25 Jahre IWH

Stabile Finanzmärkte: Was uns die Forschung lehrt

Dossier

 

Auf den Punkt

Nach dem Ausbruch der Finanzkrise stand wohl kaum eine Forderung weiter oben auf der politischen Agenda als die Stabilisierung der Finanzmärkte. Welche Effekte die Rettungsmaßnahmen hatten und welche Konsequenzen sich dadurch für die Politik ergeben, hat das IWH intensiv erforscht.

Unsere Experten

 

Eine Vielzahl an Hilfs- und Regulierungsmaßnahmen wurde sowohl von der US- als auch den europäischen Regierungen ins Leben gerufen, die der Forderung nach mehr Stabilität im Finanzsektor gerecht werden sollten. Doch heute, acht Jahre nach dem Ausbruch der Krise, wird die Wirkung dieser Maßnahmen oftmals in Frage gestellt: Welche Effekte ergaben sich zum Beispiel durch die Anhebung der Einlagensicherung von Banken? Haben sie, wie seitens der Regierungen erhofft, die Ansteckungsgefahr von Krisen vermindert? Hatte der immense Ankauf von Bankanteilen eine verzerrende Wirkung auf den Markt?

"Banken, die von der Anhebung der Einlagensicherung profitierten, gingen langfristig deutlich höhere Risiken ein"

Einlagensicherungssysteme sind ein vielbeachtetes Mittel, um ein Finanzsystem zu regulieren. Im Falle einer Bankinsolvenz garantieren diese Systeme eine Auszahlung des Geldes in einer bestimmten Höhe. Damit soll verhindert werden, dass Bankkunden in großer Zahl ihre privaten Einlagen bei der Bank zurückfordern, weil sie Angst haben, ihr Vermögen zu verlieren. Denn keine Bank ist faktisch in der Lage, die eingezahlten Beträge aller Kunden auf einmal auszuzahlen. Einen solchen bank run gilt es daher um jeden Preis zu verhindern. Tatsächlich führte die Erhöhung der Einlagensicherung in den USA von 100 000 US-Dollar auf 250 000 US-Dollar aber nicht zu mehr Sicherheit. Vielmehr trat genau das Gegenteil ein: Die Banken begannen, sich in deutlich riskanteren Geschäftsfeldern zu engagieren. Das hat einen einfachen Grund: "Ist eine Bank in risikoreicheren Bereichen aktiv, zum Beispiel bei gewerblichen Immobilien, verdient sie im Erfolgsfall deutlich mehr als in weniger riskanten Bereichen. Verkalkuliert sie sich aber, haftet automatisch das Einlagensicherungssystem der Bank", verdeutlicht Felix Noth, Finanzmarktexperte am IWH. "Um kurzfristig das Finanzsystem zu stabilisieren, werden also langfristig erhöhte Risikoanreize von Banken in Kauf genommen. Und das kann potenziell in die nächste Finanzkrise führen."

"Wenn überhaupt, dann gab es Wettbewerbsverzerrungen nur bis 2010"

Die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Einlagensicherungssysteme stellt sich vor allem auch deshalb, weil noch eine Reihe weiterer Maßnahmen darauf abzielte, die in Schieflage geratenen Banken zu stabilisieren. So zum Beispiel das Troubled Asset Relief Program (TARP) aus dem Jahr 2008, mit einem Umfang von 475 Mrd. US-Dollar eine der größten Stabilisierungsmaßnahmen in den USA. IWH-Berechnungen für alle US-amerikanischen Banken deuten beispielsweise darauf hin, dass der Wettbewerb zwischen denjenigen Banken, die Geld aus dem TARP-Programm erhielten, und denjenigen, die nicht von TARP profitierten, langfristig nicht unter der Rettungsmaßnahme litt. Die Geldmittel, die von der US-Regierung für die Bankenrettung ausgelegt wurde, erhielt die Regierung außerdem zu 112% zurück – der amerikanische Steuerzahler machte durch die Bankenrettung also sogar einen Gewinn.
Die Finanzkrise der zurückliegenden Jahre hat vor allem die möglichen Ansteckungseffekte verschiedener Finanzsysteme zum Vorschein gebracht. Es zeigte sich beispielsweise, dass die Tumulte in Europa und den USA Auswirkungen auf die Kreditvergabe und die regionale Beschäftigung in latein- und südamerikanischen Ländern hatten. Doch nicht nur die ausländische Finanzierung ist hier ausschlaggebend, sondern auch die Unternehmensstruktur an sich, ob sich also eine Bank in ausländischer Hand befindet oder nicht. Banken, die aus dem Ausland finanziert wurden, weiteten ihre Kredite beispielsweise deutlich stärker aus als solche Banken, die zusätzlich auch ausländischen Banken gehörten – und trugen damit auch deutlich mehr zur Stabilität bei.

Banken können unterschiedlich systemrelevant für ihre Heimatmärkte oder den gesamten EU-Raum sein. Obgleich ein einheitlicher Kanon an Regulierung in Europa wünschenswert wäre – wie sollte dieser ausgestaltet sein? Vorschläge für mehr Stabilität im Finanzsektor gibt es mittlerweile viele, angefangen bei einer zentralen EU-Behörde oder nationalen Überwachungen bis hin zur Trennung des Investment Bankings vom Einlagengeschäft. Der Aufbau der europäischen Bankenunion ist bereits ein erster Schritt. Die aktuellen Entwicklungen auf dem europäischen Finanzmarkt zeigen aber deutlich, dass hier noch viel Handlungsbedarf besteht.

