25 Jahre IWH

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IWH-Konjunkturbarometer Ostdeutschland: Inlandsnachfrage schiebt ostdeutsche Produktion an

Im vierten Quartal 2015 hat das Bruttoinlandsprodukt in den ostdeutschen Flächenländern – saisonbereinigt nach dem Berliner Verfahren – um 0,4% gegenüber dem schwachen dritten Vierteljahr zugenommen. Getrieben wurde die Aufwärtsbewegung vom Produzierenden Gewerbe. Der Dienstleistungssektor stagnierte. Obwohl sich der Produktionsanstieg beschleunigte und die Entwicklung in den Alten Bundesländern übertraf (0,2%), stieg das Bruttoinlandsprodukt im Jahresdurchschnitt 2015 nur um 1,3%. Damit expandierte die Produktion in den Neuen Bundesländern erneut langsamer als in den Alten (1,7%).

23. März 2016

Autoren Udo Ludwig Franziska Exß

Im Sog der deutschlandweit anziehenden Nachfrage der Investoren und Konsumenten hat das ostdeutsche Produzierende Gewerbe im vierten Quartal einen regelrechten Endspurt hingelegt. Im Verarbeitenden Gewerbe ist die Wertschöpfung kräftig, im Baugewerbe deutlich gestiegen. Die Schwäche vom Sommer wurde mehr als ausgeglichen. Maßgeblich für den Auftrieb im Verarbeitenden Gewerbe war die gestiegene Nachfrage der Unternehmen und des Staates nach Maschinen, Geräten und Fahrzeugen. Hinzu kam der Produktionsschub bei Vorleistungsgütern, die im Verbund mit den stark expandierenden Bauinvestitionen stehen. Auch die konsumnahen Produzenten von Vorleistungsgütern legten kräftig zu, sofern sie in die Bereitstellung von Leistungen für die Flüchtlinge einbezogen waren. Im Unterschied dazu sind die Nachfrageimpulse der privaten Haushalte – strukturell bedingt – an der ostdeutschen Konsumgüterindustrie vorbeigegangen.

Im Dienstleistungssektor zeichnete sich im vierten Quartal eine gespaltene Entwicklung ab. Während der Handel und das Gastgewerbe trotz steigender Konsumausgaben der privaten Haushalte nicht an die Aufwärtsbewegung im dritten Quartal anknüpfen konnten, setzte sich die positive Tendenz im Bereich Verkehr, Information und Kommunikation sowie Unternehmensdienstleistungen fort. Die Finanzdienstleister verloren trotz der leicht zunehmenden Kreditvergabe angesichts der niedrigen Zinsen und der Margenverengung infolge der hohen Refinanzierungskosten weiter an Boden. Die Mehrausgaben der öffentlichen Haushalte für die Unterbringung, Versorgung und medizinische Betreuung der Flüchtlinge stützten die Produktion.

Im ersten Quartal 2016 dürfte die wirtschaftliche Dynamik etwas nachlassen. Dafür sprechen im Verarbeitenden Gewerbe die Umsatzentwicklung zu Beginn des Quartals und die Auftragseingänge aus dem Ausland. Die Erwartungen der vom IWH befragten Industriebetriebe sind dagegen hoch. Insbesondere die Stimmung unter den Produzenten von Investitionsgütern ist gut, darunter – laut Konjunkturumfrage des Fachverbands – auch unter den Maschinenbauern. Die Geschäftsaussichten der vom IWH befragten Bauunternehmen haben sich weiter aufgehellt. Die Ausgaben für die Asylsuchenden dürften angesichts des schwächer werdenden Zustroms die Konjunktur nur noch wenig stützen. Alles in allem wird ein Produktionszuwachs von 0,3% erwartet.

Außerdem in diesem Heft

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IWH-Bauumfrage zum Jahresauftakt 2016: Wohnungsbau im Jahr 2016 der entscheidende Impulsgeber

Brigitte Loose

in: Konjunktur aktuell , Nr. 1, 2016

Abstract

Das Baugewerbe in Ostdeutschland dürfte das Jahr 2015 nach einem witterungsbedingt guten Start, einer Abschwächung im Sommerhalbjahr und einer zuletzt wieder einsetzenden Kräftigung insgesamt mit einem Minus abgeschlossen haben. Die vor Jahresfrist geäußerten Erwartungen der Unternehmen sind damit zu einem Großteil nicht in Erfüllung gegangen. Die Ertragslage der Bauunternehmen hat sich gegenüber dem Vorjahresstand leicht verschlechtert. Während sie im Hoch- und Ausbaubereich aber immer noch als gut bezeichnet werden kann, stellt sie sich im Tiefbau eher ungünstig dar.

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IWH-Industrieumfrage zum Jahresauftakt 2016: Hoffnung auf nachhaltigen Aufschwung

Cornelia Lang

in: Konjunktur aktuell , Nr. 1, 2016

Abstract

Die rund 300 vom IWH befragten Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes Ostdeutschlands gehen zuversichtlich ins Geschäftsjahr 2016. Die Erwartungen an den Umsatz überflügeln die abgerechneten Werte von 2015. Allerdings konnten im Jahr 2015 die angepeilten Umsatzziele oftmals nicht erreicht werden. Die Industriekonjunktur kam erst ab dem Sommer richtig in Schwung. Im Vorleistungsgütergewerbe, der in Ostdeutschland dominierenden Sparte, verzögerte sich dies bis ins Schlussquartal, und selbst dann wurde das Vorjahresniveau der Geschäftsaktivitäten nicht erreicht. Die Ertragslage im Jahr 2015 glich der des Vorjahres. Reichlich zwei Drittel der Unternehmen erreichten die Gewinnzone, unter den Konsumgüterherstellern sogar 82%. Die Unternehmen dieser Sparte erzielten auch überdurchschnittlich häufig Umsatzzuwächse.

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Konjunktur aktuell: Stabile Konjunktur in Deutschland trotz krisenhaften Umfelds

Arbeitskreis Konjunktur

in: Konjunktur aktuell , Nr. 1, 2016

Abstract

Die deutsche Konjunktur ist trotz internationaler Risiken und politischer Verwerfungen kraftvoll in das Jahr 2016 gestartet. Beschäftigung und Einkommen nehmen zu, und die Binnennachfrage steigt deutlich, auch weil der Staat zusätzliche Ausgaben im Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration tätigt. Allerdings dürfte es im Frühjahr zu einer vorübergehenden Verlangsamung der Dynamik kommen, darauf deuten Stimmungsindikatoren hin. Mit Fortschritten bei der Bewältigung der aktuellen politischen Probleme in Europa dürfte die Zuversicht wieder zunehmen und die deutsche Konjunktur insgesamt stabil bleiben, sodass das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2016 wohl mit einer Rate von 1,5% expandieren wird.

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