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Weltwirtschaft trotz politischer Risiken im Aufschwung
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Weltwirtschaft trotz politischer Risiken im Aufschwung

Im Sommer 2017 ist die konjunkturelle Dynamik in der Welt recht hoch. Die Produktion stieg im zweiten Quartal in den USA, China und Japan deutlich schneller als zu Jahresanfang, und im Euroraum legte das Bruttoinlandsprodukt noch etwas kräftiger als in den vergangenen Quartalen zu (vgl. Abbildung 1). In Mittelosteuropa, einem für deutsche Produzenten wichtigen Absatzmarkt, ist die Konjunktur derzeit besonders stark. Dabei dürfte neben der weltwirtschaftlichen Belebung der wieder stärkere Zustrom von EU-Fördermitteln eine Rolle spielen. Recht schwach blieb dagegen die britische Konjunktur. Auf ihr lasten die Unsicherheiten um den EU-Austritt.

Schon im Winterhalbjahr hat sich der internationale Handel deutlich belebt. Eine Ursache dafür ist wohl, dass in wichtigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften, vor allem in Ostasien, wieder mehr in Ausrüstungen investiert wurde (vgl. Abbildung 2), deren Importgehalt typischerweise hoch ist. Die Finanzierungsbedingungen für Investitionen sind weltweit aufgrund der niedrigen Zinsen weiterhin günstig. Die Renditen für langfristige Staatstitel der USA sind seit Jahresanfang sogar deutlich gefallen (auf 2,2% im August). Für Deutschland sind sie zwar gestiegen, aber auf nicht mehr als knapp 0,3%. Aktienkurse haben, gemessen an globalen Indizes, seit Frühjahr 2016 recht stetig an Wert gewonnen. Anteile an Unternehmen im Euroraum sind zwar in Euro gerechnet im Sommer billiger geworden, zu Dollarpreisen sind sie aber deutlich (um etwa 6% nach dem MSCI-Index für den Euroraum) höher bewertet als zu Jahresanfang, denn der Euro hat seitdem um über 12% gegenüber der US-Währung aufgewertet. Die Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten über die künftige Kursentwicklung ist, gemessen an Indizes der impliziten Volatilitäten, im August zwar etwas gestiegen, aber im langjährigen Vergleich immer noch niedrig. Recht stabil ist auch der Ölpreis: Seit gut einem Jahr schwankt er zwischen 45 und 55 US-Dollar (August: 52 US-Dollar). Sein Einfluss auf die Verbraucherpreisinflation ist zurzeit gering.

Trotz der kräftigen weltweiten Nachfrage, und obwohl die Arbeitslosigkeit vielfach, etwa in den USA, in Japan und in Deutschland, sehr niedrig ist, steigen Preise und Löhne weiterhin nur sehr moderat, in den USA und in Japan sind die Kernraten der Verbraucherpreisinflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) im Lauf des Jahres 2017 sogar gesunken. Anders im Euroraum: Nach zwei Jahren bei im Schnitt etwas unter einem Prozent ist die Kernrate im zweiten Quartal 2017 auf 1,3% im Juli gestiegen. Dafür, dass es sich hier um eine konjunkturell bedingte Trendwende und keinen Einmaleffekt handeln könnte, spricht, dass die Verbraucherpreise dort stärker angezogen haben, wo die Konjunktur besonders gut ist: in Deutschland, den Niederlanden und Spanien.

Auch deshalb dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) im Herbst ankündigen, ihr Kaufprogramm im Jahr 2018 zwar fortzusetzen, den Umfang der Käufe aber nach und nach zu reduzieren. Mit Zinsanhebungen ist erst für die erste Hälfte des Jahres 2019 zu rechnen. Der künftige Kurs der US-Notenbank (Fed) ist zwar unsicher, denn die Amtszeit der gegenwärtigen Vorsitzenden Yellen endet im Februar 2018. Es wird aber allgemein damit gerechnet, dass die Fed ihre Leitzinsen im Jahr 2018 trotz der gegenwärtig schwachen Preisdynamik weiter vorsichtig anheben wird. Alles in allem dürfte die Geldpolitik die Konjunktur in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften im laufenden Jahr und im Jahr 2018 immer noch stimulieren. Deutlichere Zinserhöhungen sind allerdings für Volkswirtschaften wie Kanada und die Tschechische Republik möglich, wo die Immobilienpreise besonders stark steigen. Die Zentralbanken dieser beiden Länder haben bereits im Sommer vor allem deshalb ihre Leitzinsen angehoben, um die Immobilienmärkte abzukühlen.

Von der Finanzpolitik gehen im Jahr 2017 für die Weltkonjunktur geringe Impulse aus: In den USA ist sie in etwa neutral, weil es der Regierung nicht gelingt, im Kongress größere Reformen durchzusetzen; im Euroraum ist sie insgesamt leicht und in Japan etwas stärker expansiv ausgerichtet. Auch für das Jahr 2018 geht die vorliegende Prognose davon aus, dass in den USA die von der Regierung anvisierte umfangreiche Steuerreform nicht durchzusetzen sein wird. Im Euroraum dürfte die gegenwärtige finanzpolitische Ausrichtung beibehalten werden, die Finanzpolitik in Japan dürfte dagegen nicht mehr expansiv sein. Wichtiger für die Weltkonjunktur ist aber die wirtschaftspolitische Ausrichtung in China: Die dort ergriffenen expansiven Maßnahmen (etwa eine großzügigere Kreditausweitung und eine Vielzahl von öffentlichen Infrastrukturprojekten) haben wohl auch weltweit zur Belebung der Konjunktur beigetragen. Schon jetzt deuten abnehmende Expansionsraten von Geldmengenaggregaten und Anlageinvestitionen öffentlicher Unternehmen auf eine Abschwächung der wirtschaftspolitischen Impulse in China hin.

Bei Unternehmensbefragungen gemessene Stimmungsindikatoren deuten darauf hin, dass die Weltkonjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2017 kräftig bleiben, aber nicht noch weiter an Schwung gewinnen wird. Im Jahr 2018 dürfte eine nachlassende konjunkturelle Dynamik in China die Expansion auch der ostasiatischen Nachbarländer verlangsamen. Wenn die hier unterstellte Annahme zutrifft, dass es in den USA auch im Jahr 2018 zu keinen wesentlichen Reformen kommt, wird sich der Produktionszuwachs auch dort verlangsamen.

Die Zuwachsraten im Euroraum nehmen im Jahr 2018 ebenfalls ab (vgl. Tabelle A2), zum einen, weil der stärkere Euro die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Produzenten mindert, zum anderen, weil sich der Aufbau von Beschäftigung bei Unterschreiten der natürlichen Arbeitslosenraten in vielen Mitgliedstaaten verlangsamen dürfte und schließlich, weil die wirtschaftspolitischen Impulse nachlassen. Die Produktion expandiert aber noch etwas stärker als das Produktionspotenzial. Alles in allem expandiert die Weltproduktion nach vorliegender Prognose in den Jahren 2017 und 2018 um 3,1%. (vgl. Tabelle A1).

Die weltwirtschaftlichen Aussichten für den Welthandel könnten sich im Prognosezeitraum etwa durch ein Scheitern der Verhandlungen um eine Umgestaltung des NAFTA-Abkommens, durch handelspolitische Maßnahmen der USA gegen China oder durch ein Stocken der Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens eintrüben. Geopolitische Risiken, vor allem in Ostasien und im Nahen und Mittleren Osten, könnten die internationale Konjunktur belasten.

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