Publikationen

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Regional Banking Instability and FOMC Voting

Stefan Eichler T. Lähner Felix Noth

in: IWH-Diskussionspapiere , Nr. 15, 2016

Abstract

This study analyzes if regionally affiliated Federal Open Market Committee (FOMC) members take their districts’ regional banking sector instability into account when they vote. Considering the period from 1978 to 2010, we find that a deterioration in a district’s bank health increases the probability that this district’s representative in the FOMC votes to ease interest rates. According to member-specific characteristics, the effect of regional banking sector instability on FOMC voting behavior is most pronounced for Bank presidents (as opposed to governors) and FOMC members who have career backgrounds in the financial industry or who represent a district with a large banking sector.

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Structural Reforms in Banking: The Role of Trading

Felix Noth Ulrich Schüwer Jan Pieter Krahnen

in: IWH-Diskussionspapiere , Nr. 9, 2016

Abstract

In the wake of the recent financial crisis, significant regulatory actions have been taken aimed at limiting risks emanating from trading in bank business models. Prominent reform proposals are the Volcker Rule in the U.S., the Vickers Report in the UK, and, based on the Liikanen proposal, the Barnier proposal in the EU. A major element of these reforms is to separate “classical” commercial banking activities from securities trading activities, notably from proprietary trading. While the reforms are at different stages of implementation, there is a strong ongoing discussion on what possible economic consequences are to be expected. The goal of this paper is to look at the alternative approaches of these reform proposals and to assess their likely consequences for bank business models, risk-taking and financial stability. Our conclusions can be summarized as follows: First, the focus on a prohibition of only proprietary trading, as envisaged in the current EU proposal, is inadequate. It does not necessarily reduce risk-taking and it likely crowds out desired trading activities, thereby negatively affecting financial stability. Second, there is potentially a better solution to limit excessive trading risk at banks in terms of potential welfare consequences: Trading separation into legally distinct or ring-fenced entities within the existing banking organizations. This kind of separation limits cross-subsidies between banking and proprietary trading and diminishes contagion risk, while still allowing for synergies across banking, non-proprietary trading and proprietary trading.

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Structural Reforms in Banking: The Role of Trading

Jan Pieter Krahnen Felix Noth U. Schuewer

in: Journal of Financial Regulation , Nr. 1, 2017

Abstract

In the wake of the recent financial crisis, significant regulatory actions have been taken aimed at limiting risks emanating from banks’ trading activities. The goal of this article is to look at the alternative reforms in the US, the UK and the EU, specifically with respect to the role of proprietary trading. Our conclusions can be summarized as follows: First, the focus on a prohibition of proprietary trading, as reflected in the Volcker Rule in the US and in the current proposal of the European Commission (Barnier proposal), is inadequate. It does not necessarily reduce risk-taking and it is likely to crowd out desired trading activities, thereby possibly affecting financial stability negatively. Second, trading separation into legally distinct or ring-fenced entities within the existing banking organizations, as suggested under the Vickers proposal for the UK and the Liikanen proposal for the EU, is a more effective solution. Separation limits cross-subsidies between banking and proprietary trading and diminishes contagion risk, while still allowing for synergies and risk management across banking, non-proprietary trading, and proprietary trading.

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Welche Risikomaße bilden das Ausfallrisiko für Geschäftsbanken adäquat ab? Eine Analyse am Beispiel US-amerikanischer Banken

Felix Noth Lena Tonzer

in: Wirtschaft im Wandel , Nr. 2, 2015

Abstract

Zur Analyse von Risiken im Bankensystem und möglichen Ausfallrisiken von Banken werden verschiedene Maße verwendet, die sowohl auf Bankbilanzdaten als auch auf der Gewinn- und Verlustrechnung von Banken beruhen. Diese Studie vergleicht häufig verwendete Risikomaße für Geschäftsbanken in den USA im Zeitraum von 1995 bis 2013. Es zeigt sich, dass alle getesteten Maße in der Lage sind, das während der Finanzkrise von 2007 bis 2009 stark angestiegene Risiko im US-Bankensystem abzubilden. Zur Prognose einer Bankinsolvenz erweist sich der einfach zu berechnende Anteil an notleidenden Vermögenswerten in der Bilanz als eine gute Ergänzung zu komplexeren Risikomaßen wie dem Z-score.

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Why Do Banks Provide Leasing?

D. Bülbül Felix Noth M. Tyrell

in: Journal of Financial Services Research , Nr. 2, 2014

Abstract

Banks are engaging in leasing activities at an increasing rate, which is demonstrated by aggregated data for both European and U.S. banking companies. However, little is known about leasing activities at the bank level. The contribution of this paper is the introduction of the nexus of leasing in banking. Beginning from an institutional basis, this paper describes the key features of banks’ leasing activities using the example of German regional banks. The banks in this sample can choose from different types of leasing contracts, providing the banks with a degree of leeway in conducting business with their clients. We find a robust and significant positive impact of banks’ leasing activities on their profitability. Specifically, the beneficial effect of leasing stems from commission business in which the bank acts as a middleman and is not affected by the potential defaults of customers.

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