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IWH-Flash-Indikator II. Quartal und III. Quartal 2021

Die hohen Infektionszahlen und der seit November 2020 immer wieder verlängerte Lockdown führten im ersten Quartal 2021 zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,7%. Insbesondere der private Konsum litt unter den strengen staatlichen Restriktionen. Hingegen liefen die Warenexporte gut und verhinderten einen stärkeren Einbruch der deutschen Wirtschaft. Nachdem bereits Ende des ersten Quartals in einigen Regionen Deutschlands begonnen wurde, die Restriktionen etwas zurückzunehmen, kam es aus Sorge vor einem weiteren Anwachsen der dritten Corona-Welle in der zweiten Aprilhälfte zu einer bundesweit regulierten Verschärfung der Lockdown-Regeln. Seit Anfang Mai gehen die Corona-Neuerkrankungen in Deutschland nun zurück. Das dürfte wohl neben einem saisonalen Effekt auch auf die endlich in Fahrt gekommene Impfkampagne zurückzuführen sein. Der Lockdown dürfte in absehbarer Zeit aufgehoben werden können. Insbesondere die private Konsumnachfrage dürfte davon profitieren und zusammen mit der robusten Nachfrage aus dem Ausland die Wirtschaftsleistung laut IWH-Flash-Indikator im zweiten Quartal 2021 um 2,1% und im dritten Quartal um 2,4% steigen lassen.

10. May 2021

Authors Katja Heinisch Oliver Holtemöller Axel Lindner Birgit Schultz

Das Bruttoinlandsprodukt nahm im ersten Quartal 2021 um 1,7% ab. Insbesondere die Nachfrage der privaten Haushalte wurde durch die Einschränkungen im Einzelhandel, in der Gastronomie und im Tourismusbereich stark behindert. Dies zeigte sich im stark gesunkenen Einzelhandelsumsatz, der allerdings bereits im März 2021 mit den ersten zurückgenommenen Restriktionen wieder um 7,7% zugelegt hat. Die erneute Verschärfung in vielen Regionen durch die Bundesnotbremse dürfte den privaten Konsum allerdings wieder etwas dämpfen. Nichtsdestotrotz ist die Anschaffungsneigung laut GfK-Konsumklimaumfrage deutlich angestiegen, sodass bei weitergehenden Lockerungen mit einem kräftigen Nachholkonsum zu rechnen ist. „Wenn im Sommer die Impfkampagne in ganz Europa weiter vorangeschritten und das Leben, so wie wir es vor der Pandemie geführt haben, in vielen Bereichen wieder möglich ist, dürfte auch die private Konsumnachfrage wieder kräftig zulegen“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Im Produzierenden Gewerbe gab es zuletzt angebotsseitige Restriktionen. So wurde laut IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) von anhaltenden massiven Störungen der Lieferketten berichtet, die vereinzelt sogar zu Produktionsstillständen geführt haben. Auch zogen dadurch sowohl die Einkaufs- als auch die Verbraucherpreise erneut an. Die Auftragseingänge blieben weiterhin ausgesprochen gut. Besonders kräftig hat die ausländische Nachfrage nach Konsumgütern zugelegt. Weiterhin sehr gut ist laut ifo-Geschäftsklimaumfrage die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe. Noch verhalten ist sie hingegen im Dienstleistungssektor und im Baugewerbe; im Handel dürfte der Bundeslockdown die Geschäftserwartungen etwas gedrückt haben. Der Early-Bird-Indikator der Commerzbank hat zuletzt leicht nachgegeben, liegt aber weiter auf einem hohen Niveau.

Die Exporte deutscher Waren in die EU-Partnerländer haben ihren Stand von vor Ausbruch der Pandemie in etwa erreicht, jene nach Asien und in die USA haben ihn mittlerweile sogar übertroffen. Auch das Volumen des Welthandels (Waren) ist bereits über Vorkrisenstand. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Nachfrage nach Waren teilweise die nach vielen Dienstleistungen, die aufgrund der Pandemie nicht verfügbar sind, ersetzt hat. Davon hat schon seit vergangenem Sommer vor allem China als wichtigster Standort des Verarbeitenden Gewerbes profitiert. Sehr stark ist seit Jahresanfang auch die Konjunktur in den USA. Dafür sind die rasch fallenden Infektionszahlen und die außerordentlich starken finanzpolitischen Impulse die wichtigsten Gründe. In Europa dürfte die Produktion kräftig anziehen, wenn im Sommer die Pandemie auch hier auf dem Rückzug ist. Eine offene Frage ist, inwieweit die Lieferengpässe aufgrund der vielerorts starken Nachfrage Vorboten weltweit deutlich höherer Inflationsraten sind. Bei all dem kann die weiterhin bedrückende Lage in wichtigen und bevölkerungsreichen Schwellenländern nicht vergessen werden. So sind die Infektions- und Opferzahlen in Brasilien seit März auf Höchstständen, in Indien sind sie zuletzt sogar noch weiter gestiegen.

Der IWH-Flash-Indikator basiert auf einer Fülle von Einzelprognosen, die anhand vergangener Ereignisse seit dem Jahr 1991 die zukünftige Entwicklung prognostizieren. Abbildung 2 zeigt die Verteilung all dieser auf jeweils einem Indikator basierenden Prognosen für die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts im zweiten und dritten Quartal 2021. Um zusätzlich abzuschätzen, ob die im IWH-Flash-Indikator enthaltenen Indikatoren die Effekte von Pandemie und Lockdown adäquat wiedergeben können, werden auch Informationen aus den Mobilitätsdaten von Google (COVID-19 Community Mobility Reports) berücksichtigt.

[Die Zeitreihe mit den historischen Daten des Flash-Indikators sowie eine Beschreibung der Methodik finden Sie im Download-Bereich.]

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