Etablierung einer evidenzbasierten Evaluationskultur für industriepolitische Fördermaßnahmen in Deutschland (EVA-KULT)

PD Dr. Mirko Titze: Etablierung einer evidenzbasierten Evaluationskultur für industriepolitische Fördermaßnahmen in Deutschland (EVA-KULT)

Das Vorhaben dient dem Ausbau des Zentrums für evidenzbasierte Politikberatung am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH-CEP). Seine Aufgabe besteht in der Verbesserung der Analysen von Effekten wirtschaftspolitischer Interventionen. Hierfür besteht ein konkreter Bedarf, da bislang nur wenige Studien Aussagen darüber treffen, ob die Intervention ursächlich für das Erreichen eines Ziels war. Diese Arbeiten stellen einen Mehrwert für das Land Sachsen-Anhalt dar, wenn bestehende Politikmaßnahmen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden können. Entsprechend dem Forschungsprofil des IWH liegen die Schwerpunkte der Arbeit des IWH-CEP auf der Evaluation von Unternehmenssubventionen sowie Finanzmarktinterventionen. In der Förderphase sollen nachhaltige Strukturen aufgebaut werden. Nur über eine kritische Masse an Personal und Aktivitäten kann das IWH-CEP überregionale und internationale Sichtbarkeit erlangen.

Strukturierung des Arbeitsprogramms

Um die Evaluationskultur in den Bereichen von Unternehmenssubventionen und Finanzmarktinterventionen nachhaltig zu stärken, bedarf es ausgeklügelter Pilotstudien, mit denen die Machbarkeit solcher Vorhaben demonstriert wird. Das beantragte Projekt evaluiert exemplarisch Programme der Unternehmensförderung umfassend in ihrer Wirkung, d. h. auf der Ebene der Regionen und der Unternehmen sowie im Zusammenspiel mit anderen Förderprogrammen, insbesondere der Innovationsförderung. Das Projekt ist in 5 Arbeitspakete unterteilt:

  1. Systematisierung von Programmen der Unternehmensförderung
  2. Evaluierung der Effekte auf der Mikroebene
  3. Evaluierung der Effekte auf der Mikroebene bei mehreren Programmen
  4. Evaluierung der Effekte auf der Makroebene
  5. Wissenstransfer mit Wissenschaft, Administration, Politik und Öffentlichkeit

Innovative Elemente des Vorhabens

Die Diskussion um evidenzbasierte Evaluationen stellt drei Aufgabenbereiche heraus: a) Wirkungsforschung; b) Datenmanagement; c) Wissenstransfer. Der State-of-the-Art der Wirkungsforschung (a) besteht in der Anwendung kontrafaktischer Untersuchungsdesigns. Die zu beantwortende Frage lautet, was passiert wäre, wenn es die Intervention nicht gegeben hätte. Die Wirkungsforschung nähert sich diesem Kontrafaktum, indem sie auf geeignete ökonometrische Methoden zurückgreift. Im Fokus des Datenmanagements (b) steht die Organisation umfangreicher (Förder-)Datensätze. Hier geht es vor allem darum, originäre Informationen nicht neu zu erheben, sondern aus bereits vorhandenen Datenquellen intelligent zu verknüpfen. Der bilaterale Wissensaustausch mit der Politik (c) ist notwendig, um die politischen Interventionen zu verstehen und der Politik Ansatzpunkte für Verbesserungen zu liefern. Das innovative Element in der Arbeit des IWH-CEP besteht darin, dass es diese drei Bereiche miteinander verknüpft. Fehlt auch nur eines dieser Elemente, dann sind evidenzbasierte Evaluationen schon nicht mehr möglich. Nur diese Vorgehensweise erlaubt, dass die Ergebnisse später replizierbar, reproduzierbar und verallgemeinerbar sind.

Adressaten des Vorhabens

Zielgruppen der Aktivitäten des IWH-CEP sind die Scientific Community, Vertreter der Regierungen und Parlamente, Studenten sowie die breite Öffentlichkeit. Erstens präsentiert das IWH-CEP seine Ergebnisse in der Scientific Community. Zweitens erstellt das IWH-CEP evidenzbasierte Studien, die Empfehlungen für „gute“ Wirtschaftspolitik sowie für Verbesserungen von administrativen (Förder-)Prozessen beinhalten. Das IWH-CEP ist eingebunden in verschiedene laufende Evaluationsprojekte. Darüber hinaus bringt das IWH-CEP seine Expertise in Anhörungen bei der Europäischen Kommission, dem Bundeskanzleramt, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie Ministerien der Länder ein. Drittens ist das IWH-CEP eingebunden in Lehraktivitäten, um die Studenten, Mitarbeiter der Behörden und Parlamentarier sowie Journalisten mit den Methoden der Kausalanalyse und der Interpretation von Evaluationsberichten vertraut zu machen.

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