IWH-Insolvenztrend: Entwicklung setzt sich fort – immer mehr Beschäftigte von Insolvenzen betroffen

Im Juli waren in Deutschland mehr als dreimal so viele Jobs von Unternehmensinsolvenzen betroffen wie im Durchschnitt der ersten Monate dieses Jahres. Auch gegenüber dem Vormonat ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Die Anzahl der Firmenpleiten ist dagegen erneut leicht gesunken. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) liefert mit dem IWH-Insolvenztrend ein monatliches Update zum bundesweiten Insolvenzgeschehen.

Autoren Steffen Müller

Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Juli erneut leicht gesunken. Laut IWH-Insolvenztrend wurden im vorigen Monat 895 Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland als insolvent gemeldet. Das waren etwa 3% weniger als im Vormonat Juni und 11% weniger als im Juli 2019. Wie bereits im Vormonat ist jedoch die Anzahl der betroffenen Arbeitskräfte deutlich gestiegen, was auf eine zunehmende Zahl von Großinsolvenzen zurückzuführen ist. Die Analyse des IWH zeigt, dass die 10% der Unternehmen mit den meisten Beschäftigten, deren Insolvenz im Juli gemeldet wurde, insgesamt 23 600 Personen beschäftigen. Gegenüber den ersten Monaten des Jahres, in denen jeweils rund 6 700 Personen in den Top 10% beschäftigt waren, hat sich die Anzahl der betroffenen Beschäftigten damit mehr als verdreifacht. Auch gegenüber dem Vormonat ist die Anzahl der Arbeitskräfte in den Top 10% mit ca. 76% deutlich gestiegen.

Der Trend hin zu mehr Großinsolvenzen und damit mehr betroffenen Beschäftigten bei einer gleichzeitig leicht rückläufigen Anzahl von Firmenpleiten hat sich bereits in den letzten Monaten angedeutet. „Deshalb ist die reine Anzahl der Insolvenzen zurzeit als ökonomischer Indikator zur Abbildung der Folgen der Coronakrise nicht gut geeignet“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Abteilung Strukturwandel und Produktivität und der dort angesiedelten Insolvenzforschungsstelle. Vielmehr müsse man die Anzahl der betroffenen Jobs im Auge behalten. Sobald die bis zum 30.09.2020 teilweise ausgesetzte Insolvenzantragspflicht wieder vollständig greift, dürfte jedoch auch die Anzahl der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wieder steigen.

Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben. Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Zwischen der Insolvenzantragsstellung und der Bekanntmachung der Eröffnungsentscheidung durch die Gerichte können Wochen und Monate liegen. Deshalb betreffen die Insolvenzbekanntmachungen im Juli einige Unternehmen, die ihre Zahlungsunfähigkeit schon im Frühjahr angezeigt hatten. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden Einrichtungen auf diesem Themengebiet.

Mehr zur IWH-Insolvenzforschungsstelle und zur Methodik hinter dem IWH-Insolvenztrend: www.iwh-halle.de/insolvenzforschung

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