 2020 zieht die Weltwirtschaft wieder etwas an, weil der Gegenwind von den Handelskonflikten nachlässt. Die jüngsten Produktionsdaten deuten allerdings noch nicht auf eine durchgreifende Besserung der internationalen Konjunktur hin. Auch wegen der niedrigen Preisdynamik ist die Geldpolitik im Lauf des Jahres vielerorts noch einmal expansiver geworden. Wenn weitere Zollerhebungen im Wesentlichen ausbleiben, dürfte der Abschwung im Verarbeitenden Gewerbe um die Jahreswende 2019/2020 zu Ende gehen. Allerdings bleibt die Zukunft der politischen Rahmenbedingungen für den internationalen Handel unsicher. Das ist ein wichtiger Grund, warum mit einem kräftigen weltwirtschaftlichen Aufschwung für den Prognosezeitraum nicht zu rechnen ist. Zudem dürfte die Expansion der Nachfrage aus China weiter nachlassen.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiter im Abschwung. Ursache ist im Wesentlichen die schwache Auslandsnachfrage nach Produkten des Verarbeitenden Gewerbes, bedingt durch die von den USA ausgehenden protektionistischen Tendenzen und den bevorstehenden Brexit. Als weiterer Faktor kommen die Probleme im Automobilbau hinzu, denn die Branche steht mit am Beginn eines drastischen Strukturwandels. Im Jahr 2020 dürfte eine leichte Belebung der internationalen Konjunktur den deutschen Export wieder anziehen lassen. Der Anstieg wird aber nicht allzu hoch ausfallen, nicht zuletzt, weil die Lohnstückkosten seit einiger Zeit deutlich zugenommen haben. Auf der anderen Seite stabilisieren die recht deutlichen Lohnzuwächse die binnenwirtschaftliche Nachfrage. Zudem wirkt die Finanzpolitik expansiv, und die günstigen Finanzierungsbedingungen werden zusammen mit der Wohnungsknappheit in Ballungsräumen den Bauboom am Leben halten. Das Bruttoinlandsprodukt wird im Jahr 2020 wohl um 1,1% zunehmen, auch dank einer hohen Zahl an Arbeitstagen. Der Produktionszuwachs in Ostdeutschland dürfte mit 1,3% höher ausfallen als in Gesamtdeutschland. Die Verbraucherpreisinflation bleibt moderat, die Beschäftigung nimmt nur noch wenig zu.
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What Drives the Commodity-Sovereign-Risk-Dependence in Emerging Market Economies?
Hannes Böhm, Stefan Eichler, Stefan Gießler
Abstract
Using daily data for 34 emerging markets in the period 1994-2016, we find robust evidence that higher export commodity prices are associated with higher sovereign bond returns (indicating lower sovereign risk). The economic effect is especially pronounced for heavy commodity exporters. Examining the drivers, we find, first, that commodity-dependence is higher for countries that export large volumes of volatile commodities and that the effect increases in times of recessions, high inflation, and expansionary U.S. monetary policy. Second, the importance of raw material prices for sovereign financing can likely be mitigated if a country improves institutions and tax systems, attracts FDI inflows, invests in manufacturing, machinery and infrastructure, builds up reserve assets and opens capital and trade accounts. Third, the concentration of commodities within a country’s portfolio, its government indebtedness or amount of received development assistance appear to be only of secondary importance for commodity-dependence.
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Corporate Misconduct and the Cost of Private Debt: Evidence from China
Xian Gu, Iftekhar Hasan, Haitian Lu
Comparative Economic Studies,
Vol. 61 (3),
2019
Abstract
Using a comprehensive dataset of corporate lawsuits in China, we investigate the implications of corporate misconduct on the cost of private debt. Evidence reveals that firms involved in litigations obtain subsequent loans with stricter pricing terms, 15.1 percent higher loan spreads, than non-litigated borrowers. Strong political connection and repeated relationship help to flatten the sensitivity of loan pricing to litigation. Nonbank financial institutions react in stronger manner to corporate misconduct than traditional banks in pricing loans. Overall, we show that private debt holders care about borrowers’ wrongdoing in the past.
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Langfristige Konsequenzen der Finanzkrise 2008/2009: Nachsichtige Regulierung schadet, flexible Löhne helfen
Reint E. Gropp, Carlo Wix
Wirtschaft im Wandel,
Nr. 2,
2019
Abstract
Die globale Bankenkrise der Jahre 2008/2009 hatte weltweit signifikant negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft, und in vielen Ländern fiel die folgende wirtschaftliche Erholung deutlich langsamer aus als in vorherigen Rezessionen. In den Monaten nach der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers reduzierten Banken ihre Kreditvergabe an Unternehmen, was zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, einem Rückgang an Investitionen und einer Verringerung der Produktivität führte. Während diese kurzfristigen Effekte in der bisherigen Forschung gut dokumentiert sind, sind die langfristigen Auswirkungen von Bankenkrisen bisher weit weniger gut verstanden. Zwei aktuelle Studien unter IWH-Beteiligung zeigen, dass Bankenkrisen generell negative langfristige Effekte auf das Wachstum von Firmen haben, dass die Rettung von schwachen Banken während der Krise mit Produktivitätsverlusten in späteren Jahren einhergeht, und dass diese negativen langfristigen Effekte durch die Existenz inflexibler Löhne verstärkt werden.
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Delay Determinants of European Banking Union Implementation
Michael Koetter, Thomas Krause, Lena Tonzer
European Journal of Political Economy,
Vol. 58,
2019
Abstract
Most countries in the European Union (EU) delay the transposition of European Commission (EC) directives, which aim at reforming banking supervision, resolution, and deposit insurance. We compile a systematic overview of these delays to investigate if they result from strategic considerations of governments conditional on the state of their financial, regulatory, and political systems. Transposition delays pertaining to the three Banking Union directives differ considerably across the 28 EU members. Bivariate regression analyses suggest that existing national bank regulation and supervision drive delays the most. Political factors are less relevant. These results are qualitatively insensitive to alternative estimation methods and lag structures. Multivariate analyses highlight that well-stocked deposit insurance schemes speed-up the implementation of capital requirements, banking systems with many banks are slower in implementing new bank rescue and resolution rules, and countries with a more intensive sovereign-bank nexus delay the harmonization of EU deposit insurance more.
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Gute Absicht – böses Ende: Die US-Wohnungspolitik als Brandbeschleuniger der Weltfinanzkrise
Reint E. Gropp, Vahid Saadi
Wirtschaft im Wandel,
Nr. 1,
2019
Abstract
Der Boom auf dem US-amerikanischen Eigenheimmarkt in den frühen 2000er Jahren führte zur schwersten Finanzkrise der vergangenen Jahrzehnte. Wissenschaftler haben unterschiedliche Faktoren dokumentiert, die zum rasanten Anstieg der Immobilienpreise beigetragen haben. Kaum beleuchtet wurde bisher die Rolle der US-Wohnungspolitik, insbesondere die Förderung des privaten Wohneigentums durch den Community Reinvestment Act (CRA). Der vorliegende Beitrag untersucht die Geschichte dieses Bundesgesetzes und seine Auswirkungen auf den Markt für Hypotheken und Wohneigentum seit den späten 1990er Jahren. Infolge des CRA wurden seit 1998 deutlich mehr Hypotheken aufgenommen. Der Anstieg der Immobilienpreise in der Boomphase beruhte zum Teil auf diesem politisch induzierten Anstieg der Hypothekenvergabe. Der CRA ermöglichte es auch Kreditnehmern mit geringerer Kreditwürdigkeit, eine Hypothek aufzunehmen – in der Folge kam es zu vermehrten Zahlungsausfällen. Der CRA hat also zum Boom-Bust-Zyklus auf dem amerikanischen Immobilienmarkt beigetragen. Er kann als Beispiel einer wohlmeinenden Politik gelten, die unbeabsichtigt wohlfahrtsmindernde Wirkungen zeitigt.
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A Market-based Measure for Currency Risk in Managed Exchange Rate Regimes
Stefan Eichler, Ingmar Roevekamp
Journal of International Financial Markets, Institutions and Money,
Vol. 57 (November),
2018
Abstract
We introduce a novel currency risk measure based on American Depositary Receipts (ADRs). Using an augmented ADR pricing model, we exploit investors’ exposure to potential devaluation losses to derive an indicator of currency risk. Using weekly data for a sample of 807 ADRs located in 21 emerging markets over the 1994–2014 period, we find that a deterioration in the fiscal balance and higher inflation increase currency risk. Interaction models reveal that the fiscal balance and inflation drive the determination of currency risk for countries with poor sovereign rating, low foreign reserves, low capital account openness and managed float regimes.
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Avoiding the Fall into the Loop: Isolating the Transmission of Bank-to-Sovereign Distress in the Euro Area and its Drivers
Hannes Böhm, Stefan Eichler
Abstract
We isolate the direct bank-to-sovereign distress channel within the eurozone’s sovereign-bank-loop by exploiting the global, non-eurozone related variation in stock prices. We instrument banking sector stock returns in the eurozone with exposure-weighted stock market returns from non-eurozone countries and take further precautions to remove any eurozone crisis-related variation. We find that the transmission of instrumented bank distress, while economically relevant, is significantly smaller than the corresponding coefficient in the unadjusted OLS framework, confirming concerns on reverse causality and omitted variables in previous studies. Furthermore, we show that the spillover of bank distress is significantly stronger for countries with poorer macroeconomic performances, weaker financial sectors and financial regulation and during times of elevated political uncertainty.
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